Lara Croft meldet sich zurück – und zwar nicht leise, sondern auf der ganz großen Bühne. Die neue Tomb-Raider-Spiel wird erstmals auf den The Game Awards 2025 gezeigt. 
Crystal Dynamics hat bestätigt, dass während der Show von Geoff Keighley am Donnerstag, 11. Dezember, ein erster Blick auf das nächste Kapitel der Kultheldin gezeigt wird. Die Live-Show startet um 19:30 Uhr Eastern, 16:30 Uhr Pacific, was in Europa in die Nacht fällt – perfekte Uhrzeit für Fans, die sich ohnehin wieder einmal eine lange Lara-Nacht wünschen.
Der Tease begann auf ungewöhnliche Weise: Über ein spezielles Portal im The-Game-Awards-Bereich von Fortnite wurden Spieler auf die Rückkehr aufmerksam gemacht. Kurz darauf legten die offiziellen Tomb-Raider-Accounts in den sozialen Medien nach und fragten: "Habt ihr sie vermisst? Sie hat euch vermisst." Für eine Figur, die im Guinness-Buch der Rekorde als erfolgreichste Videospiel-Heldin geführt wird, ist das mehr als ein Spruch – es ist eine Erinnerung daran, dass Lara nie wirklich weg war, sondern nur auf den nächsten großen Sprung gewartet hat.
Sieben Jahre Funkstille und ein Berg an Erwartungen
Der letzte große Serienteil war Shadow of the Tomb Raider aus dem Jahr 2018. Federführend war damals Eidos Montréal, während Crystal Dynamics eher die Rolle des erfahrenen Partners im Hintergrund einnahm. Parallel arbeitete das Studio an Marvel’s Avengers, einem Live-Service-Projekt, das trotz prominenter Lizenz krachend hinter den Erwartungen zurückblieb. Für viele Spieler wurde Avengers zum abschreckenden Beispiel dafür, wie man eine starke Marke mit zu viel Gier nach Langzeitmonetarisierung in die falsche Richtung lenken kann.
Seitdem ist es um Tomb Raider verhältnismäßig ruhig geworden. Ja, es gab Remaster, Sammlungen und jede Menge nostalgische Rückblicke, aber keine wirklich neue große Reise mit Lara. Entsprechend hoch sind die Erwartungen: Nach sieben Jahren Funkstille wollen Fans kein vorsichtiges Testballonprojekt, sondern ein selbstbewusstes Statement, das zeigt, wohin die Serie im kommenden Jahrzehnt steuert.
Unreal Engine 5 und die Idee einer "vereinten" Lara Croft
Bereits im April 2022 kündigte Crystal Dynamics an, dass das neue Tomb Raider auf der Unreal Engine 5 entstehen wird. Der hauseigene Foundation-Engine wird damit in Rente geschickt. Technisch eröffnet das Chancen auf deutlich dichtere Vegetation, dynamischere Beleuchtung, feinere Details in Ruinen und Tempeln sowie insgesamt glaubwürdigere Animationen – genau die Zutaten, die eine Abenteuerreihe wie Tomb Raider braucht.
Gleichzeitig sprach das Studio von einem inhaltlichen Ziel: die unterschiedlichen Versionen von Lara – die überzeichnete Ikone der 90er, die verletzliche Überlebende der Reboot-Trilogie und eine ältere, erfahrenere Abenteurerin – stärker zusammenzuführen. Herauskommen soll eine Figur, die ihre Vergangenheit nicht verleugnet, aber auch nicht in Nostalgie stecken bleibt.
Amazon als Publisher und der Plan für ein Franchise-Universum
Später wurde klar, dass Amazon Games als Publisher einsteigt. Parallel dazu sicherte sich Amazon auch Film- und Serienrechte an Tomb Raider. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Lara Croft soll nicht nur im Spiele-Regal präsent sein, sondern als Marke, die sich über mehrere Medien erstreckt. Geplant ist ein vernetztes Universum, in dem Spiel, Serie und mögliche weitere Projekte aufeinander aufbauen, statt sich gegenseitig zu widersprechen.
Für die kommende Live-Action-Serie ist Sophie Turner als Lara besetzt, die Dreharbeiten sollen in den nächsten Jahren starten. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die Serie frühestens 2027 erscheint – was die Chancen erhöht, dass das neue Spiel bereits 2026 in den Handel kommt und somit den Auftakt für diese neue Ära bildet.
Gerüchte: Indien, Open World und eine Motorrad-Lara
Offiziell hält sich Crystal Dynamics mit konkreten Details zurück. Der spannendste Leak stammt aus Mitte 2024: Demnach soll ein großer Open-World-Schauplatz in Indien im Mittelpunkt stehen, inklusive weiträumiger Regionen, die Lara auf einem Motorrad durchquert. Bestätigt ist davon nichts, aber die Vorstellung beflügelt die Fantasie der Community.
Ein Indien im AAA-Maßstab würde der Reihe die Möglichkeit geben, monumentale Stufen-Tempel, von Monsunregen zerfressene Täler, moderne Metropolen und reichhaltige Mythologie zu kombinieren. Man kann sich leicht vorstellen, wie Lara nachts mit Vollgas durch dicht bewachsene Dschungelpfade fährt, nur um anschließend in längst vergessene Heiligtümer abzutauchen, in denen alte Legenden plötzlich sehr reale Konsequenzen haben.
Mindestens genauso wichtig wie der Schauplatz ist jedoch die Frage nach dem Fokus des Gameplays. Viele Fans wünschen sich eine Rückkehr zu anspruchsvollen Gräbern, vielschichtigen Rätseln und präzisem Klettern. Die Reboot-Trilogie war zwar spielerisch solide, rückte aber nach und nach stärker in Richtung Standard-Actionspiel mit Crafting-System und Sammel-Checkliste. In Foren liest man immer wieder den gleichen Wunsch: weniger Loot-Gefummel, mehr Momente, in denen ein Raum wie ein großes physisches Puzzle funktioniert.
Amazon-Skepsis vs. Vertrauen in Crystal Dynamics
Die Rolle von Amazon sorgt dabei für eine spürbare Spaltung in der Fanbase. Die einen sehen vor allem die Gefahr, dass Geschäftsentscheidungen über Kreativität gestellt werden: Battle Pass, Shops, künstlich gestreckter Grind – das sind Begriffe, die in Diskussionen immer wieder auftauchen. Schon jetzt machen Memes die Runde, in denen Lara eher wie eine Motivationscoach als wie eine Archäologin wirkt.
Die andere Seite gibt sich vorsichtig optimistisch. Sie verweist darauf, dass Crystal Dynamics 2013 Tomb Raider und später Rise of the Tomb Raider abgeliefert hat – zwei Spiele, die bis heute als Referenz für cineastische Third-Person-Abenteuer gelten. Das Fiasko mit den Avengers wird eher als unrunder Ausflug ins Live-Service-Terrain gesehen denn als Beweis dafür, dass das Studio es verlernt hätte. In diesem Lager hofft man darauf, dass Amazon vor allem das Budget und die Bühne liefert, während das kreative Steuer in San Francisco bleibt.
Was uns auf den Game Awards 2025 wahrscheinlich erwartet
Je näher der Dezember rückt, desto klarer zeichnen sich die Erwartungen ab. Realistisch ist ein starker Reveal-Trailer, der das neue Design von Lara, die Tonalität der Geschichte und einen markanten Ausschnitt der Welt zeigt – abgerundet durch kurze, aber eindeutige In-Engine-Szenen auf Basis der Unreal Engine 5. Ein endgültiger Titel, ein kurzer Monolog von Lara und ein grobes Release-Fenster für 2026 würden reichen, um die Community wochenlang mit Trailer-Analysen zu beschäftigen.
Jedes Frame dürfte seziert werden: Wirkt die Spielwelt wirklich offener oder eher wie große Hubs? Sind die Gräber wieder das Herz der Erfahrung oder nur nette Nebenaufgaben? Wie viel erinnert die Ästhetik an die kantige PS1-Ära, und wie viel an die dreckige Survival-Phase der letzten Jahre? Und irgendwo im Hintergrund steht die große Franchise-Frage: Erkennt man bereits, an welchen Stellen das Spiel Anknüpfungspunkte für die Serie und andere Projekte legt?
In einer Zeit, in der Studios schließen, Großprojekte eingestellt werden und selbst bekannte Marken plötzlich auf Eis landen, wirkt die Rückkehr von Tomb Raider auf der Bühne der Game Awards wie ein seltenes, gemeinsames Hoffnungsprojekt. Der Optimismus ist vorsichtig, ja – viele haben den Screenshot-Ordner für Spottmemes schon vorbereitet. Aber gleichzeitig ist die Neugier riesig: Was für eine Lara Croft bekommen wir 2026 zu sehen, nach all den Jahren Pause, unter dem Dach eines neuen Mediengiganten und auf einer Technologie, die alles möglich erscheinen lässt?
1 kommentar
am Ende wird’s vermutlich solider AAA-Blockbuster, aber wenn Crystal den alten Flow wiederfindet, könnte das echt die beste Phase seit 2013 werden