Amazon hat eine weitere massive Entlassungswelle angekündigt, bei der über 14.000 Mitarbeitende betroffen sind – und diesmal trifft es auch das Gaming-Segment, die Amazon Game Studios. Laut Berichten von Bloomberg und The Verge handelt es sich nicht um kleine Einschnitte: Das Unternehmen stoppt große Teile seiner AAA-Entwicklung, insbesondere im Bereich der MMOs. 
Steve Boom, Leiter der Bereiche Audio, Twitch und Games bei Amazon, bestätigte, dass die Firma stolz auf ihre bisherigen Erfolge sei, aber nun ihre Prioritäten neu ordnen müsse.
Für viele Beobachter kam die Nachricht überraschend. In den letzten Jahren hatte Amazon mit viel Geld versucht, in der Gaming-Branche Fuß zu fassen. Spiele wie New World und Lost Ark deuteten an, dass sich das Unternehmen langsam etablieren könnte. Doch jetzt scheint Amazon den Stecker zu ziehen – vor allem im MMO-Bereich, der einst als Herzstück der Game Studios galt. Besonders die Teams in Irvine und San Diego sowie die zentrale Publishing-Abteilung sind von den Entlassungen betroffen.
Der Hintergrund der Entscheidung liegt in einer umfassenden Konzernumstrukturierung mit Fokus auf künstliche Intelligenz. In einer internen Mitteilung erklärte Amazon-Managerin Beth Galetti, dass das Unternehmen schlanker und effizienter werden müsse, um Ressourcen gezielter in Zukunftstechnologien zu investieren. Ihrer Aussage nach ist die aktuelle Generation der KI „die transformativste Technologie seit dem Internet“, und Amazon wolle sich neu aufstellen, um diese Entwicklung bestmöglich zu nutzen.
Für Amazon Game Studios könnte dies das Ende eines langen und schwierigen Kapitels bedeuten. Trotz enormer finanzieller Mittel gelang es der Abteilung nie, dauerhaft erfolgreiche Spiele zu etablieren. New World startete stark, verlor aber schnell an Popularität. Branchenkenner vermuten, dass Amazon sich nun verstärkt auf Serien- und Filmproduktionen konzentrieren könnte – ein Bereich, in dem der Konzern mit der Fallout-Serie bereits beachtlichen Erfolg hatte. Geplante Adaptionen von Wolfenstein und Mass Effect deuten darauf hin, dass Amazon seine Gaming-Marken künftig lieber für Streaming und Unterhaltung nutzen will, statt eigene AAA-Spiele zu entwickeln.
Dennoch sehen einige Experten in diesem Schritt eine verpasste Chance. Mit seiner riesigen Infrastruktur, der Cloud-Plattform AWS und dem Streaming-Dienst Luna hätte Amazon das Potenzial gehabt, ein Gaming-Ökosystem aufzubauen, das Spiele, Cloud und Medien vereint. Bei einem prognostizierten Jahresgewinn von 60 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 hätte eine Investition von nur 3 % – etwa 2 Milliarden pro Jahr – ausgereicht, um große Studios wie Ubisoft oder CD Projekt zu übernehmen und ein globaler Branchenriese zu werden. Stattdessen setzt Amazon jetzt auf KI – ein Schritt, der entweder als kluge Neuausrichtung gilt oder als das endgültige Ende seines Gaming-Traums.