AMD stellt sich auf, den Servermarkt erneut aufzumischen – mit den kommenden EPYC Venice Prozessoren auf Basis der Zen-6-Architektur und dem neuen SP7-Sockel. Die Eckdaten klingen fast schon absurd: bis zu 256 Kerne und eine Leistungsaufnahme, die in Spitzen bis zu 1400 Watt reicht. 
Vorgestellt wurden erste Details beim OCP APAC Summit durch Taiwan Microloops Corp, die dort auch ihre neuesten Flüssigkühlungslösungen präsentierten.
Zum Vergleich: Die aktuellen EPYC Turin Prozessoren auf SP5 kommen auf rund 500 Watt. Mit SP7 startet AMD bei 700 Watt und skaliert hoch bis 1400 Watt – ein Sprung, der auf den ersten Blick übertrieben wirkt. Doch wer die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt hat, weiß: AMD hebt mit jeder Generation die TDP-Grenze an, liefert dabei aber gleichzeitig eine bessere Effizienz pro Watt. Auch Venice dürfte diesem Muster folgen und trotz hoher Zahlen mehr Leistung pro Energieeinheit bieten.
Damit rückt die Kühlung ins Zentrum. Microloops stellte eine neue Coldplate vor, die auf Kühlung im Kilowatt-Bereich ausgelegt ist. Zwei Anschlüsse (Ein- und Auslass), ein verstärkter Metallrahmen und sechs Schraubpunkte – optisch ähnelt die Konstruktion dem Vorgänger auf SP5, technisch ist sie jedoch für viel höhere Wärmelasten ausgelegt. Luftkühler oder herkömmliche AIO-Lösungen sind hier keine Option mehr.
Doch das ist nur der Anfang. Auf der Hot Chips 2025 zeigte FABRIC8LABs mit ECAM (Electrochemical Additive Manufacturing) eine neue Fertigungsmethode für Kühlkanäle. Statt einfacher gerader Kanäle lassen sich hochkomplexe Strukturen drucken, die laut Hersteller die thermische Leistung um 20 bis 85 % verbessern. Das könnte die Betriebskosten in Rechenzentren massiv senken und eröffnet auch für GPUs oder AI-Beschleuniger ganz neue Perspektiven.
Venice wird das Flaggschiff auf SP7, während AMD parallel SP8 für einfachere Systeme entwickelt. Als direkte Gegenspieler stehen Intels nächste Xeon-Generationen Clearwater Forest (E-Core) und Diamond Rapids (P-Core) bereit. Der Wettkampf dreht sich aber längst nicht mehr nur um rohe Leistung, sondern um die Balance zwischen Performance, Effizienz und Nachhaltigkeit in einer Zeit steigender Energiekosten.
Die Community reagiert gespalten. Einige feiern die 1400 Watt als Beweis, dass AMD Intel endgültig deklassiert hat. Andere sehen vor allem die Klimafolgen kritisch: CPUs und GPUs, die zusammen mehrere Kilowatt ziehen, belasten Stromnetze, die oft noch mit Kohle und Gas laufen. Enthusiasten wiederum nehmen es mit Humor und verpassen den Chips Spitznamen wie „Fryzen“ oder „Grenadeon“ – eine Mischung aus Staunen und Sarkasmus.
Auch für Workstation- und Enthusiasten-Bereiche könnte sich diese Entwicklung auswirken. Threadripper-Modelle überschreiten schon heute im Overclocking die 1-kW-Marke. Mit Venice deutet sich an, dass derartige Leistungsaufnahmen künftig nicht Ausnahme, sondern Standard werden. Was früher als extremes Bastler-Hobby galt, wird Teil des Mainstreams.
Unterm Strich ändert AMD mit Venice die Spielregeln. Der SP7-Sockel markiert den Beginn einer Ära, in der extreme Rechenleistung ohne radikal neue Kühlung schlicht nicht mehr möglich ist. Skeptiker mögen von „Hype“ oder „Vaporware“ sprechen, doch die Richtung ist klar: Prozessoren im Kilowatt-Bereich sind keine Vision mehr, sondern Realität im Entstehen.
Der offizielle Launch ist für das kommende Jahr angesetzt. Sollte AMD die Versprechen halten, bedeutet das nicht nur neue Kopfschmerzen für Intel, sondern auch eine ernsthafte Diskussion über die Grenzen von Leistung, Effizienz und Nachhaltigkeit.