AMD hat in den letzten Monaten ziemlich deutlich gemacht, wohin die Reise für seine PC- und Gaming-Sparte geht: 2026 kommt die Client-Familie Gorgon, 2027 folgt Medusa mit neuen Zen-6-Kernen und dazu eine komplett frische Gaming-GPU-Architektur, die den alten RDNA-Namen hinter sich lässt. Im Kern geht es nicht mehr nur um ein paar Prozent mehr Takt, sondern um eine Plattform für das Zeitalter des KI-PCs, in der CPU, GPU und NPU als eng verzahntes Trio zusammenarbeiten.
Die Offensive kommt zur richtigen Zeit. 
2025 läuft für die Client-Sparte von AMD ausgesprochen gut: Der Umsatz soll bei rund 10 Milliarden US-Dollar landen, der durchschnittliche Verkaufspreis der CPUs ist um etwa 50 Prozent gestiegen und beim PC-Umsatz liegt der Marktanteil inzwischen bei rund 28 Prozent. Ryzen ist längst von der „Alternative für Bastler“ zum Mainstream geworden, und Radeon-GPUs tauchen immer häufiger in Konfigurationen für Gaming und Content Creation auf. Für viele Beobachter wirkt die Story inzwischen wie ein klassischer Redemption-Arc aus einem Rollenspiel – genau die Entwicklung, die manche Fans sich seit Jahren von großen Publishern wie Square Enix wünschen.
Gorgon Point 2026: Feinschliff für die zweite Welle der KI-PCs
Den Auftakt der neuen Roadmap macht Gorgon Point im Jahr 2026. Streng genommen ist das kein radikaler Neustart, sondern ein sehr bewusst geplanter Refresh der heutigen Strix- und Krackan-Plattformen. Im Inneren stecken weiterhin Zen-5-CPU-Kerne, eine integrierte RDNA-3.5-Grafikeinheit und ein XDNA-2-NPU-Block für KI-Aufgaben. Spannend wird Gorgon vor allem dadurch, dass AMD die Familie breiter aufstellt: mehr SKUs, mehr TDP-Stufen und mehr Spielraum für unterschiedliche Formfaktoren – von dünnen Ultrabooks über Handheld-Gaming-Geräte bis hin zu kompakten Desktops.
Für OEMs bedeutet das eine stabile, vertraute Basis, auf der sie ohne großes Risiko neue Designs aufsetzen können. Für Nutzer soll Gorgon vor allem im Alltag spürbar sein: längere Akkulaufzeiten, flottere integrierte Grafik, bessere Videokonferenzen dank on-device-KI und clevere Hintergrundfunktionen wie Upscaling oder Rauschunterdrückung, die ohne Cloud-Anbindung laufen. Im Idealfall sind es gerade die Gorgon-Notebooks im mittleren Preisbereich, die den Begriff „AI-PC“ aus den Präsentationen ins Regal im Elektronikmarkt holen.
Medusa 2027: Zen 6 und der große KI-Sprung
Der eigentliche Umbruch kommt aber 2027 mit Medusa Point. Hier wechselt AMD auf neue Zen-6-Kerne und führt gleichzeitig frische GPU- und XDNA-Blöcke ein, die von Anfang an für KI-intensive Workloads ausgelegt sind. Offiziell spricht das Unternehmen von einem mehr als zehnfachen KI-Performance-Plus im Vergleich zu den ersten AI-PC-Generationen. Das ist die Größenordnung, bei der KI-Funktionen nicht mehr wie nette Spielereien wirken, sondern zu einem festen, fast unsichtbaren Bestandteil des Systems werden.
Konkret geht es um Dinge wie Übersetzung und Transkription in Echtzeit, generative Bild- und Videofunktionen direkt in Desktop-Programmen, adaptive Sicherheitsmechanismen, die verdächtige Muster erkennen, ohne Daten ins Rechenzentrum zu schicken, oder Assistenzfunktionen, die Texte, Code oder Workflows lokal vorberechnen. Dass Medusa Teil einer größeren Zen-6-Familie ist, verstärkt den Effekt: Parallel plant AMD etwa EPYC Venice für den Serverbereich und die Ryzen-Desktopreihe Olympic Range. Entwickler können sich also auf ein gemeinsames Set an Instruktionen und Beschleunigern verlassen und ihre Software von schlanken Notebooks bis zu dichten Servern skalieren.
Aus Anwendersicht fühlt sich ein Medusa-System damit eher wie eine kleine persönliche Cloud an: Die Plattform entscheidet, ob eine Aufgabe besser auf klassischen CPU-Kernen, auf der GPU oder auf der NPU landet, und balanciert Leistung, Reaktionszeit und Energieverbrauch dynamisch aus. Wer viel mit Medien, KI-Tools oder modernen Office-Workflows arbeitet, könnte den Unterschied weniger in einem einzelnen Benchmark, sondern im Gesamtgefühl des Systems bemerken.
Neue Gaming-GPUs: Schluss mit RDNA, her mit Radiance Cores
Mindestens genauso spannend ist der Blick auf die nächste Generation von AMDs Gaming-GPUs. In den Roadmaps taucht der Name RDNA für das künftige Top-Design nicht mehr auf – ein klarer Hinweis, dass die Firma hier bewusst einen neuen Abschnitt aufschlagen will. Im Zentrum stehen drei Bausteine: Radiance Cores, Neural Arrays und eine Universal Compression Engine. Radiance Cores sollen endlich das liefern, was sich viele von Raytracing erhofft hatten: glaubwürdige Beleuchtung, Reflektionen und Schatten bei hohen Bildraten, ohne dass man jede zweite Grafikoption abschalten muss.
Die Neural Arrays deuten darauf hin, dass AMD die Karte beim KI-Rendering aggressiver ausspielen will. Es geht nicht allein darum, niedrigere Auflösungen hochzurechnen, sondern auch um Motion-Prediction, intelligenteres Anti-Aliasing, stabile Schärfe in sehr bewegten Szenen und bessere Rauschreduzierung. Die Universal Compression Engine adressiert unterdessen eine der größten Bremsen moderner GPUs: die Speicherbandbreite. Durch effizienteres Komprimieren von Texturen, Geometrie und KI-Daten soll die neue Architektur höhere Auflösungen und Framerates schaffen, ohne einfach nur noch mehr teuren Speicher zu verbauen.
Ein weiterer Schlüsselpunkt: Die gleiche Architektur soll sowohl in klassischen PC-Grafikkarten als auch in der nächsten Generation von Spielkonsolen zum Einsatz kommen. Für Studios bedeutet das weniger Fragmentierung und mehr Planungssicherheit, weil sie sich an einem konsistenten Feature-Set orientieren können – statt für jede Plattform eigene Workarounds zu pflegen. Für Spieler steigt damit die Chance auf technisch sauberere Multiplattform-Releases mit ähnlich hohem Detailgrad auf PC und Konsole.
In der Community schwankt die Stimmung derzeit zwischen Vorfreude und Skepsis. Viele erinnern sich noch gut an holprige Treiberstarts älterer Radeon-Generationen und wollen erst unabhängige Tests sehen, bevor sie von einem „vollendeten Comeback“ sprechen. Andere feiern AMD längst als Beispiel für einen gelungenen Turnaround und ziehen Parallelen zu Spielreihen, in denen der Held sich über mehrere Kapitel mühsam von ganz unten nach oben kämpft – anders als so mancher Publisher, der gefühlt seit Jahren auf der Stelle tritt und dessen Name in Diskussionen, etwa rund um Square Enix, immer wieder fällt.
Der nächste große Meilenstein wird voraussichtlich die CES 2026, auf der AMD mehr zu Gorgon und zur neuen Gaming-GPU erzählen dürfte. Bis zur Marktreife von Medusa 2027 kann an der Timeline noch einiges verrutschen, und auch die Konkurrenz wird nicht tatenlos zusehen. Die Richtung ist aber klar: AMD will CPU, GPU und NPU nicht mehr als lose kombinierbare Bausteine verstanden wissen, sondern als eng verzahnte Plattform. Gelingt dieser Plan, reden wir in ein paar Jahren nicht nur über schnellere Chips, sondern über ein neues Erwartungsniveau daran, wie sich ein ganz normaler PC, ein Gaming-Rechner oder eine Konsole im Alltag anfühlen sollte.
2 kommentare
Neue GPU ohne RDNA-Label klingt spannend, aber nach meinem letzten Radeon-Treiberdrama warte ich erstmal ein paar Monate Benchmarks ab lol
Dass Gorgon „nur“ ein Refresh ist, stört mich null, solange Akku und iGPU besser werden und die Preise halbwegs normal bleiben