Nach einer Woche voller Missverständnisse und hitziger Debatten zieht AMD die Reißleine und spricht Klartext: RDNA 1 (Radeon RX 5000) und RDNA 2 (Radeon RX 6000) werden weiterhin unterstützt. 
Statt Auslaufmodell gibt es eine eigene, stabile Treiber-Branch – inklusive Support für neue Spiele, Performance-Optimierungen sowie Sicherheits- und Bugfixes.
Wie die Verwirrung entstand
Auslöser war das Release des AMD Software: Adrenalin Edition 25.10.2. In den Notizen stand, RDNA 1/2 wandere in eine separate Branch. Für viele klang das nach einem sanften Abschied. Parallel sorgten zwei Nebenschauplätze für mehr Lärm als nötig: Eine kurzzeitig erwähnte Entfernung der USB-C-Ladefunktion bei manchen RX-7900-Modellen (inzwischen zurückgenommen) sowie ein Installationspaket jenseits der 1-GB-Marke. Im Zusammenspiel las sich die Formulierung zur Branch wie eine EOL-Ankündigung – war sie aber nicht.
AMD lieferte zwar rasch Klarstellungen, doch vage Worte wie „je nach Marktbedarf“ beruhigten kaum. Jetzt lautet die Botschaft unmissverständlich: Besitzerinnen und Besitzer einer RX 5000 oder RX 6000 bekommen weiterhin Game-Ready-Support für neue Titel, Stabilitäts- und Performance-Updates sowie Sicherheits- und Fehlerkorrekturen. Der Unterschied liegt im Prozess: Die Updates kommen über eine dedizierte, über Jahre ausgetestete Branch, während RDNA 3/4 in einem schnelleren Feature-Zyklus laufen.
Was eine dedizierte Branch praktisch bedeutet
Wer LTS-Modelle aus der Softwarewelt kennt, versteht den Ansatz sofort. Eine stabile Linie bedeutet weniger riskante Änderungen und mehr Vorhersagbarkeit. Das erlaubt AMDs Entwickler*innen, auf der „schnellen Spur“ (RDNA 3/4) neue Funktionen – etwa FSR-Iterationen, Aufnahme/Streaming-Verbesserungen oder tiefe DX/Vulkan-Anpassungen – zügig zu liefern, ohne ältere Architekturen jedes Mal mitzuziehen. Gleichzeitig profitieren RDNA 1/2-Karten von einer Codebasis, die für populäre Spiele bereits jahrelang geschärft wurde und deshalb weniger Regressionen produziert.
Übersetzt in den Alltag: Wenn ein großer Blockbuster erscheint, sollten RX 5000/6000-User weiterhin zeitnah Profile und Optimierungen sehen. Taucht eine Schwachstelle auf, folgt ein Patch. Stürzt ein Spiel in einer exotischen Konstellation ab, arbeitet die stabile Linie einen Fix ein. Weniger wahrscheinlich sind hingegen brandneue Features, die tief in die Architektur eingreifen – diese priorisiert AMD verständlicherweise auf RDNA 3/4.
Warum Misstrauen bleibt – und warum das okay ist
Ein Teil der Community wertet das Statement als reines Schadensmanagement: „Alte Treiber, neuer Etikettenschwindel.“ Andere finden, die Aufregung sei maßlos gewesen – ein Halbsatz in den Notes wurde zum Drama aufgeblasen. Beide Sichtweisen haben Anknüpfungspunkte: AMDs erste Kommunikation war unglücklich, das Netz verstärkte den Rest.
Die nüchterne Perspektive: Eine stabile Branch ist kein Support-Stopp, aber eben auch kein Jungbrunnen für eine Architektur aus 2019–2021. Entscheidend ist die Frequenz. Kommen zu großen Releases weiterhin zügig Profile und landen regelmäßig Sicherheits-/Bugfixes, erfüllt AMD sein Versprechen: Stabilität ohne Fallenlassen. Versiegen die Updates, klingt „Wartungsmodus“ schnell nach Euphemismus – und das merkt die Spielerschaft sofort.
Konkrete Empfehlungen je nach Hardware
- RX 5000/6000 (RDNA 1/2): Wechselt auf die stabile Branch, wenn der Installer sie anbietet. Rechnet mit Support für neue Spiele, mit Stabilitäts-/Performance-Updates und Sicherheitsfixes. Rechnet aber nicht mit jedem neuen Feature aus dem Schnellzug.
- RX 7000/9000 (RDNA 3/4): Ihr seid auf der Feature-Spur – hier erscheinen Innovationen zuerst, flankiert von Spielprofilen und Fixes.
- Alle: Changelogs aufmerksam lesen. Steht ein für euch wichtiger Titel an, checkt „Highlights“, „Resolved Issues“ und „Known Issues“, bevor ihr aktualisiert.
USB-C-Eintrag & großer Installer
Die Sache mit USB-C in den Notes zu RX 7900 flackerte kurz auf und wurde kassiert – ein gutes Beispiel, wie dynamisch Release-Notes sein können. Der wuchtige Paketumfang über 1 GB erklärt sich durch Mehrarchitektur-Support, mitgelieferte Runtimes, Tools und Features. Schön ist das nicht, aber 2025 leider branchenüblich.
Warum der Ansatz Sinn ergibt
Grafiktreiber sind weit mehr als „+5 FPS“. Sie vermitteln zwischen DirectX/Vulkan/OpenGL, Spiel-Engines, Anti-Cheat-Systemen, Overlays, Encodern und Betriebssystemen – quer über mehrere GPU-Generationen. Je breiter die Unterstützung, desto höher das Risiko, dass ein notwendiger Umbau für neue Chips alte Pfade beschädigt. Die Trennung in stabile Linie (RDNA 1/2) und Feature-Linie (RDNA 3/4) balanciert Geschwindigkeit gegen Verlässlichkeit. Für Nutzer*innen einer RX 5700 XT oder RX 6800 bedeutet das: weniger Überraschungen, längere Nutzungsdauer.
Woran man seriösen Support erkennt
Drei Indikatoren lohnen Beobachtung: (1) Spielprofile und Optimierungen nahe am Day-0 großer Releases; (2) regelmäßige Sicherheits- und Bugfix-Patches; (3) klare Dokumentation, was exakt in der stabilen Branch gelandet ist. Wenn diese Punkte erfüllt sind, verliert die „nur PR“-These an Zugkraft.
Zum Zeitpunkt von AMDs Präzisierung war Adrenalin 25.10.2 die maßgebliche Version für RDNA-Karten. Egal, welche Build ihr beim Lesen nutzt: Wählt die Branch, die zu eurer Architektur passt, und bewertet nach Ergebnissen – nicht nach Schlagzeilen.
Fazit
Die Quintessenz ist simpel: RDNA 1 und RDNA 2 bleiben auf Kurs – nur eben auf einer ruhigeren, dafür robusten Spur. Neue Generationen rasen voraus, die älteren fahren sicherer. Das ist ein vernünftiger Kompromiss, solange „Support“ mehr bedeutet als eine Fußnote im Changelog. Wenn zu neuen Spielen echte Profile erscheinen und Fehler wirklich gefixt werden, verwandelt sich die Debatte in eine Randnotiz. Falls nicht, wird die Community das lautstark adressieren. Bis dahin gilt: weniger Bauchgefühl, mehr Release-Notes.