
Der TwitchCon-Vorfall: Wie der Angriff auf Emiru die Sicherheitsprobleme der Streaming-Welt offenlegt
Eigentlich sollte TwitchCon 2025 in San Diego ein Fest für Fans und Streamer werden – doch stattdessen sorgte ein beängstigender Zwischenfall für Entsetzen. Die bekannte Streamerin und Cosplayerin Emiru (bürgerlich Emily-Beth Schunk) wurde während eines Meet & Greets von einem Mann angegriffen. Er überwand mehrere Absperrungen, trat direkt an sie heran, packte ihr Gesicht und versuchte, sie zu küssen. Das Ganze wurde gefilmt – und das Video verbreitete sich rasend schnell im Netz. Emiru hat inzwischen bestätigt, dass sie Anzeige erstattet.
In einem Livestream kurz nach dem Angriff schilderte die 27-Jährige den Moment: „Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie ein Typ an der Seite vorbeigeht, an einem anderen Stand vorbeiläuft und direkt auf mich zukommt. Zuerst dachte ich, er sei vielleicht von der Veranstaltung. Doch plötzlich greift er nach meinem Gesicht, zieht mich zu sich und will mich küssen. Ich schreie, aber niemand reagiert. Meine Security stößt ihn weg – und er geht einfach davon.“
Nach dem Angriff, so Emiru weiter, sei kein einziger Mitarbeiter von Twitch zu ihr gekommen, um nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. Stattdessen hätten einige sogar hinter der Bühne Witze gemacht. „Ich fühlte mich komplett allein gelassen. Niemand kümmerte sich, niemand hielt ihn auf. Ich hatte meine eigene Security dabei – aber was machen Streamer, die sich das nicht leisten können?“
Was genau geschah auf der TwitchCon?
Auf dem Video ist klar zu sehen: Der Mann kommt unbehelligt an mehreren Barrieren vorbei, tritt direkt vor Emiru, greift sie an – und verschwindet, ohne dass offizielle Sicherheitskräfte eingreifen. Nur ihr persönlicher Bodyguard reagiert. Für viele Zuschauer war das der schockierendste Teil: die völlige Passivität der Veranstalter.
Twitch veröffentlichte kurz darauf eine Stellungnahme: „Die Sicherheit aller Teilnehmenden hat für uns oberste Priorität. Das Verhalten der betreffenden Person war völlig inakzeptabel. Sicherheitskräfte und Polizei waren vor Ort und haben reagiert. Der Täter wurde sofort vom Gelände verwiesen und dauerhaft von Twitch-Events ausgeschlossen.“
Doch Emiru widersprach dieser Darstellung entschieden. Sie bezeichnete die Aussagen der Plattform als „offensichtliche Lüge“. Der Mann sei zunächst ungehindert davongegangen, und erst Stunden später habe sie erfahren, dass er überhaupt identifiziert worden sei. „Es passierte nur, weil mein Manager Druck gemacht hat. Für das Personal vor Ort war es offenbar kein großes Thema.“
Ein Vorfall mit Symbolcharakter
Was Emiru erlebt hat, ist mehr als nur ein Sicherheitsversagen – es ist ein Spiegel für den Zustand der gesamten Branche. Streaming-Events leben von Nähe und Interaktion, aber genau diese Nähe macht sie gefährlich. Immer wieder berichten Content-Creator, vor allem Frauen, von übergriffigem Verhalten, Stalking oder Bedrohungen. Viele ziehen sich mittlerweile von öffentlichen Veranstaltungen zurück, weil sie sich schlicht nicht sicher fühlen.
Fans vergleichen den Fall mit früheren Sicherheitslücken – etwa dem Vorfall bei den Game Awards 2022, als ein Jugendlicher auf die Bühne stürmte, während Hidetaka Miyazaki seinen Preis entgegennahm. Damals war es glimpflich ausgegangen. Doch der Angriff auf Emiru zeigt: Aus Fehlern wurde wenig gelernt. Gaming-Veranstaltungen werden immer noch nicht mit der Ernsthaftigkeit behandelt, die sie verdienen.
Hinzu kommt das Problem der sogenannten parasozialen Beziehungen – jener einseitigen Bindungen, die manche Fans zu ihren Idolen aufbauen. Sie glauben, den Streamer persönlich zu kennen, und überschreiten dann Grenzen, die sie im echten Leben nie überschreiten würden. Ein Kommentator schrieb treffend: „Das ist das Ergebnis einer Kultur, die Fans vorgaukelt, sie seien Freunde, während Plattformen vom ständigen Kontakt profitieren, aber nichts tun, um ihn sicher zu gestalten.“
Reaktionen der Community und der Plattform
Nach der Welle der Empörung kündigte Twitch an, zusätzliche Sicherheitskräfte einzusetzen, die Zugangskontrollen zu verschärfen und Begleitpersonen bei Meet & Greets zu verbieten. Trotzdem bleiben viele skeptisch. Emiru erklärte in einem Statement: „Das war mein letzter TwitchCon-Besuch. Ich habe mich nie beschützt gefühlt – und ich weiß nicht, wie sich andere fühlen, die ohne eigene Security kommen.“
Laut Insidern reiste sogar ein hochrangiger Vertreter von Amazon – dem Mutterkonzern von Twitch – nach San Diego, um persönlich mit Emiru und ihrem Team zu sprechen. Doch für viele Creator kommt die Einsicht zu spät. Sie fordern verbindliche Standards und eine grundlegende Reform der Sicherheitskonzepte für alle großen Conventions.
Was bleibt
Der Angriff auf Emiru war nicht nur ein persönlicher Schockmoment, sondern auch ein Weckruf für eine Branche, die allzu oft die Realität verdrängt. Fans und Streamer teilen dieselbe Leidenschaft – aber diese Nähe braucht klare Grenzen. Sicherheit darf kein PR-Thema sein, sondern muss zur zentralen Verpflichtung werden.
Wenn Plattformen wie Twitch wirklich wollen, dass Creator sich frei und sicher bewegen können, müssen sie endlich handeln – nicht erst, wenn wieder ein Video viral geht. Bis dahin bleibt Emiru ein mahnendes Beispiel dafür, dass digitale Berühmtheit in der realen Welt echte Gefahren mit sich bringt.