Apple hat still und leise eines seiner unscheinbarsten Projekte beendet – die Clips-App, ein kompakter Video-Editor für das iPhone, der 2017 vorgestellt wurde. Nach acht Jahren zieht das Unternehmen nun endgültig den Stecker. 
Was einst als kreatives Tool für kurze Social-Media-Videos gedacht war, hat nie wirklich Fuß gefasst – und verschwindet nun fast unbemerkt aus dem App Store.
In einem aktualisierten Support-Dokument bestätigt Apple, dass Clips keine Updates mehr erhält. Neue Nutzer können die App nicht mehr herunterladen, während bestehende Anwender sie weiterhin über ihre Apple-ID erneut laden und nutzen dürfen – solange sie funktioniert. Apple empfiehlt, gespeicherte Clips lokal zu sichern, und verweist gleichzeitig auf iMovie als bevorzugte Alternative für Videobearbeitung auf iOS-Geräten.
Als Clips im Frühjahr 2017 erschien, galt es als Apples Antwort auf den damaligen Trend zu kurzen, kreativen Videoformaten, wie sie auf Instagram oder Snapchat populär wurden. Mit der App konnte man bis zu 300 Videosegmente zu einem maximal 60-minütigen Film zusammensetzen, versehen mit Filtern, Emojis, Symbolen und den sogenannten Posters – animierte Texttafeln, die als Titelkarten dienten. Besonders beeindruckend war das Feature Live Titles, das Sprache in Echtzeit in Untertitel umwandelte – und das in 36 Sprachen.
Der Start verlief vielversprechend: Innerhalb weniger Tage erreichte Clips zwischen 500.000 und einer Million Downloads. Dennoch blieb der große Durchbruch aus – die App schaffte es nie in die Top 20 des App Stores. In den folgenden Jahren übernahmen Konkurrenten wie CapCut, InShot und die integrierten Bearbeitungstools von Plattformen wie Instagram und TikTok die Vorherrschaft. Clips wurde zu einem netten, aber überflüssigen Werkzeug, das kaum jemand aktiv nutzte.
Clips war am Ende ein typisches Apple-Experiment: durchdacht, minimalistisch und technisch solide – aber ohne klares Alleinstellungsmerkmal. Zu simpel für Profis, zu losgelöst für den Alltag der meisten Nutzer. Der Rückzug zeigt, dass selbst Apple mit seinem Designanspruch und Marketinggeschick nicht jedes Softwareprojekt zum Erfolg führen kann. Der App-Markt ist gnadenlos schnelllebig, und was heute spannend wirkt, ist morgen schon vergessen.
Apple scheint sich nun darauf zu konzentrieren, iMovie und die integrierten Videofunktionen in iOS weiterzuentwickeln. Die Clips-App hingegen verschwindet leise – als kleine Fußnote in Apples Geschichte. Ein sympathisches Projekt, das nie den Durchbruch schaffte, aber dennoch zeigt, dass Innovation manchmal auch im Scheitern steckt.
1 kommentar
Apple macht gute Hardware, aber bei Apps hapert’s manchmal