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High Mobility Oxide: Wie Apple nach LTPO den nächsten Display-Sprung plant

von ytools
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In den vergangenen Jahren haben sich LTPO OLED Displays bei Apple zum Goldstandard für alles entwickelt, was Pro, Always On und 120 Hertz heißt. Wer ein aktuelles iPhone Pro oder eine Apple Watch mit flüssiger Darstellung nutzt, blickt in der Regel auf ein LTPO Panel.
High Mobility Oxide: Wie Apple nach LTPO den nächsten Display-Sprung plant
Hinter den Kulissen soll Apple jedoch bereits am nächsten Schritt arbeiten: High Mobility Oxide, kurz HMO. Diese neue Backplane-Technologie verspricht effizientere Displays, weniger komplexe Fertigungsprozesse und damit langfristig niedrigere Kosten. Spannend wird es durch Berichte aus Korea, nach denen Apple bereits einen Fertigungspartner gefunden haben und der Zeitplan deutlich nach vorne gezogen worden sein könnte.

Bevor man HMO aber als gesetzt betrachtet, lohnt ein Blick auf die Glaubwürdigkeit der Gerüchte. Auf einer Skala, auf der 0 bis 20 Prozent für eher wilde Spekulationen stehen und 81 bis 100 Prozent fast schon bestätigten Leaks vorbehalten sind, landet dieses Thema ungefähr bei 60 Prozent. Also nicht bloß Wunschdenken, aber auch weit entfernt von einer offiziellen Bestätigung. Die technischen Argumente sind schlüssig, die Situation in der Lieferkette passt ebenfalls ins Bild, jedoch fehlt es noch an unabhängigen Quellen und harten Dokumenten, die den Wechsel unumstößlich machen würden.

Um zu verstehen, warum Apple überhaupt einen Nachfolger für LTPO sucht, muss man sich zunächst vor Augen führen, was LTPO leistet. Die Kombination aus Low Temperature Polysilizium und einer Oxidschicht in der Transistor-Elektronik ermöglicht extrem flexible Bildwiederholraten. Genau das macht ProMotion mit bis zu 120 Hertz möglich und erlaubt gleichzeitig, im Always-On-Modus auf 1 Hertz herunterzugehen. Das spart Energie und sorgt trotzdem für ein modernes, reaktionsschnelles Nutzungserlebnis. Die Kehrseite: Der Aufbau ist kompliziert, die Anzahl der Prozessschritte hoch, die Anlagen teuer und die Ausbeute empfindlich.

High Mobility Oxide setzt genau hier an. Statt auf die bisherige Hybridstruktur zu setzen, nutzt HMO eine Oxid-Schicht mit deutlich höherer Ladungsträgermobilität in der Backplane. Vereinfacht gesagt: Elektronen können sich schneller bewegen, wodurch sich Pixel genauso präzise ansteuern lassen, ohne so viel Energie zu verbrauchen oder so viele Transistoren zu benötigen. Für den Alltag bedeutet das: ähnlich flüssige 120 Hertz, hohe Helligkeit und feine Helligkeitsstufen wie bei LTPO, aber mit spürbar geringerem Stromverbrauch und potenziell weniger Aufwand in der Fertigung.

Gerüchte aus der koreanischen Display-Szene sehen Samsung Display als klaren Favoriten, wenn es darum geht, diese HMO Panels für Apple in Serie zu bringen. Das überrascht wenig. Samsung hat bereits 2021 ein großes nationales Entwicklungsprojekt rund um High Mobility Oxide abgeschlossen und die Technologie ab 2023 in erste Produkte einfließen lassen. Dazu kommt, dass Samsung seit Jahren einer der wichtigsten OLED-Lieferanten für iPhones ist und die notwendige Erfahrung sowie Produktionskapazität besitzt, um zig Millionen High-End-Panels pro Jahr auszuliefern.

Andere Partner der Apple-Lieferkette wirken im direkten Vergleich weniger passend für eine komplett neue Generation von Displays. Über BOE heißt es immer wieder, das Unternehmen habe selbst mit aktuellen LTPO Panels Mühe, die strengen Qualitätsvorgaben für die Pro-Modelle zu erfüllen. Wer dort noch mit der Gegenwart kämpft, ist für eine heikle HMO-Einführung mit gigantischen Stückzahlen ein hohes Risiko. LG Display ist technisch zwar stark, erreicht aber noch nicht die gleiche Skalierung an der Spitze des Marktes wie Samsung. Zusammengenommen spricht vieles dafür, dass Samsung zumindest in der ersten HMO-Phase die zentrale Rolle spielt.

Ein weiterer Treiber ist die Kostenstruktur. Wenn HMO tatsächlich weniger Prozessschritte benötigt und mit einfacher zu beherrschender Anlagentechnik auskommt, sinken langfristig die Kosten pro Panel. Parallel dazu bringt die effizientere Backplane Vorteile beim Energiehaushalt: Apple könnte höhere Dauerhelligkeiten erlauben, 120 Hertz aggressiver nutzen oder Geräte etwas schlanker und leichter gestalten, ohne die Akkulaufzeit zu opfern. Genau diese Art von feinen Optimierungen liebt Apple, weil sie sich in Marketingbotschaften wie längere Laufzeit, mehr Helligkeit und dünneres Design übersetzen lassen.

Allerdings hat High Mobility Oxide seinen Preis in Form von Engineering-Risiken. Das Prozessfenster ist extrem eng, also der Bereich, in dem Temperatur, Zeiten und Materialeigenschaften exakt passen müssen. Schon kleine Abweichungen können die Ausbeute spürbar verschlechtern. Bei den Stückzahlen, die Apple benötigt, wird jeder Prozentpunkt Ausschuss zu einem massiven Kostenfaktor. Dazu kommen offene Fragen zur Langzeitstabilität: Wie verhalten sich Helligkeit, Gleichmäßigkeit und Pixelansteuerung nach mehreren Jahren intensiver Nutzung? Hersteller müssen diese Themen im Griff haben, bevor eine iPhone-Generation komplett auf HMO umstellt.

Daher wirkt die häufig genannte Marke 2026 für eine breite Einführung durchaus realistisch. Sollte dieser Zeitplan stimmen, wären wohl die iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max die ersten Kandidaten für HMO Displays. In der Gerüchteküche taucht außerdem regelmäßig ein faltbares iPhone auf, das als technologische Spielwiese prädestiniert wäre, um die neue Backplane erstmals in einem besonders auffälligen Produkt zu zeigen. Apple folgt dabei einem bekannten Muster: Zuerst bekommt die Pro-Linie die neuen Panels, später rutschen sie nach unten in die Standardmodelle.

In Online-Diskussionen liest man bereits spöttische Kommentare, dass es kein echtes Apple-HMO-Display gebe, sondern nur ein Panel von Samsung, das nach Apple-Spezifikation gebaut wird. Und ganz falsch ist das nicht. Apple betreibt keine eigenen OLED-Fabriken; die Stärke des Unternehmens liegt darin, die Anforderungen zu definieren, eng mit Partnern zu entwickeln und das Ergebnis tief in Hard- und Software einzubetten. Das fertige Display ist also immer Teamarbeit.

Für Nutzerinnen und Nutzer ist letztlich entscheidend, wie sich das Gerät im Alltag anfühlt. Wenn HMO tatsächlich für mehr Ausdauer, stabilere 120 Hertz und höhere Helligkeit sorgt, wird der durchschnittliche iPhone-Käufer vermutlich nur feststellen, dass das neue Modell länger durchhält und noch etwas satter wirkt. Bis dahin bleibt der Blick auf High Mobility Oxide jedoch ein technisch gut begründeter, aber eben noch nicht endgültig bestätigter Ausblick – irgendwo um die 60 Prozent Wahrscheinlichkeit.

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2 kommentare

CyberClown January 3, 2026 - 5:50 pm

Dass BOE Apples Qualitätslatte reißt, wundert mich null, die hatten ja schon bei älteren iPhones ihre Probleme

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SigmaGeek January 18, 2026 - 3:21 am

iPhone Fold mit HMO im Jahr 2026? Klingt nice, aber Apple lässt sich bei sowas gern Zeit, bis man es als magische Innovation verkaufen kann

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