Im Silicon Valley spitzt sich der Kampf um die besten KI-Köpfe weiter zu – diesmal auf Kosten von Apple. Laut einem Bericht von Bloomberg hat Jian Zhang, leitender Forscher für KI und Robotik bei Apple, das Unternehmen verlassen und ist zum Robotics Studio von Meta gewechselt. 
Zhang galt als eine der Schlüsselfiguren in Apples Arbeit an robotiknahen KI-Anwendungen, weshalb sein Abgang besonders schmerzt.
Der Grund liegt auf der Hand: Meta lockt mit enormen Gehältern. Während Apple seinen Senior-Forschern in der Regel bis zu 360.000 US-Dollar jährlich inklusive Aktien und Boni zahlt, beginnen die Angebote bei Meta für vergleichbare Positionen bei 1 bis 2 Millionen Dollar. Dieser Gehaltsunterschied ist gewaltig und macht es Apple immer schwerer, Top-Leute zu halten – insbesondere in einem Markt, in dem qualifizierte KI-Experten ohnehin rar sind.
In den letzten Monaten haben mehr als ein Dutzend Spezialisten Apples KI-Abteilungen verlassen, darunter mehrere Mitglieder des Foundation-Models-Teams, die zu OpenAI und Anthropic wechselten. Meta dagegen rekrutiert gezielt in Bereichen wie Robotik und Automatisierung – genau dort, wo Apple heimlich Kompetenzen aufgebaut hatte. Mit Zhang verstärkt Meta nicht nur sein eigenes Team, sondern schwächt gleichzeitig die Innovationspipeline des Konkurrenten.
Metas Strategie ist klar: Dominanz im KI-Bereich durch Investitionen in Milliardenhöhe und die Verpflichtung erfahrener Fachkräfte. Mark Zuckerberg hat gezeigt, dass er bereit ist, aggressiv zu investieren und die KI-Entwicklung zu einer Art „Rüstungswettlauf“ zu machen. Für viele Forscher ist Meta damit ein attraktiver Ort – hier gibt es nicht nur Top-Gehälter, sondern auch Spielraum für ambitionierte Projekte. Apple hingegen setzt traditionell auf Geheimhaltung, langfristige Planung und polierte Produktvorstellungen. Dieses Modell hat bei iPhones und Macs funktioniert, doch im rasanten KI-Tempo droht es zum Nachteil zu werden.
Besonders heikel ist der Zeitpunkt: Apple arbeitet derzeit an einer großen Überarbeitung von Siri, die im Vergleich zu Google Assistant oder ChatGPT-basierten Lösungen deutlich zurückliegt. Mitten in dieser kritischen Phase Schlüsselkräfte zu verlieren, wirft Fragen auf, ob Apple den Anschluss überhaupt halten kann. Noch dazu sorgt die fehlende Offenheit über Apples KI-Strategie für Zweifel – sowohl bei Investoren als auch bei potenziellen neuen Mitarbeitern.
Die Rollen sind also klar verteilt: Meta greift an, Apple muss reagieren. Sollte Apple nicht bald handeln – sei es durch attraktivere Gehälter, eine klarere Vision oder interne Reformen –, dürfte die Abwanderung weitergehen. Und in einem Wettbewerb, in dem Talent die wichtigste Währung ist, könnte dieser Aderlass Apple langfristig teuer zu stehen kommen – vor allem in Robotik, Automatisierung und KI-getriebenen Consumer-Produkten.
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2 Mio pro Kopf klingt verrückt, aber billiger als ein Scheitern im KI-Rennen