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Armatus: Düstere Rückkehr der Godfall-Macher in ein zersplittertes Paris

von ytools
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Counterplay Games, das Studio hinter Godfall und einer der frühen Technikvorführer für PlayStation 5 und Xbox Series X|S, meldet sich mit einem deutlich erwachseneren Projekt zurück: Armatus. Das Spiel wurde im Rahmen des Xbox Partner Preview enthüllt und soll 2026 für PC und aktuelle Konsolen erscheinen.
Armatus: Düstere Rückkehr der Godfall-Macher in ein zersplittertes Paris
Schon der erste Auftritt macht klar, dass die Entwickler ihr grell glänzendes Launch-Experiment hinter sich lassen wollen. Statt bunter Loot-Ballerei erwartet uns ein düsterer Actiontitel, der stärker auf Atmosphäre, Glaubenskonflikte und Identität setzt.

Während Godfall damals vor allem zeigen sollte, wie viele Partikeleffekte und spiegelnde Oberflächen neue Konsolen stemmen können, wirkt Armatus wie eine Reaktion auf genau diese Phase. In einem Beitrag auf Xbox Wire beschreibt Senior Writer Matt Cerami das Projekt als etwas, das im Teamgeist und unter harten Rückschlägen geschmiedet wurde. Man spürt zwischen den Zeilen, dass die Entwickler sich neu erfinden wollen – weniger als Lieferant eines Hochglanz-Showcases, mehr als Studio mit eigener Stimme, das aus Kritik und Ernüchterung gelernt hat.

Schauplatz des Spiels ist ein dystopisches Paris, das kaum noch etwas mit der romantisierten Postkartenstadt gemein hat. Realitäten prallen aufeinander, Ebenen der Existenz verschieben sich und reißen Löcher in den Himmel. Bekannte Straßenzüge knicken in unmöglichen Winkeln ab, Wahrzeichen der Stadt werden von fremdartigen Strukturen verschlungen, und in der Ferne flackern Portale, die in Welten führen, die nie nebeneinander existieren sollten. Armatus nutzt diese Kulisse, um religiöse Symbolik, kosmischen Horror und europäische Geschichtsbilder miteinander zu verweben – eine Steilvorlage für starke Bildsprache und Umgebungsstorytelling.

Im Zentrum der Handlung steht der namensgebende Orden Armatus, eine uralte religiöse Gemeinschaft, die überzeugt ist, von Gott im Stich gelassen worden zu sein. Nur vier Mitglieder haben überlebt, ausgebrannt, aber nicht bereit aufzugeben. Sie rufen die Spielerfigur als ihren Champion herbei – ein lebendiges Instrument, das ihre Kämpfe austrägt und ihnen den Weg zu einem ersehnten Himmel freikämpfen soll, dessen Existenz alles andere als sicher ist. Daraus ergibt sich eine schwere Grundstimmung, in der Themen wie blinder Glaube, Fanatismus, Schuld und geistige Zerrüttung eine größere Rolle spielen als Heldentum im klassischen Sinne.

Spielerisch bleibt Armatus im Third-Person-Action-Feld, doch nichts deutet darauf hin, dass Counterplay einfach Godfall in Dunkelgrau neu auflegt. Das zerstörte Paris, die verzweifelte Mission des Ordens und die überlappenden Dimensionen schreien nach einem Kampfsystem, das wuchtig, lesbar und gnadenlos ist. Nach den gemischten Reaktionen auf Godfall wissen die Entwickler, dass sie diesmal nicht nur glänzende Rüstungen abliefern müssen. Timing, Trefferfeedback, Ausweichfenster, Build-Vielfalt und sinnvolle Progression werden darüber entscheiden, ob Armatus mehr ist als ein hübscher Screenshots-Lieferant.

Auch die Erzählweise steht stärker im Fokus. Zu dienen, weil vier gebrochene Fanatiker behaupten, im Namen eines schweigenden Gottes zu sprechen, ist keine bequeme Ausgangssituation. Daraus können Beziehungen entstehen, die von ehrfürchtigem Respekt langsam in Misstrauen kippen, bis der Spieler sich fragt, wer hier eigentlich verraten wird. Bosskämpfe haben so die Chance, als emotionale Höhepunkte zu funktionieren, nicht nur als Statistikenprüfungen. Wenn Missionen, Dialoge und Kampfmomente konsequent aus dieser Spannung heraus gestaltet werden, könnte Armatus zu genau dem Nischentitel werden, den man Freunden noch Jahre später mit leuchtenden Augen empfiehlt.

Ein anderes Gesprächsthema ist schon jetzt die Plattformfrage. Präsentiert wurde Armatus auf einer Xbox-Bühne, in offiziellen Beschreibungen ist aber von PC und Konsolen die Rede – Formulierungen, die erfahrungsgemäß auf einen Multiplattform-Release hindeuten. In Kommentarspalten wird bereits gerätselt, wie sicher ein Auftritt auf der PlayStation 5 ist, und jede Pressemeldung wird nach versteckten Hinweisen abgeklopft. Bis Publisher und Studio eine klare Liste nennen, bleibt nur die Gewissheit, dass Armatus für aktuelle Hardware entwickelt wird und eine grobe Zielmarke 2026 trägt.

Am Ende ist Armatus vorerst vor allem eines: ein Versprechen. Ein düsteres Actionspiel in einem zersplitterten Paris, geschaffen von einem Team, das sich von seinem eigenen Glanzbild emanzipieren will. Die Mischung aus kaputter Metropole, religiöser Verzweiflung und kollidierenden Realitäten liefert genügend Stoff für eine besondere Erfahrung. Ob daraus ein echter Geheimtipp oder nur der nächste schön anzusehende Fehlschlag wird, entscheidet sich daran, ob Counterplay die große Geste mit sauberen Grundlagen verbinden kann – mit gutem Kampfsystem, sinnvollem Fortschritt und einer Geschichte, in der jeder Schritt Richtung Himmel auch ein Schritt in moralisches Niemandsland ist.

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