
ASUS ROG Matrix RTX 5090: 3.999-Euro-Grafikkarte zwischen Ingenieurskunst und Wahnsinnspreis
ASUS ist seit Jahren dafür bekannt, die Republic-of-Gamers-Reihe als Schaulaufen für kompromissloses High-End-Hardware-Design zu nutzen. Mit der ROG Matrix RTX 5090 treibt der Hersteller dieses Konzept jedoch auf die Spitze. Während eine GeForce RTX 5090 ohnehin schon weit von einem Schnäppchen entfernt ist, setzt ASUS noch einen drauf: Rund 3.999 Euro soll die Matrix-Version kosten – in etwa das Doppelte des offiziellen Referenz-Preises und deutlich mehr, als viele komplette High-End-Gaming-PCs wert sind.
Der Markt für RTX 5090 ist bereits stark überzeichnet. Custom-Modelle der großen Hersteller bewegen sich meist in einem Bereich von etwa 2.500 bis 3.000 Euro, je nach Kühlerdesign, PCB-Qualität und Werks-Overclock. Selbst edle Varianten aus der eigenen ROG-Familie, etwa eine ROG Astral, wirken im Vergleich zur Matrix fast vernünftig bepreist. Auf dem Datenblatt bleibt die Matrix natürlich "nur" eine RTX 5090 – dieselbe GPU, dieselbe Architektur. Der Preis versucht sie allerdings in eine ganz andere Kategorie zu schieben: vom High-End-Upgrade hin zum Sammlerstück für Hardware-Enthusiasten.
Besonders drastisch wird es im direkten Vergleich zu einem kompletten System. Für rund 4.000 Euro lässt sich problemlos ein fertig konfigurierter PC mit RTX 5090, einem Spitzenprozessor wie dem Ryzen 9 9950X3D, 32 GB DDR5-RAM, einem schnellen 2-TB-NVMe-SSD, kräftigem Netzteil und hochwertigem Gehäuse kaufen. Das Ergebnis ist dann eine ausgewogene Maschine für Gaming, Streaming, Content Creation und Workflows aller Art – statt einer einzigen überdimensionierten Grafikkarte. Genau hier setzen viele Kritikpunkte aus der Community an: Der Mehrpreis der Matrix lässt sich in Praxis-FPS nur schwer rechtfertigen.
ASUS verkauft mit der ROG Matrix aber nicht nur Leistung, sondern vor allem Exklusivität. Die Karte ist als streng limitierte Edition angelegt, mit etwa 1.000 Einheiten weltweit. Künstliche Verknappung gehört mittlerweile zur Luxus-Strategie vieler Marken, und auch hier ist sie klar Teil des Konzepts. Für Hardcore-ROG-Fans, Sammler und PC-Builder, die ihre Builds wie Kunstwerke behandeln, spielt die Limitierung eine größere Rolle als jede Benchmark-Grafik. Wer die Matrix besitzt, soll das Gefühl haben, etwas zu haben, das andere nicht bekommen können.
Technisch ist die Karte eine Paradevorstellung dessen, was möglich ist, wenn Kostenfaktoren weitgehend ausgeblendet werden. Offiziell wurde lange von einem Triple-Fan-Design gesprochen, praktisch handelt es sich jedoch eher um ein Quad-Fan-Konzept: Drei Lüfter blasen durch einen gigantischen Kühlkörper auf der Vorderseite, während ein zusätzlicher Lüfter auf der Rückseite hilft, die Abwärme aus dem Bereich der Spannungswandler und der Platine herauszutragen. In Kombination mit einem massiven Heatsink und enormer Bauhöhe entsteht ein Kühlmonster, das auf maximale Reserven und niedrige Temperaturen auch unter Dauerlast ausgelegt ist.
Optisch inszeniert sich die Matrix als Showpiece im Gehäuse. An der rechten Kante sitzt ein markanter runder Rahmen mit adressierbarer Aura-RGB-Beleuchtung, der im Glasgehäuse zum Blickfang wird. Das gesamte Design – vom Shroud über den Backplate bis zu den scharfen Linien – schreit ROG: futuristisch, aggressiv, bewusst auffällig. Wer seinen PC gerne präsentiert, bekommt hier ein Bauteil, das mindestens so sehr Statussymbol wie Grafikkarte ist.
Wirklich kontrovers wird es jedoch beim Thema Stromversorgung. Die ROG Matrix RTX 5090 kombiniert den relativ neuen 12V-2×6-Stecker mit der ASUS-BTF-Schnittstelle, die für BTF-Mainboards gedacht ist, bei denen die Stromanschlüsse auf die Rückseite des Boards wandern. In Summe kann die Karte theoretisch bis zu rund 800 Watt aus dem System ziehen. Das eröffnet viel Spielraum für Overclocking und Boost-Mechanismen, sorgt aber gleichzeitig für Bauchschmerzen bei all jenen, die sich noch an Berichte über geschmolzene Hochstrom-Stecker vergangener Generationen erinnern.
Viele Enthusiasten empfinden es als merkwürdig, dass die Branche sich so stur an einem einzigen kompakten Hochstrom-Stecker festklammert, statt auf zwei oder mehr klassische Anschlüsse zu setzen, die die Last verteilen. Wenn eine Grafikkarte vierstellige Eurobeträge kostet, erwarten Nutzer nicht nur Leistung, sondern auch ein Gefühl von Sicherheitsreserve. Dass ASUS hier erneut auf ein Setup setzt, das im schlimmsten Fall wieder für geschwärzte Stecker-Fotos sorgen könnte, stößt in der Community auf deutliche Kritik – zumal die Matrix mit ihrem extremen Leistungsbudget besonders sensibel wirkt.
Hinzu kommt: Der volle Funktionsumfang der Matrix erschließt sich erst in Kombination mit einem ASUS-BTF-Mainboard. Ohne BTF-Board bleiben die versteckten Kabel, der saubere Look und ein Teil der Stromversorgungs-Idee reine Theorie. Am Ende steht dann ein Szenario, in dem Käufer nicht nur für die Grafikkarte einen Aufpreis zahlen, sondern faktisch in eine komplette ASUS-Ökosystemstrategie gedrängt werden. Wer bereit ist, das zu akzeptieren, erhält eine spektakuläre, aber sehr proprietäre Lösung – alle anderen sehen vor allem eine überteuerte RTX 5090 mit mehr Metall, mehr RGB und mehr Marketing.
Für viele erfahrene PC-Bastler ist die ROG Matrix RTX 5090 daher weniger ein sinnvolles Upgrade und mehr ein Prestigeobjekt. Manche sagen offen, sie würden die Karte höchstens kaufen, um sie später mit Gewinn weiterzuverkaufen – die Limitierung auf rund 1.000 Stück ist für Reseller mindestens so spannend wie für Sammler. Der durchschnittliche Gamer, der einfach auf Jahre hinaus in 4K mit maximalen Details spielen möchte, bekommt mit einer "normalen" RTX 5090 im hochwertigen Custom-Design und einem insgesamt stimmigen System deutlich mehr Gegenwert.
Unterm Strich ist die ASUS ROG Matrix RTX 5090 eine beeindruckende Demonstration von Ingenieurskunst, Design und Markeninszenierung. Sie zeigt, was technisch und optisch möglich ist, wenn Budgetgrenzen nach hinten rücken – und gleichzeitig, wie weit sich sogenannte Halo-Produkte von jeder klassischen Preis-Leistungs-Logik entfernen können. Für eine kleine Gruppe von ROG-Jüngern und Hardware-Sammlern dürfte die Matrix ein Traum bleiben. Für den Rest ist sie vor allem ein sehr teures Mahnmal dafür, dass doppelt so viel Geld längst nicht doppelt so viele Frames bedeutet.