
KI-Art in Call of Duty: Black Ops 7 – warum Activision die Geduld der Fans überstrapaziert
Call of Duty: Black Ops 7 ist noch frisch auf dem Markt, doch statt über Maps, Waffenbalance und Time-to-Kill zu diskutieren, redet ein Großteil der Community über etwas anderes: die Bilder im Hintergrund. Immer mehr Spieler sind überzeugt, dass Activision in Black Ops 7 an mehreren Stellen generative KI einsetzt, vor allem bei kosmetischen Inhalten. Und die Art, wie der Publisher das Thema kommuniziert, sorgt eher für Misstrauen als für Klarheit.
In sozialen Netzwerken kursieren inzwischen dutzende Screenshots von Visitenkarten, Emblemen und Illustrationen, die verdächtig nach KI aussehen. Unsaubere Details, merkwürdige Proportionen, Wiedererkennungswerte aus bekannten Prompts – und ein Stil, der stark an den Hype um pseudo-„Ghibli“-KI-Bilder vom Anfang des Jahres erinnert. Viele Fans haben das Gefühl, nicht mehr auf das Handwerk von Künstlern zu schauen, sondern auf die Ausgabe eines Algorithmus.
Premium-Kosmetik, aber vermeintlich KI-Bilder – da platzt vielen der Kragen
Besonders heikel: Ein Großteil dieser verdächtigen Artworks hängt direkt an bezahlten Inhalten. Spieler sollen weiterhin ordentlich Geld für kosmetische Bundles und Visitenkarten auf den Tisch legen, gleichzeitig wirkt es so, als würde Activision bei der Produktion massiv sparen. In den Kommentarspalten liest man die gleiche Frage immer wieder: Wie kann ein Milliardenkonzern Geld für jede noch so kleine Skin-Variante verlangen, aber angeblich nicht bereit sein, echte Artists für jeden einzelnen Asset zu bezahlen?
Noch unangenehmer wird es beim Thema Stil. Zahlreiche Motive erinnern an die warme, handgemalte Optik der Filme von Studio Ghibli – nur eben durch den Filter einer generativen KI. Für viele wirkt das nicht wie Hommage, sondern wie eine billig generierte Kopie dessen, wofür echte Studios mit ihrem eigenen Stil berühmt geworden sind.
Activisions Statement: viel PR, wenig Details
Auf die wachsende Kritik reagierte Activision mit einem Statement an mehrere Medien. Darin heißt es, man nutze, wie viele andere auch, unterschiedliche digitale Werkzeuge, darunter KI-Tools, um die Teams zu unterstützen und die bestmögliche Spielerfahrung zu schaffen. Gleichzeitig betont der Publisher, der kreative Prozess werde weiterhin von talentierten Menschen in den Studios geführt.
Das Problem: Für viele Fans klingt das nach einer typischen PR-Formulierung, die alles und nichts sagt. Das Statement beantwortet nicht die entscheidende Frage: Welche konkreten Ingame-Grafiken sind KI-generiert, und wo zieht Activision eine Grenze? Wird KI nur als Hilfsmittel in frühen Konzeptphasen genutzt, oder landen damit direkt fertige Artworks im Shop?
Auf der Steam-Seite von Black Ops 7 findet sich zudem ein Hinweis, dass generative KI-Tools bei der Entwicklung mancher Ingame-Assets zum Einsatz kommen. Juristisch sauber, inhaltlich extrem vage. Ohne klare Beispiele oder Einordnung wirkt dieser kleine Satz eher wie ein Haftungshinweis, nicht wie echte Transparenz.
Das Déjà-vu aus Black Ops 6: der berüchtigte Zombie-Weihnachtsmann
Dass die Stimmung jetzt so schnell kippt, liegt auch daran, dass das Thema nicht neu ist. Bereits bei Black Ops 6 musste Activision einräumen, generative KI für bestimmte Inhalte genutzt zu haben. Besonders berüchtigt: ein Ladebildschirm mit einem Zombie-Weihnachtsmann, den viele Spieler sofort als KI-Slop abgestempelt haben. Das Bild wurde in Foren zum Symbol dafür, wie lieblos generierte Artworks aussehen können.
Viele hatten damals gehofft, der Gegenwind würde ein Umdenken auslösen und zumindest die auffälligsten Assets würden verschwinden. Stattdessen blieben die Motive monatelang im Spiel. Auf Nachfrage verwiesen Verantwortliche darauf, dass die Entscheidung darüber nicht in ihrem Bereich liege, oder man sagte, man schaue sich das Thema an. Für Außenstehende wirkte das wie ein langes Aussitzen.
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass sich beim Launch von Black Ops 7 sofort ein Gefühl von Wiederholung breitmacht. Für einen Teil der Community sieht es so aus, als sei der Einsatz von KI-Grafiken keine Ausrutscher-Serie, sondern ein bewusst eingeschlagener Kurs.
Wenn Marge wichtiger wirkt als Menschen hinter der Kunst
Hinter der Wut steckt mehr als nur Abneigung gegen neue Technologien. Viele Spieler haben den Eindruck, dass KI hier nicht eingesetzt wird, um Künstler zu entlasten oder kreative Experimente zu ermöglichen, sondern in erster Linie, um Kosten zu drücken. Ein Publisher, der Teil eines der größten Deals der Gaming-Geschichte ist, scheint ausgerechnet bei den Leuten zu sparen, die das visuelle Gesicht des Spiels prägen.
Einige Fans kündigen an, Black Ops 7 komplett zu meiden, solange KI-Artwork im Spiel ist. Andere äußern sich ernüchtert und meinen, es sei naiv anzunehmen, große Konzerne würden freiwillig darauf verzichten, wenn sie damit Geld sparen können. Die hartnäckige Überzeugung: KI wird so lange eingesetzt, wie die Verkaufszahlen stimmen, ganz egal, wie laut ein Teil der Community protestiert.
Risiko für Künstler und für den Charakter großer Spiele
Die Diskussion um Black Ops 7 ist damit auch ein Gradmesser für die Lage von Artists in der Branche. Wenn eine der größten Marken im AAA-Bereich offen zugibt, generative KI im Asset-Workflow zu nutzen, sendet das ein Signal: Studios können und werden versuchen, mit kleineren Art-Teams auszukommen. Für freie Illustratorinnen und Concept Artists ist das eine bedrohliche Perspektive.
Dazu kommt die kreative Dimension. Spiele leben nicht nur von Mechaniken, sondern auch von ihrem visuellen Fingerabdruck. Viele legendäre Reihen sind sofort an ihrem Stil erkennbar. KI-Grafiken hingegen wirken oft glatt, austauschbar und seltsam seelenlos, vor allem wenn sie schnell und in Masse produziert werden. Sie füllen Lücken, statt eine starke, wiedererkennbare Bildsprache zu schaffen, an die sich Fans noch Jahre später erinnern.
Eine kampfstarke Marke mit angeknackstem Vertrauen
Parallel dazu fallen die ersten Einschätzungen zur Kampagne von Black Ops 7 gemischt aus. Das Spiel versucht viel, experimentiert mit Struktur und Inszenierung, trifft aber laut Kritik nicht immer den Ton. Für sich allein wäre das wohl einfach ein ambitionierter, aber ungleichmäßiger Eintrag in die Reihe.
In Kombination mit der KI-Debatte entsteht jedoch der Eindruck, dass Black Ops 7 eher ein Produkt der Pipeline ist als ein leidenschaftliches Prestigeprojekt. Call of Duty bleibt zwar kommerziell extrem stark, doch der Shitstorm rund um KI zeigt: Immer mehr Spieler interessiert nicht nur, wie sich ein Spiel anfühlt, sondern auch, wie es entsteht. Vage Formulierungen und Minimalklarheit reichen dafür nicht mehr aus.
Wenn Publisher langfristig nicht offenlegen, wo die Grenze zwischen menschlicher Kreativität und maschineller Generierung verläuft, riskieren sie mehr als ein paar schlechte Kommentare. Sie riskieren die Basis aus Vertrauen und Loyalität, auf der sogenannte Live-Service-Blockbuster überhaupt erst funktionieren. Und die lässt sich nicht einfach per Prompt neu erzeugen.