
Chrome auf dem Handy bekommt einen AI-Mode-Button – und die Websuche rückt vom Link zur Aktion
Google dreht an einer der sichtbarsten Stellschrauben seiner Mobilstrategie: Auf der Seite „Neuer Tab“ in Chrome für iOS und Android sitzt jetzt – direkt unter der Suchleiste – ein eigener Shortcut für den AI Mode. Ein Tipp genügt und die Suche wird zur Unterhaltung: Folgefragen, Präzisierungen, Formatwünsche. Der Dienst startet zunächst in den USA und soll bald in über 160 Ländern verfügbar sein. Parallel kommt Mehrsprachigkeit hinzu, u. a. Hindi, Indonesisch, Japanisch, Koreanisch und Portugiesisch – ein deutliches Signal, dass Google nicht von einem Experiment, sondern von einem neuen Standard spricht.
Was sich konkret ändert
Statt Keywords zu jonglieren und fünf Tabs zu öffnen, beginnt man eine Konversation, die Kontext behält. Du kannst breit einsteigen („Günstige Konzertoptionen nächstes Wochenende“), danach eingrenzen („nur in München“, „Open-Air“), dir eine Liste in Stichpunkten geben lassen oder direkt einen kompakten Vergleich. Der AI Mode bringt Struktur an den Anfang, nicht erst ans Ende einer Reise durch Links.
Vom Antworten zum Erledigen: agentive Fähigkeiten
Neu ist nicht nur die Sichtbarkeit, sondern auch, dass der Assistent Dinge tut. Google führt sogenannte agentive Funktionen in AI Mode ein: Unterstützung beim Buchen von Event-Tickets oder beim Vereinbaren von Terminen. Zum Start sind diese Möglichkeiten für Labs-Nutzer in den USA freigeschaltet; wer Google AI Pro oder Ultra abonniert, erhält höhere Nutzungslimits. Das liest sich wie eine Vorstufe zu einem Alltagswerkzeug, das nicht nur informiert, sondern Workflows abkürzt – vom Plan zur Buchung in einem Atemzug.
Warum dieser Schritt jetzt kommt
Der Wettbewerb hat die Messlatte verschoben. Perplexity hat das Prinzip der Antwortseite als kompakte, quellenbasierte Synthese populär gemacht; das ChatGPT-Ökosystem hat Konversation als Interaktionsform in den Mainstream getragen. Und mit einem eigenen Browser-Erlebnis rückt OpenAI die Chat-Logik direkt an die Surfoberfläche. Google reagiert doppelt: Wer ohnehin Chrome nutzt, soll den AI-Zugang unmittelbar parat haben; und wer bereits auf dialogische Suche umgestiegen ist, soll sie bei Google finden – ohne Ausflug zu Drittanbietern.
Wie sich die Suche dadurch anfühlt
Die klassische Suche belohnte Geduld: Suchbegriffe feilen, Quellen abklopfen, zufällig spannende Abzweigungen entdecken. Der AI Mode priorisiert Tempo und Zielklarheit. Man formuliert das Ergebnis, nicht das Stichwort: einen Reiseplan, eine Kaufentscheidung mit Pros & Cons, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung – oder gleich eine fertige Reservierung. Für komplexe Recherchen, die früher mehrere Iterationen brauchten, spart das Zeit; für Routineaufgaben reduziert es Klickarbeit ganz erheblich.
Chancen und Abstriche
Vorteile liegen auf der Hand: weniger Reibung, mehr Struktur, ein nahtloser Übergang zur Aktion. Doch es gibt Trade-offs. Sprachmodelle können Nuancen falsch deuten, auf veraltete Informationen stoßen oder Kontroversen zu sehr glätten. Viele Nutzer schätzen die Serendipität des freien Stöberns – das zufällige Fundstück im fünften Tab. Ebenso bleiben Fragen nach Transparenz und Werbung: Welche Quellen stecken hinter der Antwort? Wie werden sie gewichtet? Und wo verläuft die Grenze zwischen Hilfstext und Werbeeinblendung? Diese Debatten werden den AI Mode begleiten, während er Alltag wird.
Verfügbarkeit und Roadmap
In den USA taucht der Button nach und nach in Chrome auf iOS und Android auf. Danach folgt die breite internationale Welle – samt Sprachpaketen wie Hindi, Indonesisch, Japanisch, Koreanisch und Portugiesisch. Die agentiven Funktionen starten im Labs-Programm der USA; Power-User mit Pro/Ultra-Abo dürfen höhere Limits erwarten. Der Trend ist unübersehbar: Der AI Mode wandert aus der Menü-Ecke auf die Hauptbühne.
Das Fazit in einem Satz
Suche wird zur Unterhaltung, die mit einer Aktion endet. Mit dem AI-Button in Chrome macht Google klar: Statt endloser Linklisten rückt ein Assistent ins Zentrum, der Absichten versteht und Aufgaben abschließt – ein Schritt, der viele freuen und manche skeptisch machen wird, der aber den Alltag auf dem Handy spürbar beschleunigen kann.
1 kommentar
Endlich weniger Tab-Chaos auf dem Handy 😂