
CMF Watch 3 Pro im Test: günstige Smartwatch mit Überraschungsfaktor
Nothing ist inzwischen weit mehr als nur die Marke mit den transparenten Smartphones und blinkenden Earbuds. Mit der Untermarke CMF greift das Unternehmen ganz bewusst das Einstiegs- und Mittelklasse-Segment an – und genau dort will sich die CMF Watch 3 Pro breitmachen. Auf dem Papier klingt das Paket fast schon zu gut für unter 100 Euro: großes 1,43-Zoll-AMOLED mit Always-On, GPS im Dualband, kompletter Gesundheitstracking-Suite, Telefonie direkt am Handgelenk und eine Akkulaufzeit, die eher nach Fitnessuhr klingt als nach Smartwatch.
Wer nur kurz in die Spezifikationen schaut, könnte die Watch 3 Pro für „noch eine von vielen“ halten: IP68-Zertifizierung, 22-mm-Armband, optischer Herzfrequenzsensor, SpO2-Messung, Schlaf- und Stressanalyse, über 130 Sportmodi, Bluetooth 5.3, Dualband-GNSS (L1+L5) und eine 350-mAh-Batterie – alles bekannt, alles schon einmal irgendwo gesehen. Der Unterschied liegt weniger in einzelnen Datenblättern, sondern in der Art, wie CMF das Ganze verpackt und zu einem runden, alltagstauglichen Produkt zusammenfügt.
Ganz ehrlich: Dieser Test kommt nicht in der ersten Welle direkt zum Marktstart, sondern ein paar Monate später. Für Hype-Jäger ist das vielleicht „zu spät“, für Käuferinnen und Käufer ist es aber gar nicht so schlecht: Die Kinderkrankheiten der ersten Firmware sind weitgehend ausgebügelt, der Preis hat sich in vielen Shops stabilisiert, und man bekommt ein realistisches Bild, wie sich die Watch 3 Pro im echten Alltag schlägt. Genau darum geht es in diesem ausführlichen Test: Lohnt sich die CMF Watch 3 Pro Ende 2025 noch – und für wen?
Design und Verarbeitung: groß, schlicht und erstaunlich wertig
Auf den ersten Blick könnte man die CMF Watch 3 Pro fast mit dem Vorgänger verwechseln. Wieder gibt es eine runde 47-mm-Uhr mit Metallgehäuse, einer einzigen Krone auf der rechten Seite und einer Unterseite aus Kunststoff, in die die Sensoren und die Ladekontakte eingelassen sind. CMF bleibt seinem cleanen Designansatz treu: wenig Schnickschnack, klare Kanten, matte Oberflächen und eine Optik, die eher modern und zurückhaltend wirkt als laut und protzig.
Eine Sache fällt allerdings sofort auf, wenn man die Watch Pro 2 kennt: Der Wechselrahmen – also die abnehmbare Lünette – ist Geschichte. Bei der letzten Generation konnte man den Rand um das Display herum gegen alternative Varianten tauschen und so der Uhr einen anderen Look verpassen. Das war eine nette Spielerei, aber eher ein Feature für Enthusiasten. Die Watch 3 Pro verzichtet darauf und wirkt dadurch wie aus einem Guss. Ob man das bedauert oder begrüßt, ist Geschmackssache; konstruktiv wirkt die Uhr dadurch minimal stabiler, und das Design ist konsequenter.
Unser Testgerät kommt in der Farbe Light Green, einem hellen, leicht metallic schimmernden Grün, das je nach Lichteinfall fast schon silbrig wirkt. Der obere Rahmen ist fein gebürstet, der Mittelteil sowie die Krone sind in einem dunkleren Grau gehalten und setzen einen dezenten Kontrast. Die Unterseite aus Kunststoff ist sauber verarbeitet, schließt bündig mit dem Metallkörper ab und fühlt sich auf der Haut unauffällig an – kein billiges Plastik, kein knarzender Übergang.
Mit 47 × 47 × 14,4 mm ist die Watch 3 Pro definitiv keine zierliche Smartwatch. In Kombination mit rund 51 Gramm ohne Armband liegt sie bei den eher kräftigen Modellen, ohne übertrieben schwer zu wirken. An schmalen Handgelenken ist sie optisch präsent – wer sonst 40-mm-Uhren trägt, wird den Unterschied spüren. Nach ein paar Tagen gewöhnt sich die Hand aber erstaunlich schnell an das Format, und das größere Display bringt im Gegenzug spürbare Vorteile bei Lesbarkeit und Bedienung.
Die mitgelieferte Silikon-Schlaufe ist angenehm weich, trägt sich auch bei Sport oder im Schlaf komfortabel und lässt sich durch das 22-mm-Standardmaß jederzeit durch andere Bänder ersetzen. Schnellwechselstifte machen den Tausch ohne Werkzeug möglich: Leder fürs Büro, NATO-Band für den Alltag, Metall für den schickeren Abend – die Uhr spielt da problemlos mit. Gerade in dieser Preisklasse ist der Verzicht auf proprietäre Bandaufnahmen ein Pluspunkt.
AMOLED-Display: groß, scharf und alltagstauglich hell
Das 1,43-Zoll-AMOLED ist einer der Stars des Gesamtpakets. Mit 466 × 466 Pixeln liefert es eine hohe Pixeldichte, sodass Texte, Symbole und Grafiken scharf und klar dargestellt werden. Treppchen an Schriftkanten oder verwaschene Icons? Fehlanzeige. Dazu kommt eine Bildwiederholrate von 60 Hz, die vor allem beim Scrollen durch Listen oder beim Wechseln der Menüs positiv auffällt: Das System wirkt angenehm flüssig und reaktionsfreudig.
Die maximale Helligkeit liegt bei rund 670 Nits. Das ist nicht das oberste Ende dessen, was High-End-Smartwatches mittlerweile leisten, aber für den Alltag absolut ausreichend. In Innenräumen und im Büro gibt es keinerlei Probleme, auf der Straße oder im Park bleibt alles gut lesbar, solange man das Display halbwegs direkt im Blick hat. Nur bei knalligem Sonnenlicht im Hochsommer kann es vorkommen, dass man kurz mit der Hand abschattet, um längere Nachrichten oder kleine Details besser zu erkennen. Die automatische Helligkeitsregelung reagiert flott und vermeidet extremes Blenden im Dunkeln.
Eine große Stärke der Watch 3 Pro ist das Always-On-Display. Für viele ist das inzwischen ein Muss bei einer Smartwatch, weil die Uhr so auch dann wie ein klassischer Zeitmesser wirkt, wenn man den Arm nicht extra hebt. CMF löst das über spezielle AOD-Varianten seiner Watchfaces: reduziertere Zifferblätter, weniger Farben, keine Animationen, aber weiterhin Uhrzeit, Datum und – je nach Design – ein, zwei Komplikationen wie etwa Akkustand oder Schritte. So bleibt die Uhr informativ, ohne den Akku übermäßig zu belasten. Wer möchte, kann das Always-On auch zeitgesteuert nur tagsüber aktiv haben oder nachts automatisch deaktivieren.
Gerade in Meetings, beim Autofahren (als kurze Zeitkontrolle beim Ampelstopp) oder im Alltag macht diese Kombination aus großem Display, guter Schärfe und AOD mehr aus, als man zunächst denkt. Man wirft automatischer einen kurzen Blick aufs Handgelenk, statt ständig das Smartphone aus der Tasche zu ziehen – und genau das ist der Punkt eines guten Wearables.
Software und Bedienung: leichtgewichtig statt App-Overkill
Unter der Haube läuft auf der CMF Watch 3 Pro kein Wear OS, sondern ein eigenes Echtzeitbetriebssystem (RTOS). Das ist in dieser Preisklasse üblich, bringt aber klare Vor- und Nachteile mit sich. Auf der positiven Seite steht die Geschwindigkeit: Das System reagiert prompt, Animationen sind flüssig, und es gibt kaum Wartezeiten. Selbst mit vielen gespeicherten Workouts und einem dichten Strom an Benachrichtigungen wirkt die Uhr nicht träge.
Die Bedienlogik ist schnell verinnerlicht: Ein Swipe nach unten öffnet die Schnelleinstellungen mit Dingen wie Helligkeit, Nicht-stören-Modus und Taschenlampe. Ein Wisch nach oben bringt die Benachrichtigungsleiste zum Vorschein. Horizontal geht es durch Widgets wie Aktivitätsringe, Herzfrequenz, Wetter, Musiksteuerung oder Schlafdaten. Ein Druck auf die Krone führt in die App-Übersicht, drehen scrollt durch Listen, und ein weiterer Druck bringt einen zurück zum Zifferblatt. Das alles klingt banal, ist aber in sich stimmig und erspart lange Eingewöhnungsphasen.
Die Krone selbst hat ein angenehmes haptisches Feedback: Bei Drehbewegungen erhält man leicht spürbare Vibrationen, die das Scrollen präziser wirken lassen. Ein Doppelklick auf die Krone kann mit einer Schnellfunktion belegt werden – etwa dem Start des Trainingsmenüs oder der Rückkehr zur letzten App. Etwas schade: Bestimmte Funktionen wie der Timer lassen sich hier nicht direkt hinterlegen, obwohl genau das im Alltag unheimlich praktisch wäre. Ein Beispiel dafür, wie kleine Software-Details den Unterschied zwischen „gut“ und „richtig durchdacht“ machen können.
Klarer Nachteil des RTOS-Ansatzes: Es gibt keinen App-Store, keine Installation von Drittanbieter-Apps, keine Spotify- oder Navigations-Clients direkt auf der Uhr. Wer ein Mini-Smartphone am Handgelenk will, ist bei Wear OS oder einer Apple Watch besser aufgehoben. CMF richtet sich dagegen an Nutzerinnen und Nutzer, die eine fokussierte Erfahrung bevorzugen: Benachrichtigungen lesen, grundlegende Steuerung, Fitness-Tracking, ein paar clevere Extras – aber eben kein zweites komplettes Betriebssystem, das gepflegt werden will.
Der Umgang mit Benachrichtigungen gelingt der Watch 3 Pro im Test erstaunlich souverän. An einem Android-Smartphone kamen Nachrichten quasi ohne Verzögerung an; Symbole für bekannte Apps werden korrekt angezeigt, und die Texte lassen sich trotz der kompakten Fläche gut lesen. Auf Android stehen auch vordefinierte Schnellantworten zur Verfügung, mit denen man in Sekunden auf eine Nachricht reagieren kann. Auf iOS ist die Interaktion traditionell eingeschränkter, aber das reine Anzeigen funktionierte ebenfalls zuverlässig. Die Vibration ist angenehm präzise, deutlich spürbar, aber nicht nervig brummend.
Zifferblätter und Personalisierung: Nothing-Look plus Spielereien
Ein Bereich, in dem CMF die Konkurrenz im Budget-Segment ziemlich alt aussehen lässt, sind die Watchfaces. Statt eines wilden Mixes aus zufällig wirkenden Designs mit fragwürdiger Typografie bietet die Nothing-App über 120 Zifferblätter, die sich klar am Markenlook orientieren: klar strukturierte Layouts, moderne Schriften, oft mit dem typischen Dot-Matrix-Stil, dazu mehrere farbige Akzente und gut platzierte Komplikationen.
Ob klassisch analog mit schlichten Zeigern, digital mit sehr großer Uhrzeit im Fokus oder datenreich mit mehreren kleinen Infoboxen – hier findet fast jeder etwas, ohne das Gefühl zu haben, in einer Restekiste zu wühlen. Wichtig: Alle Watchfaces sind kostenlos. Es gibt keinen versteckten Shop, der für „Premium-Zifferblätter“ extra Geld verlangt, was im Ökosystem anderer Hersteller leider immer häufiger vorkommt. Auf der Uhr selbst können bis zu sieben Zifferblätter gleichzeitig gespeichert werden, was für eine Handvoll Lieblingsdesigns vollkommen ausreicht.
Besonders charmant sind die drei kreativen Modi: Album-, Video- und Studio-Dial. Beim Album-Zifferblatt wählt man Fotos aus der Galerie des Smartphones, die dann rotierend als Hintergrund auf der Uhr angezeigt werden. So schaut bei jedem Blick aufs Handgelenk vielleicht ein anderes Familienmitglied, Haustier oder Urlaubsmotiv entgegen. Das Video-Zifferblatt geht noch einen Schritt weiter: Ein fünfsekündiger Clip aus einem beliebigen Video lässt sich als Loop hinter die Uhrzeit legen und läuft jedes Mal kurz an, wenn das Display aktiviert wird. Es ist klar ein Gimmick, aber eines von der sympathischen Sorte.
Studio-Dial schließlich nutzt KI im Smartphone, um auf Basis von Textvorgaben oder Stimmungsbeschreibungen neue, generierte Watchfaces zu erstellen. Mal kommen sehr gelungene, abstrakte Kunstwerke heraus, mal eher skurrile Experimente – aber genau das macht es spannend. Für eine Uhr in dieser Preisklasse ist das eine Spielerei, die man eher im Premiumsegment erwartet hätte.
Telefonie, Essential News und Sprachassistenten
Durch das integrierte Mikrofon und den Lautsprecher kann die CMF Watch 3 Pro als Freisprecheinrichtung dienen. Eingehende Anrufe lassen sich direkt annehmen, Gespräche laufen über das Handgelenk. In ruhigen Umgebungen ist die Sprachqualität ordentlich: Die Gegenseite hört einen gut, und man selbst versteht das Gegenüber ohne Probleme. In lauter Umgebung – belebte Straßen, Bahnsteig, Großraumbüro – stoßen fast alle Smartwatch-Lautsprecher an ihre Grenzen; das ist auch hier nicht anders, aber für kurze Rückfragen reicht es allemal.
Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Funktion „Essential News“. Im Nothing-X-Companion-App legt man fest, welche Themen einen interessieren – etwa Technik, internationale Nachrichten, Wirtschaft oder Sport. Die Uhr synchronisiert dann regelmäßig kurze News-Snippets aus diesen Kategorien. Auf Wunsch liest die Watch 3 Pro diese Meldungen über den Lautsprecher vor, mit einer eingesprochenen Stimme von Nothing-Finanzchef Tim Holbrow. Das wirkt im ersten Moment etwas kurios, entpuppt sich im Alltag aber als durchaus praktisches Mini-Info-Radio, etwa beim Kaffeekochen oder beim Fertigmachen am Morgen.
Darüber hinaus kann man über die Uhr den Sprachassistenten des verbundenen Smartphones aufrufen. Auf Android ist das in der Regel der Google Assistant, auf dem iPhone Siri. Befehle wie „Erinnere mich um 18 Uhr an den Einkauf“, „Wie wird das Wetter morgen?“ oder „Schalte das Wohnzimmerlicht an“ lassen sich bequem vom Handgelenk aus ausführen. Zusätzlich hat Nothing eine Anbindung an ChatGPT integriert. Man kann also auch kurze Fragen oder spontane Ideen per Sprache an den KI-Dienst schicken und eine kompakte Antwort erhalten – ein nettes Extra, das hier aber eher Spielerei als ernsthaftes Arbeitswerkzeug ist.
Sehr praxisnah dagegen ist die integrierte Sprachaufzeichnungs-App. Ein Tipp auf das Symbol, und schon kann man schnell eine Gedankenstütze aufsprechen – perfekt für Ideen, die einem auf dem Weg einfallen und die sonst bis zur Ankunft am Schreibtisch verloren wären. Später lassen sich die Aufnahmen im Smartphone anhören und gegebenenfalls in Text oder Aufgabenlisten übertragen.
Gesundheitstracking: Puls, SpO2, Stress und Schlaf
Im Bereich Gesundheit liefert die CMF Watch 3 Pro genau das, was man von einer aktuellen Smartwatch erwartet – und das in durchaus solider Qualität. Der optische Sensor auf der Rückseite misst die Herzfrequenz tagsüber und nachts in frei wählbaren Intervallen. Je kürzer das Intervall (1, 3, 5 oder 10 Minuten), desto genauer wird die Kurve, aber desto höher ist auch der Energieverbrauch. Im Test erwies sich die Voreinstellung als guter Kompromiss. Für sehr detailverliebte Nutzerinnen und Nutzer lohnt es sich aber, mit den Intervallen etwas zu experimentieren.
Parallel kann die Uhr die Sauerstoffsättigung im Blut (SpO2) erfassen. Diese Messungen sind – wie üblich – ausdrücklich nicht als medizinische Diagnose zu verstehen, helfen aber, Tendenzen zu erkennen. Fällt der Wert unter einen vorher definierten Schwellwert, kann die Uhr eine Benachrichtigung schicken und so auf potenzielle Probleme hinweisen. In Verbindung mit der Herzfrequenzvariabilität berechnet die Watch 3 Pro außerdem einen Stressindikator, der im Laufe des Tages steigt und fällt. Im Nothing-X-App werden diese Daten grafisch aufbereitet und mit einfachen Interpretationen versehen.
Spannend ist vor allem das Schlaftracking. Die Uhr erkennt automatisch, wann man einschläft, und teilt den Schlaf in Leicht-, Tief- und REM-Phasen ein. Dazu kommen Aufwachereignisse und ein Gesamtschlaf-Score, der die Nacht in eine Zahl gießt. Besonders positiv fiel im Test auf, dass die Uhr häufig den Zeitpunkt des tatsächlichen ersten Aufwachens erkennt, statt wie manch anderer Tracker erst die „Endgültig aus dem Bett“-Zeit zu verwenden. Wer nachts wach im Bett liegt und das Smartphone nutzt, findet das in den Daten meist korrekt wieder – ein wichtiger Unterschied, wenn man verstehen will, warum man sich trotz vermeintlicher „8 Stunden im Bett“ am Morgen wie gerädert fühlt.
Direkt auf der Uhr gibt es eine kompakte Zusammenfassung der letzten Nacht, im Smartphone-App stehen detailliertere Verlaufsansichten über Wochen und Monate bereit. Natürlich ersetzt das alles keinen Schlafmediziner, aber als sanfte Erinnerung daran, vielleicht doch etwas früher ins Bett zu gehen oder die späten Social-Media-Sessions zu reduzieren, ist es durchaus hilfreich.
Sport und Aktivität: viele Modi, verbessertes GPS und ein KI-Coach
Wer die CMF Watch 3 Pro primär als Fitness-Begleiter ins Auge fasst, wird vom Funktionsumfang nicht enttäuscht. Mehr als 130 Sportmodi stehen zur Auswahl, von Klassikern wie Outdoor-Lauf, Indoor-Laufband, Gehen, Radfahren und Wandern bis hin zu Gym-Workouts, Yoga, Seilspringen und generischen „Freistil“-Einheiten, bei denen hauptsächlich Dauer und Herzfrequenz erfasst werden. Die Auswahl ist im Grunde mehr, als die meisten Menschen jemals durchprobieren werden – wichtig ist, dass die gängigen Aktivitäten gut abgedeckt sind.
Eine der größten Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger ist der GPS-Teil. Die Watch 3 Pro setzt auf Dualband-GNSS (L1+L5), was in der Praxis vor allem zwei Effekte hat: Der Fix auf das Satellitensignal kommt deutlich schneller zustande, und die Position bleibt stabiler – auch in Straßenschluchten oder Waldgebieten mit dichterem Blätterdach. Wo die Watch Pro 2 gelegentlich ewig auf ein Signal warten ließ, ist die neue Generation im Test oft innerhalb weniger Sekunden startklar.
Bei mehreren Läufen über bekannte Strecken lagen die Distanzwerte der CMF Watch 3 Pro eng an Referenzdaten von spezialisierten Sportuhren, die Abweichungen blieben im üblichen Prozentbereich. Die aufgezeichneten Routen sahen auf der Karte sauber aus: keine wilden Zickzack-Linien über Häuserdächer, keine Sprünge in Hinterhöfe. Damit gehört die Watch 3 Pro klar zu den zuverlässigeren Vertretern ihrer Preisklasse, wenn es um Outdoor-Aktivitäten geht.
Im Laufmodus bietet die Uhr klassische Kennzahlen wie Tempo, Distanz, Zeit pro Kilometer, aktuelle Herzfrequenz, Kalorien und Schrittfrequenz. Darüber hinaus erstellt sie eine Schätzung des VO2-Max-Wertes, berechnet eine Trainingsbelastung und schlägt Erholungszeiten vor. Profi-Athletinnen und -Athleten werden hier nicht alle Feinheiten finden, die spezialisierte Plattformen bieten, aber für Hobbyläuferinnen und -läufer, die zwei- bis dreimal pro Woche ihre Runde drehen, ist das Angebot erstaunlich umfangreich.
Ein besonderes Feature ist der KI-gestützte Laufcoach. Im Nothing-X-App legt man Ziele fest – etwa „5 km am Stück schaffen“, „10 km unter 60 Minuten“ oder „einfach fitter werden“ – und wie oft pro Woche man ungefähr Zeit zum Laufen hat. Auf Basis dieser Angaben generiert der Coach einen Trainingsplan mit unterschiedlichen Einheiten: lockere Läufe, Intervalle, Tempodauerläufe und Ruhetage. Nach absolvierten Einheiten wird der Plan dynamisch angepasst; wer dauerhaft überperformt, bekommt etwas ambitioniertere Vorgaben, wer regelmäßig aussetzt oder überfordert ist, wird etwas gebremst. Die Algorithmen ersetzen keine Trainerin und keinen Trainer, bieten aber ein strukturiertes Gerüst, an dem man sich entlanghangeln kann.
Im Fitnessstudio agiert die Watch 3 Pro eher als smarter Timer mit Herzfrequenzanzeige. Es gibt zwar spezielle Modi für Krafttraining, aber keine zuverlässige automatische Wiederholungszählung oder Übungserkennung. Wer jedes Set und jede Übung genau protokollieren will, ist nach wie vor mit einer ergänzenden App auf dem Smartphone oder einer spezialisierten Sportuhr besser beraten. Für alle, die primär wissen wollen, wie lange sie trainiert haben und wie der Puls dabei reagiert hat, reicht der Funktionsumfang dagegen völlig.
Beim Thema Schwimmen zeigt sich die IP68-Uhr zurückhaltender. Ein Pool-Modus ist vorhanden und erfasst Bahnen und Zeit, aber ohne tiefgehende Metriken wie SWOLF oder Stilanalyse. Offenes Wasser wird nicht gesondert unterstützt. Wer ernsthaft schwimmt, für den ist die Watch 3 Pro eher „nice to have“ am Poolrand als zentrales Trainingswerkzeug.
Positiv hervorzuheben ist das Zusammenspiel mit Drittanbieter-Plattformen. Workout-Daten lassen sich auf Wunsch mit Strava, Apple Health und Google Fit synchronisieren, sodass vorhandene Ökosysteme weiter genutzt werden können. CMF versucht nicht, die Nutzerinnen und Nutzer in eine geschlossene Dateninsel einzusperren – ein sympathischer Ansatz.
Akkulaufzeit und Laden: eine Woche ist realistisch
Im Inneren arbeitet ein 350-mAh-Akku, der laut CMF bis zu 13 Tage im „leichten“ Nutzungsszenario und rund 10 Tage bei intensiver Nutzung ermöglichen soll. Im Praxisbetrieb mit aktiviertem automatischem Helligkeitsmodus, deaktiviertem Always-On-Display, kontinuierlicher Herzfrequenz- und SpO2-Messung, gut 100 Benachrichtigungen täglich und drei Sporteinheiten mit GPS pro Woche landeten wir in der Regel bei etwa sieben Tagen. Das ist kein Rekordwert, aber für eine so ausgestattete Smartwatch ein sehr ordentlicher Wert.
Wer das Always-On einschaltet, häufiger mit GPS trainiert und die Messintervalle für die Herzfrequenz enger setzt, kommt eher im Bereich von fünf Tagen heraus. Wer dagegen sehr sparsam mit Bildschirmzeit und Sensorik umgeht, kann die Woche auch überschreiten. Der entscheidende Punkt: Die Watch 3 Pro zwingt einen nicht alle zwei Tage an die Steckdose, wie es manche „smarten“ Uhren tun, die intern eher wie Mini-Smartphones aufgebaut sind.
Geladen wird über ein magnetisches Zwei-Pin-Kabel, das an der Unterseite der Uhr andockt. Der Sprung von 0 auf 100 Prozent dauerte im Test ungefähr 90 Minuten. Nach zehn Minuten Laden steht man bei knapp 20 Prozent, nach etwa einer halben Stunde bei ungefähr 50 Prozent. Das reicht, um vor einem spontanen Abendtraining oder einem Wochenendtrip schnell noch etwas Reichweite zu tanken. Auf drahtloses Laden nach Qi-Standard verzichtet CMF – angesichts des Preises wenig überraschend, auch wenn die Möglichkeit, die Uhr einfach auf ein vorhandenes Ladepad zu legen, natürlich komfortabel wäre.
Schwächen, Kompromisse und Konkurrenz
So positiv viele Aspekte der CMF Watch 3 Pro sind, es gibt ein paar klare Einschränkungen, die man vor dem Kauf kennen sollte. Die offensichtlichste: Es gibt kein NFC, also auch keine Möglichkeit, mit dem Handgelenk zu bezahlen. Wer sich an Apple Pay, Google Wallet oder vergleichbare Dienste gewöhnt hat und das Smartphone bewusst zu Hause lässt, wird mit der Watch 3 Pro einen Rückschritt erleben. Für manche ist das verschmerzbar, für andere ein KO-Kriterium.
Die zweite große Einschränkung ist die bereits erwähnte fehlende App-Plattform. Keine zusätzlichen Apps, keine Offline-Musik direkt auf der Uhr, keine Karten-Navigation ohne das Smartphone in der Tasche. Für viele Nutzerinnen und Nutzer, die ohnehin lieber das Handy für komplexere Aufgaben nutzen, ist das absolut in Ordnung – die Uhr bleibt aufgeräumt, schlicht und fokussiert. Power-Userinnen und -User, die ihr Handgelenk als zweiten, halbautarken Computer verstehen, werden hier dagegen nicht glücklich.
Drittens: Die Größe. Mit ihren 47 Millimetern Durchmesser und der nicht unerheblichen Bauhöhe ist die CMF Watch 3 Pro nichts für Menschen, die filigrane Uhren bevorzugen oder nur schmale Handgelenke haben. Es gibt (noch) keine kleinere Version, die dieselben Funktionen in einem 40- oder 42-mm-Gehäuse bietet. Wer diesen Formfaktor nicht mag, muss zwangsläufig bei anderen Marken suchen.
In der Preisklasse unter 100 Euro konkurriert die Watch 3 Pro mit einer ganzen Armada von Modellen etwa von Xiaomi, Amazfit, Huawei und diversen No-Name-Anbietern. Manche davon bieten eine längere Laufzeit, andere eine etwas hellere Anzeige oder stärkere Fokussierung auf bestimmte Sportarten. Was CMF auszeichnet, ist die Kombination aus eigenständigem Design, durchdachter Software und ein paar liebevollen Details wie Essential News, KI-Zifferblättern und der sauberen Integration mit Android und iOS. Das macht die Uhr im direkten Vergleich weniger austauschbar.
Fazit: Für wen lohnt sich die CMF Watch 3 Pro?
Die CMF Watch 3 Pro versucht nicht, alles zu können – und genau das ist ihre Stärke. Sie will keine vollwertige Alternative zu High-End-Sportuhren oder den großen Ökosystem-Flaggschiffen sein, sondern ein sehr guter Allrounder im erschwinglichen Bereich. Und in dieser Rolle überzeugt sie im Test auf ganzer Linie.
Wer ein stylishes, klar gestaltetes Wearable mit großem, scharfem AMOLED-Display, brauchbarem Always-On, verlässlichem Dualband-GPS, alltagstauglichem Gesundheitstracking, solider Sportfunktion und rund einer Woche Akkulaufzeit sucht, bekommt mit der CMF Watch 3 Pro ein ausgesprochen attraktives Paket. Dazu kommen die aufgeräumte Nothing-Optik, die starken Watchfaces, die kreativen Personalisierungsoptionen, die News-Vorlesefunktion und die Möglichkeit, Anrufe direkt am Handgelenk anzunehmen – alles Dinge, die in Summe dafür sorgen, dass man die Uhr wirklich täglich nutzt.
Nein, sie hat kein NFC. Nein, sie bietet keinen App-Store. Und ja, sie ist eher groß. Wer mit diesen Punkten leben kann und kein zweites Smartphone am Arm braucht, sondern eine moderne Uhr, die das Wichtigste richtig gut macht und dabei nicht teuer ist, sollte die CMF Watch 3 Pro definitiv auf dem Zettel haben. Gerade 2025, in einem Markt voller halbgaren Billiggeräte, wirkt sie wie ein angenehm ehrliches Angebot: wenig Marketing-Zauber, viel solides Produkt.
1 kommentar
Auf meinem dünnen Handgelenk sieht sie schon ziemlich nach Wandclock aus, schade, dass es keine kleinere Version gibt