Du öffnest morgens wie immer Apple News, scrollst ein bisschen nach unten – und plötzlich ist der CNN-Bereich einfach weg. 
Kein Hinweis, keine Fehlermeldung, nichts. Wer davon überrascht wurde, kann beruhigt sein: Weder ist das iPhone kaputt noch hat Apple heimlich am System geschraubt. Hinter dem Verschwinden von CNN steckt vor allem eins: ein laufender Vertrags-Poker zwischen dem Sender und Apple.
Nach allem, was bisher durchgesickert ist, geht es nicht um eine große Medienfehde, sondern um etwas sehr Profanes: Der Distributionsvertrag zwischen CNN und Apple läuft aus und wird gerade neu verhandelt. Solange die Konditionen nicht unterschrieben sind, hat CNN seinen Feed aus Apple News zurückgezogen. Für die Nutzerinnen und Nutzer sieht das einfach so aus, als wäre der Kanal plötzlich gelöscht worden – in Wirklichkeit ist es eher eine Art geschäftliche Pause im Hintergrund.
Solche Pausen sind in der Branche nichts Ungewöhnliches. Nachrichtenmarken wie CNN sind längst nicht mehr nur TV-Sender oder Webseiten, sondern verteilen ihre Inhalte über unzählige Plattformen: Smart-TVs, Streaming-Apps, Social Media – und eben auch News-Aggregatoren wie Apple News. Jede dieser Plattformen ist an Verträge gebunden: Wer bekommt welchen Anteil an Werbeumsätzen, wie werden Klicks gezählt, welche Daten über das Nutzungsverhalten dürfen ausgewertet werden, welche Beiträge erscheinen frei und welche nur mit Abo? Wenn eine Seite das Gefühl hat, dass die bisherige Mischung nicht mehr passt, wird neu verhandelt – und im Zweifel vorerst der Stecker gezogen.
Für den Alltag der Nutzer ist das natürlich wenig tröstlich. Viele haben sich daran gewöhnt, morgens nur Apple News zu öffnen und dort alles auf einen Blick zu bekommen: eine Mischung aus internationalen Schlagzeilen, lokalen Meldungen, Tech-News, Wirtschaft, Sport und Kommentarspalten. Wenn dann ein großer Player wie CNN aus dieser Kuratierung herausfällt, wirkt das so, als ob in deiner Tageszeitung plötzlich der Auslands- oder Politikteil fehlt. Man kann sich behelfen, indem man CNN im Browser aufruft oder die eigene App installiert – aber die Komfortzone „ein Feed, alle Quellen“ ist erst einmal eingerissen.
Genau hier spielt die Rolle von Apple News als Nachrichten-Hub eine große Rolle. Apple hat die App bewusst so gebaut, dass sie sich wie eine personalisierte Titelseite anfühlt. Du kannst bestimmten Medien folgen, Themen priorisieren und bekommst mit der Zeit eine Auswahl, die sich deinen Lesegewohnheiten anpasst. Je stärker man sich darauf verlässt, desto deutlicher merkt man, wenn ein bekannter Baustein plötzlich fehlt. CNN ist für viele Nutzer eine feste Referenz für Breaking News – dessen Verschwinden fällt also sofort auf.
Wer noch tiefer in diese Welt eintauchen will, landet früher oder später bei Apple News+. Der kostenpflichtige Dienst bündelt für eine monatliche Gebühr den Zugang zu zahlreichen Magazinen und Zeitungen, deren Inhalte sonst hinter Paywalls versteckt wären. Statt zehn Einzelsubscriptions zu verwalten, zahlt man einmal und hat eine Art digitales Kiosk-Abo: lange Reportagen, Hintergrundanalysen, Spezialrubriken, dazu Extras wie Offline-Bibliotheken, Rezept-Sammlungen oder kleine Rätsel und Spiele für zwischendurch. Zumindest auf dem Papier klingt das nach einer bequemen Antwort auf das „Abo-Chaos“ des modernen Medienalltags.
Aus Sicht von Apple ist klar, warum ein Name wie CNN in diesem Gefüge wichtig ist: Je mehr große Marken im Portfolio sind, desto glaubwürdiger wirkt Apple News als zentrale Nachrichtendrehscheibe. Für CNN wiederum ist die Präsenz in Apple News eine zusätzliche Reichweitenmaschine. Dort erreicht der Sender Menschen, die sich zwar für Nachrichten interessieren, aber nicht unbedingt aktiv die CNN-Website ansteuern würden. Wenn alles rund läuft, gewinnen beide Seiten – und die Nutzer bekommen im Idealfall einfach mehr Auswahl.
Wenn es mal nicht rund läuft, reagiert das Internet wie gewohnt: mit Spott, Memes und Seitenhieben. In Kommentarspalten und Foren ist schnell die Rede davon, CNN könne man ohnehin gleich in die Comedy-Ecke verschieben, oder man scherzt, Apple solle den Kanal künftig im Bereich „Fiction & Fantasy“ einsortieren. Solche Sprüche sind nicht neu, zeigen aber, wie polarisiert das Vertrauen in große Medienhäuser mittlerweile ist. Selbst eine nüchterne Vertragsfrage wird sofort zur Projektionsfläche für Grundsatzdebatten.
Dazu kommt eine generelle Abo-Müdigkeit. Viele Nutzer schalten innerlich ab, sobald irgendwo von einem neuen Monatsbetrag die Rede ist. Zwischen Videostreaming, Musikdiensten, Cloudspeichern, Fitness-Apps und Spiele-Flatrates ist für manche das Limit längst erreicht. Für diese Gruppe spielt es fast keine Rolle, ob CNN über Apple News, ein eigenes Abo oder ein Kombi-Paket angeboten wird – die Antwort lautet reflexartig: „Noch ein Abo? Nein danke.“ Sie bleiben bei dem, was gratis ist, auch wenn das heißt, mehr Werbung zu sehen oder mehr Apps jonglieren zu müssen.
Anderen fällt der Ausfall von CNN gar nicht groß auf. Wer den Kanal nie aktiv abonniert hat, bekommt im Feed einfach andere Quellen nach vorne geschoben. Der Algorithmus stopft die Lücke und das System läuft weiter. Doch genau dieses stille Auswechseln macht den Kern des Problems deutlich: Wer seine Nachrichten fast ausschließlich über Plattformen und Algorithmen bezieht, merkt oft erst im Nachhinein, wie abhängig er von unsichtbaren Geschäftsentscheidungen geworden ist.
Im größeren Kontext passt der Fall CNN–Apple News in eine Entwicklung, die die Medienwelt seit Jahren beschäftigt: Wer kontrolliert den Zugang zum Publikum? Früher lag diese Macht fast ausschließlich bei Verlagen und Sendern. Heute teilen sie sie mit den Tech-Konzernen, die die Geräte, Betriebssysteme, App-Stores und Empfehlungsalgorithmen bereitstellen. Wenn sich zwei dieser Akteure nicht einig werden, trifft das nicht nur Bilanzen und Vorstandsetagen, sondern sofort auch die Informationsversorgung der Nutzer – selbst dann, wenn in den Redaktionen ganz normal weitergearbeitet wird.
Wie es weitergeht? Am wahrscheinlichsten ist, dass Apple und CNN sich auf neue Konditionen einigen und der Feed irgendwann leise wieder im Apple-News-Kosmos auftaucht – vielleicht ohne jegliche Ankündigung, einfach als wäre nichts gewesen. Bis dahin gilt: Wer CNN unbedingt im Mix haben möchte, muss einmal mehr tippen, einen anderen Dienst öffnen oder klassisch die Website aufrufen. Und vielleicht bleibt dabei eine kleine Erkenntnis hängen: Nachrichten sind längst nicht mehr nur eine Frage des Journalismus, sondern auch das Ergebnis von Verträgen, die wir im Alltag nie zu Gesicht bekommen.
2 kommentare
Ganz ehrlich, mir fehlt da nix. CNN war für mich schon länger eher Kategorie Unterhaltung als seriöse News tbh
Bei dem Wort Abo schalte ich inzwischen automatisch ab. Noch ein Dienst, noch 9,99 im Monat? Nee, sorry, reicht langsam