Die Biotech-Firma Cytokinetics sorgte diese Woche für Schlagzeilen: Nach der Präsentation neuer Studiendaten zu ihrem Herzmedikament Aficamten auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Madrid schossen die Aktien im vorbörslichen Handel um 31% in die Höhe. 
Während die medizinischen Ergebnisse für Begeisterung sorgen, wirft die Finanzlage des Unternehmens jedoch ernste Fragen auf.
Aficamten richtet sich gegen hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) – eine Erkrankung, bei der sich die Herzmuskulatur verdickt und so den Blutfluss einschränkt. Bislang werden Patienten in erster Linie mit Betablockern wie Metoprolol behandelt. Diese lindern Beschwerden, greifen aber nicht direkt in die Krankheitsmechanik ein. In der laufenden Phase-III-Studie MAPLE-HCM zeigte Aficamten klare Vorteile gegenüber Metoprolol, insbesondere bei der Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und der Sauerstoffaufnahme – ein zentrales Kriterium der Studie.
Fady Malik, Forschungschef von Cytokinetics, erklärte, dass Aficamten nicht nur die Sauerstoffaufnahme erhöhte, sondern auch den Druck im linken Ventrikel senkte und das Volumen des linken Vorhofs verringerte. Dies deute auf nachhaltige positive Effekte für das Herz hin. Die Resultate wurden zudem im renommierten Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlicht, was die Glaubwürdigkeit weiter stärkt. Sollte das Medikament zugelassen werden, könnte es für Patienten mit HCM einen echten Durchbruch darstellen.
Parallel zu den medizinischen Erfolgen offenbart sich jedoch ein fragiles wirtschaftliches Bild. Im jüngsten Quartal erzielte Cytokinetics gerade einmal 67.000 US-Dollar Umsatz – bei einem Nettoverlust von über 134 Millionen. Seit der Gründung beläuft sich das kumulierte Defizit auf rund 3 Milliarden US-Dollar. In den Unterlagen für die US-Börsenaufsicht SEC gab das Unternehmen zudem einen seltenen Aktionärsdefizit bekannt: Die Verbindlichkeiten übersteigen die Vermögenswerte. Ein solcher Befund ist im Biotech-Sektor ungewöhnlich und signalisiert ein hohes Risiko für Anleger.
Die Hoffnungen der Firma ruhen voll und ganz auf Aficamten. Laut Cytokinetics könnte die Markteinführung frühestens nach dem PDUFA-Stichtag am 26. Dezember 2025 erfolgen, wenn die US-Arzneimittelbehörde FDA über den Zulassungsantrag für die obstruktive HCM entscheidet. Eine positive Entscheidung wäre der erste echte Schritt zu nennenswerten Einnahmen. Ein Scheitern hingegen würde die finanzielle Lage weiter verschärfen und die Möglichkeiten für neue Investitionen stark einschränken.
Cytokinetics steht somit exemplarisch für das Biotech-Paradoxon: Medizinische Innovationen, die Patienten Hoffnung geben, stoßen auf wirtschaftliche Unsicherheit. Aficamten könnte die Behandlung der hypertrophen Kardiomyopathie verändern – doch das seltene Aktionärsdefizit mahnt zur Vorsicht: Der Weg zum Erfolg bleibt riskant und ungewiss.
4 kommentare
nur 67k Umsatz? das ist doch nix
31% Anstieg, verrückt was Biotech auslösen kann 🤯
alles oder nichts, dazwischen gibt’s hier nicht
bis 2025 ist noch lange hin, Geduld gefragt