Panem öffnet die Arena wieder. Lionsgate hat den ersten Trailer zu „Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping“ veröffentlicht – einem neuen Prequel, das die Zuschauer zurück zu den grausamsten Anfängen der Hungerspiele schickt. 
Der Film soll am 20. November 2026 in die Kinos kommen, und der Trailer landet fast ein Jahr im Voraus im Netz, damit Fans in Ruhe die alte Trilogie und „The Ballad of Songbirds and Snakes“ auffrischen können, bevor das nächste Kapitel beginnt.
„Sunrise on the Reaping“ spielt 24 Jahre vor der Geschichte von Katniss Everdeen. Der Film setzt am Morgen der Ziehung für die 50. Hungerspiele ein – den berüchtigten zweiten „Quarter Quell“, der in den Büchern immer wieder erwähnt, aber nie wirklich im Detail gezeigt wurde. Genau diese Spiele machen aus dem jungen Tributen Haymitch Abernathy aus Distrikt 12 die gebrochene, zynische Mentorfigur, die im Original von Woody Harrelson verkörpert wurde. Der Trailer baut bewusst auf diesem Wissen auf und lädt das Publikum ein, den Moment mitzuerleben, an dem aus einem Schüler eine traumatisierte Legende wird.
Regisseur Francis Lawrence kehrt erneut ins Panem-Universum zurück. Nach „Catching Fire“, den beiden „Mockingjay“-Filmen und „The Ballad of Songbirds and Snakes“ übernimmt er auch hier die Regie und adaptiert den 2025 erschienenen Roman von Suzanne Collins. Zusammen mit „Ballad“ entsteht so ein Duo von Prequels: Dort steht der junge Snow im Zentrum, hier werden die Spiele selbst zum Fokus – wie sie radikalisiert, aufgebläht und technisch verfeinert werden, bis sie nicht mehr nur Strafe, sondern Show, Drohung und nationale Religion zugleich sind.
Im Herzen des Trailers steht das Konzept des zweiten Quarter Quell. Alle 25 Jahre erlässt der Kapitol eine Sonderregel, angeblich, um die „Lehren der Geschichte“ in Erinnerung zu rufen. Für die 50. Spiele lautet diese Regel: Jeder Distrikt muss vier Tribute schicken, zwei Jungen und zwei Mädchen. Statt 24 Jugendlichen stehen plötzlich 48 Namen in den Lostöpfen. Offiziell heißt es, man wolle daran erinnern, dass in den Dunklen Tagen zwei Rebellen für jeden Bürger des Kapitols sterben mussten. Visuell übersetzt der Trailer das in überfüllte Säle, chaotische Trainingshallen und eine gigantische Arena, die eher wie eine präzise konstruierte Menschenfalle wirkt.
Große Aufmerksamkeit zieht der neue Haymitch auf sich. Joseph Zada übernimmt die Rolle des jungen Abernathy und tritt damit in große Fußstapfen. Im Trailer wirkt sein Haymitch noch bissig, wütend und erstaunlich wach – mit einem Humor, der eher als Abwehrmechanismus funktioniert als als Witz. Wenn er auf der Bühne der Ziehung steht, ahnen Fans bereits, welche Wunden diese Spiele hinterlassen werden, auch wenn der Charakter selbst das noch nicht begreifen kann.
Auch Effie Trinket bekommt eine interessante Vorgeschichte. Elle Fanning spielt eine jüngere Version der späteren Escort-Dame aus dem Kapitol – lange vor den übertriebenen Perücken und Schmetterlingskleidern, mit denen Elizabeth Banks die Figur weltberühmt gemacht hat. Nach ihrem Sci-Fi-Ausflug als Weyland-Yutani-Synth in „Predator: Badlands“ zeigt Fanning hier eine ehrgeizige Hauptstadt-Bürgerin, die sich noch an die Kamera gewöhnt. Der Trailer deutet frühe Varianten ihrer späteren Slogans und Gesten an, noch unsicher, noch nicht perfekt, was Effie auf ungewohnte Weise verletzlich wirken lässt.
Ralph Fiennes übernimmt den Posten von Präsident Coriolanus Snow. Wo Donald Sutherland den späteren Snow als perfekten, giftigen Strippenzieher verkörperte, wirkt Fiennes’ Version etwas jünger, aber nicht weniger gefährlich. In einer Szene sieht man ihn fast gelangweilt das Sonderregel-Video abnicken, als wären 48 Kinderleben nur ein weiterer Programmpunkt. Parallel dazu tritt Glenn Close als hochrangige Kapitol-Moderatorin auf, die die Spiele mit beinahe religiösem Pathos ankündigt – der Tonfall ist „Nationalfeiertag“, die Bilder dahinter schreien „Staatsverbrechen“.
Für viel Gesprächsstoff sorgt außerdem Jesse Plemons als junger Plutarch Heavensbee, der spätere Spielmacher, der im Original von Philip Seymour Hoffman gespielt wurde. Schon die wenigen kurzen Einstellungen im Trailer machen deutlich, warum viele Fans ihn als ideale Wahl sehen: Sein Gesicht wirkt gleichzeitig abgeklärt, berechnend und neugierig – genau wie jemand, der die Arena nicht nur als Spektakel, sondern als politisches Instrument begreift. An seiner Seite ist „Succession“-Star Kieran Culkin als junger Caesar Flickerman zu sehen. Seine Version des Showmasters ist weniger glatt, etwas schräger, mit einem Humor, der immer wieder an der Grenze zum Geschmacklosen kratzt – passend zu einem Mann, der lernt, über den Tod lachend Quoten zu holen.
Alles zusammen lässt „Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping“ deutlich mehr sein als bloße Nostalgie. Indem der Film den brutalsten Quarter Quell ins Zentrum stellt und die Entstehung des traumatisierten Haymitch erzählt, schärft er rückwirkend die Tragweite der ursprünglichen Trilogie. Der Trailer verspricht eine Mischung aus Spektakel, Charakterstudie und Systemkritik und erinnert daran, dass die Hungerspiele nie nur von Kindern mit Waffen handelten, sondern von einer Gesellschaft, die gelernt hat, auf Knopfdruck mitzufiebern und sofort wieder zu vergessen. Sollte der fertige Film halten, was diese ersten Bilder andeuten, wird die Rückkehr nach Panem ebenso glänzend wie bitter sein.