Als Square Enix den HD-2D-Remake von Dragon Quest III vorgestellt hat, war die Reaktion der Fans gespalten: Euphorie über die Optik, Skepsis über den Umgang mit dem Klassiker. Doch das Ergebnis überzeugte – der Titel bewahrte das Flair des Originals und präsentierte sich gleichzeitig modern. Aber was ist mit den Anfängen der Reihe, Dragon Quest I und II, die noch deutlich kantiger und altmodischer waren? Auf der Gamescom wurde klar: Diese Spiele sind mehr als ein reiner Grafik-Upgrade – sie wurden von Grund auf neu gedacht, um heutigen Ansprüchen gerecht zu werden, ohne ihre Seele zu verlieren.
Das erste Dragon Quest von 1986 war seinerzeit bahnbrechend, aber heute kaum spielbar: ein einsamer Held, Kämpfe gegen einzelne Gegner und eine rudimentäre Geschichte. Dragon Quest II brachte zwar Verbesserungen wie eine feste Party und etwas mehr Handlung, blieb aber weit hinter den Maßstäben späterer JRPGs zurück. 
Ein simples „HD-Polieren“ hätte hier nicht gereicht. Square Enix hat verstanden, dass mehr nötig ist – und sowohl Story als auch Gameplay stark ausgebaut.
In der Gamescom-Demo zeigte sich sofort, dass Dragon Quest I komplett neu balanciert wurde. Der Held kämpft zwar weiterhin allein gegen das Böse, stellt sich aber nun Gruppen von Gegnern statt monotone Einzelduelle auszutragen. Dazu kommt das neue Schriftrollen-System, das dem Helden zusätzliche Fähigkeiten verleiht und ihn vielseitiger macht. Auch die Erzählung wurde erweitert: mehr Figuren, mehr Dialoge, mehr Kontext. Statt der ursprünglichen 10 Stunden soll das Abenteuer nun rund 15 Stunden dauern – ein Plus, das für mehr Substanz sorgt.
Dragon Quest II geht noch einen Schritt weiter. Die Prinzessin von Cannock stößt früher zur Gruppe, die Handlung wurde mit neuen Szenen angereichert, und das neue Siegel-System bringt taktische Effekte in die Kämpfe. Damit erinnert das Gameplay an modernere Teile der Serie, ohne die klassische Basis zu zerstören. Mit einer Spielzeit von ca. 35 Stunden – fast doppelt so viel wie die ursprünglichen 18 – fühlt sich dieser Teil wie ein vollwertiges neues JRPG an und nicht wie ein Relikt mit schicker Verpackung.
Wichtig ist: Der Kern der Reihe bleibt erhalten. Vogelperspektive, verschachtelte Dungeons mit simplen Rätseln, Zufallskämpfe und das ikonische rundenbasierte Kampfsystem sind weiterhin da. Die Musik von Koichi Sugiyama erklingt in neuen Arrangements, die trotzdem sofort vertraut wirken. Dieses Gleichgewicht zwischen Nostalgie und Moderne ist entscheidend: Alteingesessene Fans können ihre Erinnerungen auffrischen, während Neueinsteiger einen zugänglichen Einstiegspunkt erhalten, ohne sich durch veraltete Mechaniken quälen zu müssen.
Dragon Quest ist nicht nur ein Spiel, sondern ein Stück Videospielgeschichte. Die ersten Teile behutsam zu überarbeiten bedeutet auch, dieses Erbe zu bewahren. Der HD-2D-Stil mit seinen detailreichen Hintergründen und pixeligen Figuren ist die perfekte Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Spieler, die das Remake auf der Gamescom ausprobierten, waren sich einig: Dragon Quest I & II HD-2D Remake könnte ebenso erfolgreich werden wie die Neuauflage von Teil III.
Der Release am 30. Oktober auf PC, PlayStation 5 und 4, Xbox Series X|S sowie Nintendo Switch und Switch 2 wird zum Test für Square Enix. Puristen und Neulinge werden genau hinschauen, ob die Balance stimmt. Nach dem Eindruck der Demo sieht es so aus, als hätte das Team die richtige Mischung gefunden: modernisiert, erweitert und dennoch authentisch. Damit haben die Anfänge von Dragon Quest endlich die Chance, nicht nur als Klassiker der Vergangenheit, sondern als echte Spielerlebnisse der Gegenwart gefeiert zu werden.
Die ewige Frage, wie man Klassiker neu auflegt, bekommt hier eine seltene Antwort: Man kann beides – treu bleiben und modernisieren. Dragon Quest I & II HD-2D Remake zeigen, dass Nostalgie und Innovation keine Gegensätze sein müssen, sondern gemeinsam etwas Zeitloses schaffen können.
2 kommentare
auf der switch wird das genial, schön im handheld grind
warum schon wieder nix für iOS? wär doch perfekt fürs handy 😤