
Capcom hat bestätigt, dass Dragon’s Dogma 2 inzwischen mehr als 4 Millionen Mal verkauft wurde – ein beachtlicher Erfolg für ein Rollenspiel, das von Anfang an nicht darauf ausgelegt war, jedem zu gefallen. Statt Mainstream-Glattschliff setzt das Spiel auf Eigenheiten, Ecken und Kanten und spricht damit ganz bewusst eine bestimmte Zielgruppe an.
Ein Nischen-RPG, das trotzdem groß rauskommt
Dragon’s Dogma 2 erschien im März 2024 und wurde von vielen Fachmedien sehr positiv aufgenommen. In der Breite der Spielerschaft sah das Bild jedoch deutlich gemischter aus: Performance-Probleme, Diskussionen um Monetarisierung und diverse Bugs prägten den Start. Auf Steam steht das Spiel noch immer bei dem Label „Ausgeglichen“, und in Kommentarspalten wurde lange eher über FPS und Ports gestritten als über Vokationen, Monsterjagden oder spannende Builds.
Gleichzeitig entstand parallel eine ganz andere Erzählung: Für einen bestimmten Typ von RPG-Fan war Dragon’s Dogma 2 genau das, worauf sie gewartet hatten. Die Welt ist gefährlich, Reisen fühlen sich an wie echte Unternehmungen und nicht wie ein schneller Wegpunkt-Klick, und die Kämpfe sind physisch, schwer und oft chaotisch. Die Rückkehr des Bauer-Systems – KI-Begleiter, die Hinweise geben, Quests kommentieren und als lebendige Wegweiser fungieren – wirkt wie eine bewusste Absage an überladene Karten voller Icons.
Die Community hofft auf ein Dark-Arisen-Moment
Seit der letzte größere Titel-Update bereits im Januar erschienen ist, fragen sich viele Fans, ob Capcom Dragon’s Dogma 2 wirklich auf diesem Stand einfrieren will. Ein vollwertiger dritter Teil scheint noch weit weg, deshalb ruht die Hoffnung auf einem großen Add-on – idealerweise in der Tradition von Dragon’s Dogma: Dark Arisen.
Beim ersten Dragon’s Dogma war es genau diese erweiterte Fassung, die dem Spiel im Rückblick seinen endgültigen Feinschliff gab: ein gewaltiger Endgame-Dungeon, neue Ausrüstung, zahlreiche Balance-Anpassungen und zusätzliche Schwierigkeitsgrade. Viele sehen darin die Blaupause für Dragon’s Dogma 2: kein kleines Quest-Paket, sondern ein umfangreiches DLC oder Re-Release, das die bestehende Basis ausbaut. Wünsche der Fans reichen von einer neuen Region mit frischen Monstern und Questtypen über eine noch härtere Schwierigkeit bis hin zu mehr Endgame-Inhalten für perfekt optimierte Builds.
Spielerinnen und Spieler, die Dragon’s Dogma 2 lieben, erzählen selten von Zwischensequenzen, dafür umso häufiger von spontanen Momenten: eine Gruppe, die nachts im Nebel von Banditen überrannt wird; ein Bauer, der einen nebenbei auf eine versteckte Höhle stößt; ein missglückter Sprung auf einen Zyklopen, der in einem kollektiven Sturz von der Klippe endet. Für diese Fans ist das Fundament – Kampfsystem, Bauer-Verhalten, Weltdesign – schon jetzt extrem stark. Sie wollen vor allem eines: mehr davon.
Warum manche Spieler mit DD2 nichts anfangen können
Auf der anderen Seite gibt es eine ebenso lautstarke Fraktion, die mit dem Spiel gar nicht warm geworden ist. Sie bemängeln eine blasse Hauptgeschichte, schwache Figuren im Vergleich zu anderen aktuellen RPG-Größen wie Baldur’s Gate 3 und einen Einstieg, der sich bewusst sperrig anfühlt. Wenige Schnellreisepunkte, lange Laufwege und mangelnde Erklärungen sorgen bei ihnen eher für Frust als für das Gefühl eines großen Abenteuers.
Dass Dragon’s Dogma 2 polarisiert, überrascht den Schöpfer der Reihe wenig. Regisseur Hideaki Itsuno sagte selbst, er habe das Spiel nicht wie einen typischen „Nintendo-Titel“ für alle konzipiert, sondern für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Ein Spiel, das alle glücklich machen will, verliere schnell sein eigenes Profil – diese Haltung spiegelt sich klar im Design von Dragon’s Dogma 2 wider. Die 4-Millionen-Marke zeigt jedoch, dass auch ein bewusst zugespitztes Konzept wirtschaftlich funktionieren kann.
Fragen nach Itsunos Abschied und der Zukunft der Marke
Komplizierter wird die Lage dadurch, dass Itsuno Capcom nach über 30 Jahren verlassen hat. Er war nicht nur das Gesicht hinter Dragon’s Dogma und Dragon’s Dogma 2, sondern auch maßgeblich für Devil May Cry verantwortlich. Mit seinem Abgang fehlt der Reihe nun ein klarer, öffentlich sichtbarer Kreativkopf, der die Richtung vorgeben könnte.
In der Community fällt deshalb häufig der Name Kento Kinoshita, der bei Dark Arisen Regie führte. Viele Fans hoffen, dass er ein mögliches „Dragon’s Dogma 2: Dark Arisen“ anführen könnte. Bisher gibt es von Capcom allerdings keine offizielle Bestätigung, keinen Teaser und keine Andeutung, dass ein derartiges Projekt tatsächlich in Arbeit ist. Die Spekulationen stützen sich vor allem auf das gute Abschneiden des Spiels und die Erfahrung, dass Dark Arisen dem Vorgänger damals spürbar neues Leben eingehaucht hat.
Capcoms voller Release-Kalender und mögliche Zeitfenster
Hinzu kommt, dass Capcom bereits mehrere große Titel in der Pipeline hat: Resident Evil Requiem, Pragmata, Onimusha: Way of the Sword und Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection stehen alle auf der Agenda. Diese dichte Planung könnte größere Ressourcen für Dragon’s Dogma 2 vorerst blockieren – oder im Erfolgsfall genug Rückenwind liefern, um auch in ein Nischen-RPG noch einmal kräftig zu investieren.
Egal, wie sich Capcom entscheidet: Dragon’s Dogma 2 hat sich schon jetzt einen besonderen Platz im Portfolio des Publishers gesichert. Es ist ein sperriges, mutiges RPG, das nie den Anspruch hatte, allen zu gefallen, und trotzdem Millionen verkauft und eine treue Fangemeinde aufgebaut hat. Für diese Fans ist der Wunsch klar: Das rauhe Herz des Spiels behalten, den Umfang erweitern, den Schwierigkeitsgrad anziehen – und Dragon’s Dogma 2 die Dark-Arisen-artige zweite Chance geben, von der sie überzeugt sind, dass das Spiel sie verdient.