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Warum das Verbot von FaceTime und Snapchat in Russland weit über zwei Apps hinausgeht

von ytools
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Russland hat Apple FaceTime und Snapchat aus den App-Stores und von offiziellen Listen verbannt – offiziell, weil die Dienste angeblich zur Planung von Terroranschlägen, zur Rekrutierung von Extremisten und für Betrugsmaschen genutzt werden.
Warum das Verbot von FaceTime und Snapchat in Russland weit über zwei Apps hinausgeht
Hinter dieser Begründung steckt jedoch weit mehr als nur ein weiterer Sicherheitsbeschluss. Der Schritt fügt sich nahtlos in eine Strategie ein, die den russischen Teil des Netzes Stück für Stück von der globalen Online-Welt abkoppelt.

Schon in den vergangenen Jahren wurden Meta-Dienste wie Facebook und Instagram im Land als extremistische Angebote eingestuft und komplett blockiert, X (ehemals Twitter) massiv eingeschränkt und TikTok in eine Art Dauer-Schattenmodus geschickt. Mit FaceTime und Snapchat geraten nun nicht nur öffentliche Feeds, sondern auch sehr private Kommunikationskanäle ins Visier: spontane Videochats mit der Familie, Gespräche mit Freunden im Ausland, schnelle Clips aus dem Alltag.

Die offizielle Erzählung ist dabei erstaunlich uniform. Fast jede Sperre wird mit denselben Schlagworten begründet: Terrorismus, Extremismus, Schutz von Kindern. Das war bereits so, als die Spieleplattform Roblox ins Fadenkreuz geriet – ihr wurde vorgeworfen, Gewalt zu verherrlichen und sogenannte LGBT-Propaganda zu verbreiten, die angeblich die „geistige und moralische Entwicklung“ von Minderjährigen gefährde. Mit solch dehnbaren Formulierungen lässt sich im Grunde jede unliebsame Plattform zu einer Bedrohung erklären.

Für Nutzerinnen und Nutzer in Russland bedeutet das einen digitalen Alltag, der sich immer enger anfühlt. WhatsApp steht seit Monaten unter Beobachtung, Behörden drohen offen mit einem Komplettverbot, und gängige VPN-Protokolle verschwinden nach und nach von der Bildfläche, sobald sie zu populär werden. Gleichzeitig werden staatlich wohlgelittene Alternativen und eigenentwickelte Messenger aggressiv beworben – inklusive Forks, denen viele misstrauen, weil sie sie für besonders durchsichtig für den Sicherheitsapparat halten.

Wer weiterhin mit der Außenwelt verbunden bleiben will, spielt ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel: neue VPNs testen, auf Protokolle wie xray oder vless ausweichen, Links zu funktionierenden Tools nur noch in geschlossenen Gruppen teilen. In Memes macht man sich darüber lustig, dass zwei „freundliche Herren“ vom Geheimdienst vor der Tür stehen könnten, wenn man die „falsche“ App installiert. Doch hinter der Ironie steckt die reale Sorge, irgendwann komplett von vertrauten Diensten abgeschnitten zu werden – und damit auch von Verwandten, die im Ausland leben, und von globalen Nachrichtenquellen.

Von außen wirkt die Nachricht über das FaceTime- und Snapchat-Verbot vielleicht wie ein weiteres Kapitel aus einem fernen autoritären System. Tatsächlich betrifft sie aber mehr als hundert Millionen Menschen und setzt ein Signal, das über Russland hinausreicht. Wenn Regierungen nur noch das Wort Terrorismus in den Raum stellen müssen, um verschlüsselte oder ausländische Dienste auf Knopfdruck abzuschalten, wird digitale Freiheit zur leicht verschiebbaren Größe. Das Aus für FaceTime und Snapchat ist daher nicht nur ein russisches Problem – es ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie schnell offene Kommunikation unter die Räder der Macht geraten kann.

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