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Far Cry wird zur Serie: FX und Hulu setzen auf Noah Hawley und Rob McElhenney

von ytools
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Far Cry verlässt den Bildschirm nicht, sondern wechselt nur das Medium: Die FX und Hulu arbeiten gemeinsam an einer Serienadaption der Ubisoft-Reihe. Showrunner wird Noah Hawley, während Rob McElhenney – hier als Rob Mac geführt – die Hauptrolle übernimmt und gleichzeitig produziert.
Far Cry wird zur Serie: FX und Hulu setzen auf Noah Hawley und Rob McElhenney
Statt einer simplen Nacherzählung eines einzelnen Spiels soll die Serie das chaotische Herz von Far Cry nehmen und daraus eine Anthologie machen, in der jede Staffel ihr eigenes politisch explosives Urlaubsparadies anzündet.

Warum Far Cry wie gemacht ist für eine Anthologie

Im Grunde war Far Cry schon immer eine lose Anthologie. Jeder Teil spielt an einem anderen Ort mit neuen Figuren, anderen Konflikten und einem frischen Mix aus Wahnsinn und Gewalt. Mal ist es eine tropische Insel voller Piraten und Drogen, dann ein fiktives afrikanisches Kriegsgebiet, später eine ländliche US-Region, die von einem Endzeit-Kult gekidnappt wurde, oder eine karibisch angehauchte Diktatur im Daueraufstand. Genau dieses Prinzip von Variationen über ein Thema ist Hawleys Heimat: Fargo, Legion und zuletzt Alien Earth funktionieren über Staffeln, die im selben Universum bleiben, aber immer neue Geschichten erzählen.

Die Serienversion von Far Cry soll sich daran orientieren. Jede Staffel bekommt ihr eigenes Setting, ihre eigene moralische Katastrophe, neue Verbündete und Schurken – aber Rob Mac bleibt als Konstante im Zentrum. In einem Jahr könnte er in einer Umgebung landen, die stark an Far Cry 3 erinnert: Dschungel, Warlords, Drogen, ein charismatischer Psycho, der viel zu poetisch über Wahnsinn spricht. In einer anderen Staffel wäre ein düsteres Szenario im Geist von Far Cry 2 denkbar, mit Waffen, die genau dann klemmen, wenn man sie braucht, brennenden Savannen und einem Söldner, der langsam innerlich verrottet.

Rob Mac als roter Faden im Chaos

Gerade diese Idee, in einer Anthologie immer wieder auf denselben Hauptdarsteller zu setzen, sorgt für Diskussionen. Viele kennen Rob McElhenney fast ausschließlich als übermotivierten Fitness-Fanatiker aus It’s Always Sunny in Philadelphia oder als narzisstischen Game-Director aus Mythic Quest. Für diese Fans ist es schwer, ihn als ernstzunehmenden Action-Protagonisten zu sehen, der sich jedes Jahr in einem neuen Kriegsschauplatz wiederfindet.

Andere sehen darin genau die Stärke des Konzepts. Far-Cry-Hauptfiguren sind selten klassische Helden. Meist sind es naive Touristen, Söldner wider Willen oder Zyniker, die sich zwischen Freiheitskampf und Selbstverwirklichung verlieren. Genau diese Mischung aus Größenwahn, Humor und moralischer Verwahrlosung hat Mac schon öfter gespielt. Für FX ergibt das Sinn: Er bringt eine treue Fangemeinde mit, kennt die Gaming-Welt durch seine Arbeit mit Ubisoft und hat keine Angst davor, unsympathische Figuren zu verkörpern.

Der Faktor Noah Hawley: zwischen Meisterwerk und Überinterpretation

Auch Noah Hawley teilt die Community. Für einen Teil des Publikums ist sein Name ein Gütesiegel: Fargo und Legion gelten bis heute als Beispiele dafür, wie weit man Genrefernsehen dehnen kann, ohne es völlig zu brechen. Andere erinnern sich vor allem an Alien Earth und beklagen, dass er dort das ursprüngliche Horrorgefühl zugunsten philosophischer Synth-Dramen und angezogener Blade-Runner-Ästhetik verwässert habe.

Genau hier sitzt die größte Sorge vieler Spielerinnen und Spieler: Nach Serien wie The Witcher oder Halo ist das Vertrauen in Games-Adaptionen angeschlagen. Oft wirkt es so, als würden Showrunner eine bekannte Marke nutzen, um dann eine Geschichte zu erzählen, die mit der Vorlage nur noch lose verbunden ist. Far Cry lebt jedoch vom Spagat: Es ist einerseits überzeichnetes Popcorn-Kino voller Explosionen, andererseits eine grobe, aber erkennbare Auseinandersetzung mit Kolonialismus, Fanatismus, Tourismus als Machtinstrument und der Lust, im Chaos zum Helden zu werden. Wenn Hawley nur eine Seite dieses Spektrums bedient, fehlt die Hälfte des Reizes.

Welches Far Cry landet wirklich im Fernsehen?

Noch gibt es weder Trailer noch eine offizielle Inhaltsangabe, aber die Spekulationen laufen bereits heiß. Klassische Far-Cry-3-Fans wünschen sich nichts sehnlicher, als Michael Mando noch einmal in einer Vaas-ähnlichen Rolle zu sehen – sei es als direkter Auftritt oder als geistiges Echo. Anhänger von Far Cry 2 träumen von einer kompromisslosen Staffel, die Mut zur Schwere hat: Krankheiten, Korruption, langsamer moralischer Absturz statt cooler Sprüche über Freiheit.

Gleichzeitig melden sich Stimmen, die Far Cry 6 verteidigen und in der revolutionären Kulisse einer tropischen Insel massives Serienpotenzial sehen. Ein charismatischer Diktator, zerrissene Familien, Guerilla-Krieg im Urlaubsprospekt – das schreit förmlich nach mehreren Episoden. Andere wiederum hoffen, dass Hawley und sein Team sich vom konkreten Plot der Spiele lösen und lediglich das Grundrezept übernehmen: spektakuläre Landschaften, eine Form von Tyrannei, ein übermächtiges System und ein Einzelner, der mit zu vielen Waffen und zu wenig Plan hineingeworfen wird.

Ubisoft, verbrannte Erde und die Chance auf Rehabilitation

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist Ubisoft selbst. Der Publisher gilt seit Jahren als Meister darin, erfolgreiche Formeln so lange zu melken, bis selbst treue Fans müde werden. Abgebrochene Projekte, aufgeblähte Open Worlds und überambitionierte Live-Services haben den Ruf nicht unbedingt verbessert. Kein Wunder also, dass manche jede neue Adaption mit dem Label Ubisoft zunächst mit Skepsis betrachten und von einem zukünftigen IP-Friedhof sprechen.

Gerade deshalb könnte die Far-Cry-Serie zur Bewährungsprobe werden. Schafft es Ubisoft, in Zusammenarbeit mit FX zu zeigen, dass diese Welt mehr kann als Sammelaufgaben und Karten voller Icons, könnte sich das Bild drehen. Eine kluge, wilde Anthologie, die inhaltlich auf eigenen Beinen steht, wäre der beste Gegenbeweis zur Vorstellung, dass alles, was mit der Marke verbunden ist, zwangsläufig im Niemandsland der Mittelmäßigkeit endet.

Vorsichtiger Optimismus in einem schwierigen Feld

Die Zutaten sind jedenfalls spannend: Ein Sender, der keine Angst vor eigenwilligem Genrefernsehen hat, ein Showrunner, der gerne an der Grenze zwischen Kunstfilm und Popkultur arbeitet, und ein Hauptdarsteller, der Humor und Abgründe verbinden kann. Gelingt es diesem Trio, das anarchische Herz von Far Cry zu bewahren, ohne in bloßen Fanservice oder rein abstrakte Symbolik abzurutschen, könnte hier eine der wenigen Spieleadaptionen entstehen, über die man länger spricht als nur zum Release.

Bis dahin bleibt die Fanbase im gewohnten Modus: Man streitet darüber, welches Spiel wirklich das beste war, ob Rob Mac als Action-Lead funktioniert und ob Noah Hawley den Geist der Reihe trifft oder alles nach seinen Vorstellungen umbaut. Irgendwo zwischen Hype und Bauchweh liegt die Version von Far Cry, die im Fernsehen entweder zum nächsten großen Ding wird – oder zum Lehrstück darüber, wie schwer es ist, interaktive Welten in Serienform zu gießen.

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