
Gerüchte-Ticker: Ein frisch aufgetauchtes Hardware-/Firmware-Log rückt Intels Xe3P-Grafikarchitektur in ein neues Licht. Bisher galt Xe3P vor allem als Baustein für Rechenzentrums-Silizium (Crescent Island) und kommende iGPUs. Der Log-Ausschnitt nennt jedoch zwei Medien-Profile – LPM (Low Power Media) und HPM (High Power Media). Das ist kein Beweis für dedizierte Grafikkarten, aber ein klares Indiz für eine Skalierung von stromsparend bis leistungsstark – genau die Art von Spannbreite, die auch dGPUs benötigt.
Wie wir Gerüchte einordnen: Wir bewerten Quelle, Bestätigung, Technik und Zeitrahmen und verdichten sie zu einem Score. Hier landen wir bei 60 % – plausibel (Quelle 4/5, Bestätigung 2/5, Technik 3/5, Zeitrahmen 3/5). Sprich: genug Rauch, um hinzusehen, aber zu wenig unabhängige Belege, um von „wahrscheinlich“ zu sprechen.
Was der Log wirklich nahelegt
Der Eintrag listet keine Produktnamen, Takte oder Speicherdaten. Er zeigt lediglich Xe3P mit LPM/HPM. Im Unterschied zu Intels früheren Kürzeln LPG/HPG, die ganze Architektur-Stufen markieren, dreht sich die LPM/HPM-Trennung explizit um den Medienblock – Encoder/Decoder, Parallelität, Durchsatz. Ein HPM-Profil impliziert üblicherweise höhere TDP-Spielräume und Bandbreite – ideal für Workstations, Creator-Notebooks oder eben Add-in-Karten. Genau dort entsteht die Vermutung einer diskreten Xe3P-Variante.
Roadmap: Wo Xe3P hineinpasst
Im Client-Segment wird Nova Lake weithin als Kandidat für iGPUs auf Xe3P-Basis gehandelt, während Anzeige/Mediapfade auf Plattformebene zunehmend auf neuere IP-Generationen wie Xe4 (Druid) verweisen. Parallel verankert Crescent Island Xe3P im Datacenter. Neu am heutigen Hinweis ist die Tür Richtung dedizierter Grafikkarten: denkbar sind Arc-Modelle für Gaming sowie Arc Pro für Workstations, die von starken Media-Pipelines ähnlich stark profitieren wie von Raster-Leistung.
Namen & Generationen: Celestial statt „B“
In Leaks und Entwickler-Hinweisen wird Xe3P seit Längerem mit der Arc-„C“ (Celestial)-Ära assoziiert – nicht mit der älteren B-Familie. Intel hat Xe3P selbst bereits außerhalb der „B“-Kontexte verortet. Sollte eine dedizierte Reihe kommen, spricht viel für Celestial-Branding. Ob es ein Segment à la „C770“ geben wird – das Pendant, das viele im B-Zyklus vermisst haben – bleibt offen.
Warum HPM zählt: Technik im Fokus
HPM steht in der Praxis für mehr Parallel-Engines beim En-/Decoding, breitere Codec-Abdeckung (AV1/HEVC usw.), höhere Durchsätze und geringere Latenzen – also genau das, was Mehrspur-4K/8K-Workflows und Live-Review brauchen. Ein mögliches Xe3P-dGPU mit HPM könnte das Herz des Marktes adressieren: starke Medienfeatures plus Compute-Ausbau für 1080p/1440p-Gaming, ohne in der erbarmungslosen High-End-Schlacht mitspielen zu müssen. Was den Speicher betrifft: GDDR7 für Celestial liegt zeitlich im Rahmen 2025/26 durchaus drin – der vorliegende Log sagt dazu jedoch nichts.
Woran man echte Bewegung erkennt
- Kernel-/Treiber-Patches: neue PCI-IDs, Celestial-Strings oder Gerätetabellen, die Xe3P eindeutig dGPUs zuordnen.
- OEM-Spuren: frühe Kühler/PCB-Leaks, Notebook-Designs mit betont hohem Media-Durchsatz.
- ISV-Listen: professionelle Software-Zertifizierungen mit explizitem Xe3P/HPM-Verweis (Arc Pro).
- Marketing-Taxonomie: falls LPM/HPM als Suffixe sichtbar werden oder als „Creator“-Pakete gebündelt auftauchen.
Marktstimmung: Warum das relevant wäre
Viele Enthusiasten sind der Zwei-Pferde-Show müde. Ein solider Intel-Vorstoß in der Mittelklasse – stabile Day-1-Treiber, moderner Media-Stack, nachvollziehbare Preise – würde Wettbewerb spürbar erhöhen und Optionen verbreitern. Dass Forenphasen zwischen Tape-out und Samples leiser sind, ist zyklisch; die Kurve zieht an, sobald echte Benchmarks und Reviews erscheinen.
Unser Zwischenfazit
60 % – plausibel. LPM/HPM neben Xe3P passt sauber zu Intels Segmentlogik und öffnet die Tür für diskrete, creator-/workstation-affine Karten mit Mainstream-Gaming-Kompetenz. Die Beleglage bleibt jedoch dünn. Ohne passende Treiber-IDs, OEM-Indizien oder Branchen-Docs, die Xe3P direkt an Arc-Celestial-Boards koppeln, bleibt Vorsicht angebracht. Sollte eine Karte im Geiste eines „C770“ auftauchen – mit kräftigem Media-Block – dürfte dieser Log der erste Dominostein gewesen sein.
Kurz gesagt: Xe3P ist für Nova-Lake-iGPUs und Datacenter gesetzt; die Chance auf eine HPM-gestützte, dedizierte Arc unter Celestial ist real. Die Puzzleteile passen – es fehlt das nächste Beweisstück.
1 kommentar
Wenn HPM beim AV1-Encode liefert, ist mein Schnitt-Laptop fällig