Der Glanz rund um künstliche Intelligenz verdeckt oft die Menschen, die diese Technologie im Hintergrund tragen. Diese Woche wurde das besonders deutlich: Über 200 Auftragnehmer, die für Google das Training und die Qualitätskontrolle seiner KI-Systeme wie Gemini und AI Overviews übernommen hatten, wurden überraschend entlassen. Es handelt sich dabei nicht um einfache Hilfskräfte, sondern vielfach um hochqualifizierte Fachleute mit Master- oder Doktortiteln. Ihre Aufgabe: Antworten der KI zu prüfen, Fehler zu korrigieren und dafür zu sorgen, dass die Resultate zuverlässig und menschenähnlich klingen. 
Nun ist ein Großteil dieser unsichtbaren Stütze weggebrochen.
Die Kündigungen trafen Angestellte bei GlobalLogic, einem Subunternehmen, an das Google diese Arbeit ausgelagert hatte. Betroffene berichten, dass sie lediglich eine kurze Mitteilung erhielten, das Projekt werde „heruntergefahren“. Hinter dieser nüchternen Formulierung steckt jedoch mehr: Viele sind überzeugt, dass es sich um eine gezielte Reaktion auf ihre Versuche handelt, bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung durchzusetzen. Andrew Lauzon, einer der Entlassenen, erzählte, er sei schlicht „abgeschaltet“ worden – ohne weitere Erklärung.
Damit wird eine unbequeme Wahrheit sichtbar: Der Fortschritt im Bereich KI ist ohne menschliche Arbeit nicht denkbar. Diese „Super-Rater“ verhindern, dass Systeme Fakten erfinden, diskriminierende Inhalte ausspielen oder unverständliches Kauderwelsch produzieren. Ohne sie wird das Fundament wackelig. Trotzdem zieht sich Google offiziell zurück: Die Betroffenen seien „Angestellte von GlobalLogic, nicht von Alphabet“. Formal korrekt – aber praktisch ein Schutzschild, der Verantwortung nach unten abwälzt.
Das Muster ist nicht neu. Im Silicon Valley ist es üblich, entscheidende Arbeit an Subunternehmen auszulagern. So sparen die Tech-Riesen Kosten, während die Beschäftigten mit unsicheren Verträgen, niedrigen Löhnen und fehlenden Sozialleistungen leben müssen. Ein bitterer Widerspruch: Die „Zukunftstechnologie“ KI baut auf dem Einsatz von Menschen auf, die selbst als austauschbar gelten.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht mögen die Einsparungen kurzfristig sinnvoll erscheinen. Doch für Image und Ethik ist der Schaden enorm. Wer die eigenen Spezialisten entlässt, die die Qualität der wichtigsten Produkte sichern – und das genau in dem Moment, wo sie für faire Bedingungen kämpfen –, signalisiert, dass Menschen weniger wert sind als die Algorithmen, die sie mitgestalten. Die Frage ist: Wenn dieses unsichtbare Fundament wegbrechen sollte, wie stabil bleibt dann das KI-Gebäude?
Für die Betroffenen beginnt nun die Suche nach neuen Jobs, während die KI-Industrie unbeirrt weiter rast. Die Lektion ist klar: Magie der Maschinen gibt es nicht ohne Menschen. Und genau diese Menschen bleiben bislang die Schwächsten im Spiel.
4 kommentare
wer die Leute feuert die Gemini geradebiegen, darf sich über Fehler nicht wundern
krass, Leute mit Master und Doktor werden wie Aushilfen behandelt
echt traurig für die Leute, die haben die KI überhaupt nutzbar gemacht
haha also macht die KI nur Sinn weil Menschen heimlich alles ausbügeln 🤯