Navi Apps gehören heute fast automatisch zum Autofahren dazu, aber sie sind auch berüchtigte Akku Fresser. Sobald Google Maps läuft, ist das GPS dauerhaft aktiv, das Handy lädt fortlaufend Verkehrsdaten nach, die Anzeige bleibt hell und die Karte wird in kurzen Abständen neu gezeichnet. 
Wer schon einmal mehrere Stunden mit aktiver Navigation unterwegs war, kennt das Ergebnis nur zu gut: Der Akkustand schmilzt dahin und ohne Ladegerät im Auto wird es schnell kritisch. Mit dem Pixel 10 geht Google dieses Problem erstmals direkt in Maps an und spendiert seinem Kartendienst einen eigenen Energiesparmodus speziell für die Navigation.
Anstatt sich nur auf den allgemeinen Energiesparmodus von Android zu verlassen, baut Google die Optimierung direkt ins App Erlebnis ein. Die Idee dahinter: Nicht das ganze System künstlich ausbremsen, sondern den Teil, der tatsächlich am meisten Strom benötigt, clever umgestalten. In der Navigation sind das vor allem das Display und die Art, wie die Karte dargestellt wird. Genau hier setzt der neue Modus auf dem Pixel 10 an und verwandelt Google Maps in eine minimalistische, aber weiterhin gut ablesbare Navigationsansicht.
Um zu verstehen, warum das so viel bringt, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Technik dahinter. Navigation bedeutet für das Smartphone Dauerstress: Das GPS Modul schickt und empfängt permanent Signale, der Prozessor berechnet die Route, berücksichtigt Staus, Sperrungen und alternative Wege, während gleichzeitig die Oberfläche flüssig auf Eingaben reagieren soll. Parallel läuft eine große, bunte Karte mit vielen Details auf einem hellen Display. Jedes zusätzliche Symbol, jede Animation und eine hohe Bildwiederholrate kosten Energie. Der neue Energiesparmodus versucht daher, genau diese Faktoren zu reduzieren, ohne dass die Navigation unbrauchbar wird.
Auf dem Pixel 10 nutzt Google dafür die Fähigkeiten des Always On Displays und einen speziellen Minimalmodus. Aktiviert man die Funktion, wechselt Google Maps während der Navigation in eine stark abgespeckte Ansicht, die direkt auf dem Sperrbildschirm angezeigt wird. Statt der typischen farbenfrohen Karte mit dichten Informationen sieht man eine zurückhaltende, überwiegend einfarbige Darstellung. Im Fokus stehen nur noch die wichtigsten Elemente: die aktuelle Position, der Routenverlauf und der nächste Abbiegehinweis inklusive Distanz. Auf überflüssige Bedienelemente, Pop ups und Spielereien wird verzichtet.
Gleichzeitig senkt das System die Bildwiederholrate und reduziert die Helligkeit auf ein sinnvolles, aber akkuschonendes Niveau. Der große Vorteil dabei ist, dass das Pixel 10 in diesem Modus gesperrt bleiben kann. Das vollständige Android Interface mit Startbildschirm, Benachrichtigungsleiste und Hintergrundprozessen muss nicht permanent aktiv sein. Das entlastet den Prozessor, senkt den Energieverbrauch und reduziert auch die Wärmeentwicklung. Für den Alltag bedeutet das: Ein kurzer Blick auf den Sperrbildschirm reicht, um zu wissen, wann die nächste Abzweigung kommt.
Damit der Modus funktioniert, muss er einmalig in den Einstellungen aktiviert werden. Auf dem Pixel 10 geht man dafür im Google Maps Menü über das Profil Symbol oben rechts in die Einstellungen, öffnet den Bereich Navigation und scrollt zu den Fahr Optionen. Dort findet sich ein Schalter mit der Bezeichnung Energiesparmodus oder einer ähnlichen Formulierung. Ist dieser aktiv, startet man eine Autofahrt wie gewohnt, wartet bis die Turn by Turn Navigation läuft und drückt dann die Einschalttaste, um das Gerät zu sperren. Statt eines komplett schwarzen Displays erscheint nun die reduzierte Kartenansicht mit dem nächsten Fahrhinweis.
Ganz ohne Einschränkungen kommt das neue Feature allerdings nicht aus. Aktuell funktioniert der Energiesparmodus nur im Hochformat. Wer sein Pixel 10 im Auto Halterung grundsätzlich quer montiert hat, bekommt bei Drehung des Geräts einen Hinweis, dass der Modus in dieser Ausrichtung nicht verfügbar ist. Gerade in Fahrzeugen, deren Cockpit auf eine horizontale Anordnung ausgerichtet ist, kann das störend sein. Noch unverständlicher wirkt für viele, dass der Modus zurzeit ausschließlich für Autofahrten vorgesehen ist. Wer zu Fuß, beim Joggen oder mit dem Fahrrad navigiert, kann die reduzierte Darstellung bislang nicht nutzen, obwohl der Wunsch nach längerer Akkulaufzeit unterwegs dort mindestens genauso groß ist.
Hinzu kommt, dass die Funktion vorerst exklusiv für die Pixel 10 Serie bereitsteht. Besitzer älterer Pixel Modelle und anderer Android Smartphones schauen momentan in die Röhre, obwohl dieselbe Maps Version installiert ist. Eine Rolle spielt dabei sicherlich Marketing, denn ein eigenes Navigations Feature stärkt die Alleinstellungsmerkmale der neuen Flaggschiffe. Gleichzeitig dürfte Google die Implementierung auch eng an die Display Technik des Pixel 10 angepasst haben, inklusive variabler Bildwiederholrate und fein steuerbarer Helligkeit im Always On Betrieb. Erst wenn diese Kombination auf weiteren Geräten verfügbar ist, könnte eine breitere Unterstützung folgen.
Besonders spannend ist der Energiesparmodus auf langen Strecken. Über viele Stunden hinweg summiert sich jede kleine Optimierung. Reduziertes Display, weniger Animationen und geringere Prozessorlast können am Ende darüber entscheiden, ob man mit zweistelligem Akkustand am Ziel ankommt oder im Stau fieberhaft nach einer Steckdose oder Powerbank suchen muss. Selbst wenn das Handy angeschlossen ist, kann ein effizienterer Navigationsbildschirm helfen, weil schwache Ladeadapter oder schlechte Kabel den Energiebedarf bei voller Helligkeit manchmal kaum ausgleichen.
Im Vergleich zu Alternativen wie Waze oder Apple Maps ist Google mit dieser Lösung im Moment klar einen Schritt voraus. Andere Dienste sind weiterhin auf systemweite Energiesparmechanismen angewiesen. Sie reduzieren vielleicht im Hintergrund Datenverkehr und drosseln einige Prozesse, aber das Kartenlayout selbst bleibt im Prinzip unverändert. Wer kein Pixel 10 besitzt, kann natürlich trotzdem ein paar klassische Tricks nutzen: Vor Fahrtbeginn den systemweiten Energiesparmodus aktivieren, Kartenmaterial offline herunterladen, den Bildschirm etwas dunkler stellen und Apps im Hintergrund schließen, die man während der Fahrt nicht braucht.
Auch außerhalb des Google Kosmos gibt es Potenzial, die Akkulaufzeit bei Navigation zu verbessern. Ein solider Ladeadapter im Auto mit ausreichender Leistung, ein intaktes Ladekabel und eine sinnvolle Position des Smartphones, damit es nicht überhitzt, sind einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen. Wer viel im Ausland unterwegs ist, profitiert zudem von einem stabilen Datentarif oder eSIM Angebot im Reiseland, weil das Gerät in schlecht abgedeckten Netzen oft besonders viel Energie beim funken verbraucht.
Der neue Energiesparmodus in Google Maps zeigt vor allem eines: App Entwickler beginnen, Akkuthema viel stärker aus der Perspektive konkreter Nutzungsszenarien zu denken. Statt pauschal alles langsamer zu machen, wird gezielt der Teil optimiert, der im jeweiligen Moment die größte Rolle spielt. Es wäre keine Überraschung, wenn Google das Konzept in Zukunft auf Fußgänger und Fahrrad Navigation ausweiten und später auch für andere Android Modelle freigeben würde. Für den Moment genießen Pixel 10 Besitzer einen echten Praxisvorteil: Navigation, die nicht nur zuverlässig ans Ziel führt, sondern den Akku respektiert, anstatt ihn gnadenlos leerzusaugen.
2 kommentare
Würde gerne mal einen direkten Vergleichstest sehen, wie viele Prozent Akku der Modus über eine längere Strecke wirklich spart
Typisch Google, cooles Feature erst mal nur fürs Pixel 10, mein Pixel 7 fühlt sich gerade etwas vergessen 😂