Wenn in den USA die Lichterketten angehen und die ersten Feiertags-Songs im Radio laufen, beginnt auch der große Reisestress: Autobahnen verstopft, Flughäfen voll, Bahnhöfe überfüllt. Mittendrin: Menschen, die nur versuchen, rechtzeitig bei Familie und Freunden anzukommen. 
Für viele von ihnen ist Google Maps längst der unsichtbare Beifahrer, der Staus umgeht, den besten Zwischenstopp vorschlägt und dafür sorgt, dass man nicht falsch abbiegt. Genau diesen Moment nutzt Google jetzt, um ein größeres Weihnachtsupdate für Google Maps zu starten – mit vier neuen Funktionen, die Reisen und Städtestreifzüge spürbar entspannter machen sollen.
Im Mittelpunkt stehen einmal mehr künstliche Intelligenz und Daten. Google setzt dabei auf sein Gemini-Modell und auf riesige Mengen an Live-Informationen, die über Maps ohnehin einlaufen. Das Versprechen: weniger böse Überraschungen vor Ort, bessere Vorbereitung schon bei der Planung und insgesamt ein Gefühl, dass man nicht einfach nur einer Navigationslinie hinterherfährt, sondern von einem digitalen Guide begleitet wird. Google Maps rückt damit noch weiter weg vom reinen Routenplaner und entwickelt sich zu einer Art Reiseassistent, der auch Kontext, Stimmung und Alltagssorgen im Blick hat.
Schlaue Hinweise vorab: Coisas, die du vor dem Losfahren wissen solltest
Die auffälligste Neuerung ist ein Infobereich, der in etwa dem Konzept "Dinge, die du vor dem Losfahren wissen solltest" entspricht. Wer ein Restaurant, ein Hotel oder eine Event-Location in Maps öffnet und etwas nach unten scrollt, sieht dort nicht mehr nur Öffnungszeiten, Adresse und Sternebewertung. Stattdessen erscheint eine Sammlung kompakter Tipps, die genau die Fragen beantworten soll, die einem normalerweise erst kurz vor der Tür einfallen.
Gemini durchforstet dafür aktuelle Bewertungen, Fotos und Beschreibungen und filtert zentrale, immer wiederkehrende Informationen heraus. So kann Maps etwa anzeigen, ob am Wochenende unbedingt reserviert werden sollte, ob sich spontane Besuche lohnen, ob das Lokal eher laut und trubelig oder ruhig und familienfreundlich ist und ob es Dresscodes oder andere Besonderheiten gibt, die Gäste häufig erwähnen. In vielen Fällen tauchen auch Hinweise auf Geheimtipps aus der Küche auf – Gerichte, die nicht auf der Speisekarte stehen, aber in Rezensionen gefeiert werden, oder saisonale Klassiker, die nur für kurze Zeit verfügbar sind.
Ein eigener Schwerpunkt liegt auf dem Thema Parken, das in Innenstädten oft mehr Nerven kostet als die eigentliche Fahrt. Der neue Bereich kann zum Beispiel darauf hinweisen, dass der Eingang zur Tiefgarage in einer Seitenstraße versteckt ist, dass kostenlose Parkplätze ab einer bestimmten Uhrzeit praktisch aussichtslos sind oder dass sich ein nahegelegenes Parkhaus als bestes Preis-Leistungs-Verhältnis herauskristallisiert. Jeder Tipp ist antippbar und öffnet bei Bedarf weitere Details aus den Bewertungen. Die Funktion wird schrittweise in der Maps-App für Android und iOS ausgerollt und ist auf manchen Geräten – etwa einem iPhone 15 Pro Max mit aktueller Testversion – bereits sichtbar, während sie auf anderen, etwa älteren Pixel-Geräten, noch nach und nach ankommt.
Neuer Entdecken-Tab: Kuratierte Listen statt Punktesalat
Auch der Bereich "Entdecken" bekommt ein deutliches Upgrade. Wo früher eher ein wilder Mix an Orten auftauchte, präsentiert sich die Oberfläche jetzt strukturierter und redaktioneller. Wer die Leiste nach oben wischt, sieht thematische Listen: trendige Restaurants, Klassiker der Stadtkultur, Tipps für Familien, Ideen für den Abend oder saisonale Specials rund um Wintermärkte und Konzerte.
Diese Listen stammen nicht zufällig irgendwoher, sondern werden von bekannten Reiseanbietern wie Viator oder Lonely Planet, von Plattformen wie OpenTable und von lokalen Creatorinnen und Creatorn zusammengestellt, die ihre Stadt bis in die letzte Seitenstraße kennen. So kann man in einer fremden Stadt praktisch bei null Vorbereitung ankommen, den Entdecken-Tab öffnen und hat sofort Vorschläge wie "festliche Food-Spots für den Abend", "kinderfreundliche Indoor-Aktivitäten" oder "Bars mit gemütlicher Winter-Atmosphäre" parat.
Wer nur zwei oder drei Tage Zeit hat, profitiert besonders von dieser Vorauswahl: Statt sich mühsam durch Dutzende Pins zu klicken, bekommt man eine Art Best-of aus der Gegend, vorsortiert nach Stimmung und Anlass. Das überarbeitete Entdecken-Interface wird im Laufe des Monats auf Android- und iOS-Geräten ausgerollt – rechtzeitig für Kurztrips, Städtetrips und Spontanbesuche bei Verwandten.
EV-Fahrer aufgepasst: Prognose für freie Ladepunkte
Für Besitzer von Elektroautos ist Google Maps längst Standard, wenn es darum geht, passende Ladesäulen zu finden, nach Steckertyp oder Ladeleistung zu filtern und Netzwerke wie Tesla Supercharger oder Electrify America auf der Route zu berücksichtigen. Aber ein Problem blieb: Eine Station kann in dem Moment, in dem man sie auswählt, frei wirken – und bei Ankunft komplett belegt sein. Wer dann mit fast leerem Akku in der Schlange steht, erlebt alles, nur keine entspannte Fahrt.
Genau hier setzt das neue Feature an. Mithilfe von KI wertet Google aus, wie stark eine bestimmte Station zu verschiedenen Tageszeiten und Wochentagen genutzt wird, und kombiniert diese Daten mit der aktuellen Auslastung. Daraus entsteht eine Prognose, wie viele Ladepunkte voraussichtlich verfügbar sein werden, wenn man – basierend auf der berechneten Route – dort ankommt.
In der Praxis sieht das so aus: Sucht man nach "EV-Ladestationen", zeigt Maps nicht nur, was im Moment noch frei ist, sondern blendet eine Einschätzung ein, ob sich an der Station in einer Stunde oder in zwei Stunden Warteschlangen abzeichnen. So kann man sich bewusst für eine etwas weiter entfernte Ladesäule entscheiden, bei der die Chancen auf einen freien Platz höher sind. Gerade auf langen Familienfahrten in der Ferienzeit kann das entscheidend sein – zwanzig Minuten weniger Wartezeit bedeuten weniger Frust auf der Rückbank und mehr Zeit am eigentlichen Ziel. Laut Google starten diese Prognosen zunächst in Android Auto und Fahrzeugen mit Google built-in und decken Hunderttausende Ladepunkte weltweit ab.
Bewertungen mit Spitznamen: Mehr Mut zum ehrlichen Feedback
Die vierte große Neuerung betrifft die Bewertungsfunktion von Google Maps. Bewertungen sind seit Jahren der Kompass für viele Alltagsentscheidungen: Welches Café lohnt sich wirklich? Welche Werkstatt behandelt Kundschaft fair? In welches Hotel sollte man besser nicht einchecken? Gleichzeitig fühlen sich nicht alle Menschen wohl damit, solche Einschätzungen unter vollem Namen und mit ihrem Standard-Profilfoto zu veröffentlichen.
Deshalb führt Google jetzt Bewertungsprofile mit Spitznamen ein. Statt des Klarnamens kann man einen frei gewählten Namen und ein separates Bild für seine öffentlichen Rezensionen nutzen. Wer möchte, wird zum "Weihnachtswichtel mit großem Süßzahn" und vergibt ausführliche Sterne für jede Bäckerei mit gutem Stollen – oder zur "Julia liebt Desserts", die sich durch die Dessertkarten der Stadt probiert. So entsteht eine wiedererkennbare, aber trotzdem etwas anonymere Identität, die es leichter macht, ehrliche Kritik oder überschwängliches Lob zu formulieren.
Google betont gleichzeitig, dass die etablierten Schutzmechanismen gegen Fake-Bewertungen bestehen bleiben. Automatische Systeme und menschliche Checks sollen weiterhin erkennen, wenn Bewertungen inszeniert, gekauft oder Teil von Kampagnen gegen bestimmte Geschäfte sind. Spitznamen sind also kein Freifahrtschein für Trolle, sondern eine Möglichkeit, seriösen Nutzerinnen und Nutzern die Hemmschwelle zu nehmen. Das Feature wird weltweit für Android, iOS und die Desktop-Version von Maps ausgerollt und dürfte im Laufe der Feiertage immer häufiger in den Rezensionen auftauchen.
Ein Begleiter für die ganze Reise – nicht nur für die letzte Kreuzung
All diese Neuerungen treffen auf eine Zeit, in der viele Menschen eSIMs für Auslandsreisen aktivieren, Boardingpässe in ihre Wallet-Apps laden und diskutieren, wer den Mietwagen aus dem unbekannten Flughafenkreisverkehr herausmanövriert. Google Maps lässt sich wie gewohnt aus dem App Store oder dem Google Play Store installieren oder aktualisieren und spielt seine Stärken dann auf ganz unterschiedlichen Geräten aus – von aktuellen Android-Flaggschiffen bis hin zu iPhones wie dem iPhone 15 Pro Max.
In der Summe machen die KI-Tipps vor der Abfahrt, der kuratierte Entdecken-Bereich, die Prognosen für E-Auto-Ladesäulen und die neuen Spitznamen-Bewertungen deutlich, wohin die Reise geht: Google Maps will nicht nur Ausfahrten ansagen, sondern den gesamten Weg begleiten – von der Idee für den Abend über die Parkplatzsuche bis hin zur Bewertung danach. Gerade in der hektischen Weihnachts- und Ferienzeit könnten diese eher leisen Verbesserungen dafür sorgen, dass aus stressigen Pflichtfahrten angenehme Touren werden, bei denen man am Ende nicht nur ankommt, sondern unterwegs auch etwas erlebt.
1 kommentar
Spitznamen für Bewertungen sind Gold wert, dann muss nicht mein voller Name unter jeder Pizzakritik stehen lol