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Team Cherry arbeitet am Hollow Knight Silksong DLC und denkt bereits über Spiele jenseits von Hollow Knight nach

von ytools
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Hollow Knight: Silksong ist endlich da – nach Jahren voller Insider-Witze, „Copium“-Memes und endlosen Spekulationen in Foren. Der kleine australische Entwickler Team Cherry hat fast sieben Jahre an dieser Fortsetzung gefeilt, und man merkt es dem Spiel an jeder Ecke an.
Team Cherry arbeitet am Hollow Knight Silksong DLC und denkt bereits über Spiele jenseits von Hollow Knight nach
Silksong hat sich millionenfach verkauft, heimste mehrere Nominierungen bei den Game Awards ein, darunter den begehrten Platz in der Kategorie Spiel des Jahres, und hat Team Cherry endgültig vom Geheimtipp zur festen Größe im Indie-Bereich gemacht.

Viele Studios würden nach so einem Marathon erst einmal komplett abschalten, das E-Mail-Postfach ignorieren und irgendwo am Strand realisieren, was sie da eigentlich geschafft haben. Bei Team Cherry läuft es anders. Statt Pause heißt es: weiterarbeiten. Während die meisten Spieler noch damit beschäftigt sind, jedes Geheimnis in Pharloom aufzudecken, sitzen Ari Gibson und William Pellen schon wieder über neuen Ideen – sowohl für zusätzliche Inhalte zu Silksong als auch für Projekte, die gar nicht mehr im Hollow-Knight-Kosmos angesiedelt sind.

In einem aktuellen Interview haben die beiden vorsichtig umrissen, wohin die Reise geht – und eines ist jetzt klar: Silksong ist mit dem Release noch lange nicht „abgehakt“. Das Studio arbeitet an DLC, das nicht nur ein kleiner Zusatzmodus mit ein paar Bonuskämpfen werden soll. Stattdessen greift Team Cherry auf Inhalte zurück, die während der Entwicklung aus Zeit- oder Qualitätsgründen aus dem Hauptspiel geflogen sind, und kombiniert sie mit komplett neuen Einfällen, die erst gegen Ende des Projekts oder sogar erst nach Release entstanden sind.

Besonders im Fokus der Fans steht seit Langem eine Figur: Steel Assassin Sharpe. Der Name tauchte immer wieder in Leaks, Spekulationen und alten Materialien auf, ohne dass Sharpe im fertigen Silksong irgendwo zu finden gewesen wäre. Jetzt ist klar: Sharpe wurde nicht vergessen, sondern bewusst „geparkt“. Gibson beschreibt den Charakter sinngemäß als jemanden, der noch in den Kulissen wartet, bereit, endlich auf die Bühne zu treten. Die entsprechenden Bosskämpfe und Begegnungen waren konzeptionell bereits sehr weit, doch die schiere Masse an Inhalten im Spiel machte es notwendig, Prioritäten zu setzen.

Typisch für Team Cherry bedeutet das: Lieber etwas verschieben, als es halbgar zu veröffentlichen. Ein Boss wie Sharpe ist eben nicht nur ein neues Moveset. Er braucht Animationen, eine eigene musikalische Identität, eine passende Arena, visuelle Effekte, Kontext in der Welt und – idealerweise – eine Geschichte, die ihn im Gedächtnis der Spieler verankert. All das kostet Zeit, und Zeit war kurz vor Release von Silksong die knappste Ressource. Also wanderten Sharpe und seine Begleiter vorerst in die Schublade, mit dem klaren Plan, später in Form von DLC zurückzukehren – dann aber in der Version, die das Team wirklich haben möchte.

Sharpe ist nicht das einzige Element, das die Community beschäftigt. Seit geraumer Zeit geistert auch der Name Village of Lions durch Diskussionen und Theorienvideos. Als in der Befragung angedeutet wurde, dass diese mysteriöse Siedlung ebenfalls zu den „wartenden“ Inhalten gehören könnte, blieb Gibson vorsichtig, versprach aber wenigstens eines: Team Cherry wolle alle Zusagen erfüllen, die im Laufe der langen Silksong-Entwicklung gemacht wurden. Dazu zählen alte Teaser, früh kommunizierte Ideen und Verpflichtungen gegenüber Unterstützern genauso wie eigene interne Konzepte, an denen die Entwickler einfach hängen.

Gleichzeitig will sich das Studio aber nicht auf eine reine „To-do-Liste der Vergangenheit“ reduzieren lassen. Neben den überfälligen Inhalten gibt es brandneue Ideen, die erst sehr spät entstanden sind und nichts mit alten Stretch-Goals oder Versprechen zu tun haben. Neue Gebiete, bizarre NPCs, zusätzliche Quests, vielleicht sogar kleine mechanische Überraschungen – all das schwirrt den Entwicklern im Kopf herum. Die Kunst besteht nun darin, diese Versatzstücke so zu kombinieren, dass am Ende keine lose Sammlung von Extras entsteht, sondern Erweiterungen, die sich organisch anfühlen, als wären sie immer ein natürlicher Teil von Silksong gewesen.

Die große Frage ist natürlich: Wann kommt das alles? Und hier bleibt Team Cherry seinen Grundsätzen treu. Nach einem Projekt, das statt der ursprünglich gedachten überschaubaren Entwicklungszeit satte sieben Jahre verschlungen hat, sind Gibson und Pellen extrem vorsichtig geworden, wenn es um Zeitpläne geht. Sie betonen, dass man Silksong nie bewusst als siebenjährige Mammutaufgabe geplant habe – das Spiel sei einfach immer weiter gewachsen. Dieselbe Philosophie, die das Spiel so besonders gemacht hat – viele Iterationen, kein Kompromiss bei der Qualität, stetiges Verfeinern – gilt weiterhin. Und diese Philosophie verträgt sich nur sehr bedingt mit festen Release-Terminen für DLC.

Für Spieler bedeutet das: Wer auf monatliche Season-Pässe oder streng getaktete Events hofft, ist bei Team Cherry an der falschen Adresse. Dieses Studio baut keine Live-Service-Maschine, sondern detailverliebte Welten, in denen jeder Gang, jeder Boss und jede Nebenfigur sitzen muss. Schon Silksong selbst ist das beste Beispiel dafür, wie aus einer Erweiterung ein eigenständiger, riesiger Titel werden kann. Es wäre keine Überraschung, wenn auch einzelne DLC-Ideen mit der Zeit größer und komplexer werden, als anfangs gedacht.

Spannend wird es vor allem dann, wenn der Blick ganz aus Pharloom herauswandert. Denn Gibson und Pellen machen keinen Hehl daraus, dass sie mehr Ideen haben, als in ein einziges Universum passen. Sie sprechen von Spielen, die in völlig anderen Welten spielen, mit neuen Themen, Mechaniken und Stimmungen. Dabei schwingt ein gewisser Existenzialismus mit: Wenn ein einziges Großprojekt sieben oder mehr Jahre frisst, wird auf einmal sehr konkret, wie viele solcher Spiele man im eigenen Leben überhaupt noch stemmen kann. Irgendwann ist schlicht nicht mehr genug Zeit, um jedem Einfall ein komplettes Game zu widmen.

Die beiden gehen damit erstaunlich offen um, sogar mit einem Schuss schwarzem Humor. Sie sagen sinngemäß, dass der einzige Zeitdruck, der sie wirklich beschäftigt, das Leben selbst sei. Wenn man bei jeder Idee hochrechnet, wie viele Jahre sie verschlingen könnte, wird klar, dass man auswählen muss. Trotzdem betonen sie, dass sie Hollow Knight und Silksong nicht leid sind. Im Gegenteil: Würde man sie heute zwingen, sofort mit einem neuen Hollow-Knight-Projekt zu starten, würden sie das „mit Freude“ tun. Das Bedürfnis, neue Genres und Welten auszuprobieren, kommt also nicht aus Frust, sondern aus Neugier.

Gibson fasst es sinngemäß so zusammen: Es gibt eine Art rote Linie, die durch alle künftigen Spiele von Team Cherry laufen wird, egal ob sie nun Hollow-Knight-Branding tragen oder nicht. Große, verwinkelte Welten, geheimnisvolle Figuren, visuell dichte Atmosphäre, Bosskämpfe, die sich wie kleine Klimaxe anfühlen – das sind Elemente, die sie nicht ablegen wollen. Was sich aber ändern darf, sind Kulisse, Thema, Tonfall. Vielleicht wird der nächste Titel kein Insektenreich mehr zeigen, sondern etwas völlig anderes, aber Spielerinnen und Spieler sollen trotzdem das Gefühl haben: Ja, das ist eindeutig ein Team-Cherry-Spiel.

Unterm Strich zeichnet sich damit ein Zukunftsbild ab, das sowohl beruhigend als auch aufregend ist. Beruhigend, weil Silksong noch wachsen wird – mit DLC, das vergessene Figuren wie Steel Assassin Sharpe ins Rampenlicht holt und vielleicht endlich Geheimnisse wie die Village of Lions lüftet. Aufregend, weil irgendwo dahinter bereits neue Projekte warten, die nicht an Hollow Knight gebunden sind, aber denselben Sinn für dichte Welten, knackige Kämpfe und leise erzählte Geschichten in sich tragen. Wer bereit ist, Geduld mitzubringen, kann sich ziemlich sicher sein: Die Wartezeit mag lang sein, doch bei Team Cherry ist sie erfahrungsgemäß selten umsonst.

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