Intel-Chef Lip-Bu Tan wagt einen großen Schritt in Richtung Naher Osten – und das könnte für das amerikanische Halbleiterunternehmen der Wendepunkt sein. Der CEO traf sich kürzlich mit dem saudi-arabischen Minister für Kommunikation und Informationstechnologie, Abdullah Al-Swaha, um über eine mögliche Zusammenarbeit in den Bereichen Chipproduktion, Hochleistungsrechnen und Künstliche Intelligenz zu sprechen. 
Der Besuch zeigt: Intel sucht neue Partner, neue Geldquellen und eine neue Identität im globalen Tech-Rennen.
Nach Jahren der Turbulenzen und Rückschläge gegen Konkurrenten wie AMD, TSMC und NVIDIA versucht Intel unter Tan, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der charismatische Manager hat bereits Kooperationen mit SoftBank und sogar mit der US-Regierung ins Spiel gebracht. Doch jetzt richtet er den Blick gen Osten – auf ein Königreich, das mitten in seiner wirtschaftlichen Neuausrichtung steckt: Saudi-Arabien. Im Rahmen des Programms Vision 2030 will das Land seine Abhängigkeit vom Öl beenden und stattdessen massiv in Technologie, Forschung und Innovation investieren.
Laut einem Bericht von Arab News ging es bei dem Treffen zwischen Tan und Al-Swaha um mögliche Partnerschaften im Bereich Halbleiterentwicklung und KI-Infrastruktur. Konkrete Projekte wurden zwar nicht genannt, doch Branchenexperten vermuten, dass Intel langfristig eine Produktionsstätte oder ein Forschungszentrum im Golfraum anpeilen könnte. Saudi-Arabien hat zwar kaum Erfahrung mit Hightech-Fertigung, aber gewaltige Finanzreserven – und das Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) hat schon in globale Technologieunternehmen wie SoftBank investiert. Eine Allianz mit Intel würde also in das Bild passen: Geld aus dem Golf, Know-how aus dem Silicon Valley.
Natürlich gibt es Zweifel. Der Aufbau einer Chipfabrik im Wüstenstaat bringt logistische und infrastrukturelle Herausforderungen mit sich. Dennoch steht Intel unter enormem Druck: Der globale Halbleitermarkt schwankt, Subventionen aus den USA kommen schleppend, und die Konkurrenz zieht davon. In dieser Lage könnte saudisches Kapital genau das sein, was Intel braucht, um seine ehrgeizigen Pläne zu finanzieren und wieder auf Kurs zu kommen.
Das Interesse Saudi-Arabiens an Halbleitern ist Teil einer größeren geopolitischen Entwicklung: westliche Tech-Giganten und Golfstaaten rücken enger zusammen. Für Riad geht es um Einfluss, Wissenstransfer und Modernisierung – für Intel um Kapital, Expansion und Überleben. Wenn die Gespräche Früchte tragen, könnte daraus eine Partnerschaft entstehen, die sowohl symbolisch als auch strategisch Gewicht hat: eine Verbindung von Ölreichtum und Siliziumvision.
Ob daraus ein echter Neustart wird, bleibt abzuwarten. Doch klar ist: Lip-Bu Tan setzt auf Globalisierung als Überlebensstrategie. Seine Mission ist es, Intel zurück an die Spitze zu bringen – notfalls mit Rückenwind aus der Wüste.
3 kommentare
Saudi-Fabs? Klingt wie Science-Fiction, aber who knows 😅
TSMC sagt nein, Intel sagt: ‘Wir graben einfach tiefer!’ 😂
Lip-Bu Tan macht jetzt Betteltour bei den Scheichs 🤣