Intel hat eine umfassende Neuordnung in der Führungsetage angekündigt. 
Mehrere Schlüsselpositionen wurden neu besetzt, während gleichzeitig eine langjährige Führungspersönlichkeit ihren Abschied nimmt. Das Ziel ist klar: die Kernbereiche zu stärken, die Foundry-Strategie konsequenter umzusetzen und die Ingenieurteams effizienter zu machen. Es ist ein Signal des Umbruchs, das sowohl auf Kontinuität als auch auf frische Impulse setzt.
Neuer Schwung für das Datacenter-Geschäft
Im Mittelpunkt steht die Ernennung von Kevork Kechichian zum Executive Vice President und General Manager der Data Center Group (DCG). Kechichian bringt über 30 Jahre Branchenerfahrung mit, zuletzt bei Arm, wo er maßgeblich daran beteiligt war, das Geschäftsmodell von reinen IP-Lizenzen hin zu kompletten Full-Stack-Lösungen zu entwickeln. Zuvor hatte er leitende Positionen bei Qualcomm und NXP inne. Mit seiner Verpflichtung setzt Intel ein klares Signal: man will im harten Wettbewerb mit AMD und Nvidia im Bereich Server und KI wieder Boden gutmachen.
CEO Lip-Bu Tan betonte Kechichians Kombination aus strategischer Weitsicht und technischer Tiefe – Eigenschaften, die für Intels Ambitionen im Cloud- und Enterprise-Markt unverzichtbar sind. Gerade im Bereich Data Center, wo es längst nicht mehr nur um CPUs geht, sondern um KI-Beschleuniger und maßgeschneiderte Chips, könnte Kechichians Erfahrung entscheidend sein.
Beständigkeit im PC-Segment
Während Kechichian als neuer Impulsgeber gilt, verkörpert Jim Johnson Kontinuität. Er wurde nach seiner Interimsphase offiziell als Senior Vice President und General Manager der Client Computing Group (CCG) bestätigt. Dieses Geschäftsfeld ist nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle des Unternehmens. Johnson blickt auf über 40 Jahre bei Intel zurück und hat in Bereichen wie Fertigung, Netzwerke und globales Management Erfahrungen gesammelt.
Seine Hauptaufgabe wird es sein, das PC-Geschäft zu stabilisieren und gleichzeitig den Übergang in eine neue Ära von KI-gestützten Rechnern einzuleiten. Laut Tan genießt Johnsons Wort in der Branche großes Vertrauen – ein Pluspunkt, wenn es um den erfolgreichen Marktstart neuer Produktgenerationen geht.
Ein zentrales Engineering-Team
Parallel dazu gründet Intel eine neue Central Engineering Group unter Leitung von Srinivasan (Srini) Iyengar, Senior Vice President und Fellow. Ihm obliegt die Aufgabe, horizontale Ingenieursfunktionen zu leiten und ein Geschäft für kundenspezifisches Silizium aufzubauen. Iyengar kommt von Cadence Design Systems, wo er globale Silizium-Entwicklung verantwortete und eng mit Hyperscalern zusammenarbeitete.
Mit diesem Schritt will Intel Innovationszyklen verkürzen, die Ausführungsqualität verbessern und neue Kunden außerhalb des klassischen CPU-Geschäfts gewinnen. Die neue Struktur soll dazu beitragen, Entwicklungen schneller auf den Markt zu bringen und stärker an Kundenanforderungen auszurichten.
Foundry stärker integriert
Naga Chandrasekaran, bisher Chief Technology und Operations Officer der Intel Foundry, übernimmt zusätzlich die Foundry Services. Damit wird die gesamte Wertschöpfung – von der Technologieentwicklung über die Fertigung bis hin zum Vertrieb – unter einer Leitung gebündelt. Chandrasekaran kam 2024 von Micron zu Intel und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in Forschung und Produktion.
Nach Einschätzung von Tan wird diese engere Verzahnung die Zusammenarbeit verbessern und die Servicequalität erhöhen. Da Intel mit TSMC und Samsung konkurriert, ist die Effizienz im Foundry-Geschäft ein entscheidender Faktor für die Zukunft des Unternehmens.
Abschied nach drei Jahrzehnten
Besonders ins Gewicht fällt der Abschied von Michelle Johnston Holthaus, die nach mehr als 30 Jahren bei Intel geht. Sie war unter anderem Interims-Co-CEO, Leiterin der CCG und Chief Revenue Officer. Ihr Ruf, starke Teams aufzubauen und Kundenzufriedenheit in den Mittelpunkt zu stellen, hat das Unternehmen nachhaltig geprägt.
Holthaus bleibt noch einige Monate als strategische Beraterin an Bord, doch ihr Abgang markiert das Ende einer Ära. Für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stand sie für Stabilität und Führungsstärke. Ihr Weggang wird deshalb nicht nur organisatorisch, sondern auch symbolisch spürbar sein.
Intel im Umbruch
Die jüngsten Personalentscheidungen zeigen eine Intel, die versucht, Tradition und Erneuerung miteinander zu verbinden. Einerseits setzt man auf altbewährte Kräfte, andererseits holt man externe Expertise ins Haus. Die Herausforderungen sind groß: Die Konkurrenz zieht davon, während Intel in den letzten Jahren mit Verzögerungen und Pannen zu kämpfen hatte. Doch die neuen Rollen von Kechichian, Johnson, Iyengar und Chandrasekaran deuten an, dass das Unternehmen ernsthaft um die Rückkehr an die Spitze kämpft.
Wie ein Analyst es formulierte: Entscheidend wird nicht die Schlagzeile sein, sondern die Produkte, die tatsächlich auf den Markt kommen – pünktlich, leistungsfähig und wettbewerbsfähig. Erst dann wird sich zeigen, ob die neue Führungsriege die Wende schafft.
1 kommentar
wo bleibt eigentlich die Panther-Lake / Arrow-Lake Präsentation??