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Apple vs Met Police: Der echte Plan gegen iPhone-Diebstähle in London

von ytools
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Apple vs Met Police: Der echte Plan gegen iPhone-Diebstähle in London

iPhone-Diebstähle in London und das große Schieben der Verantwortung: wo Apple und die Met Police recht haben, wo sie danebenliegen – und was tatsächlich wirkt

London kämpft seit Jahren mit einem massiven Smartphoneproblem. Alle kennen jemanden, dem das Handy im Pub-Garten, an der Bushaltestelle oder beim Aussteigen aus dem Taxi aus der Hand gerissen wurde. Inzwischen ist aus dem Sicherheitsproblem ein politisch lautes Thema geworden: Apple verweist auf Schutzfunktionen, die geklaute iPhones wertlos machen sollen, während die Metropolitan Police (Met) argumentiert, der Konzern könne seine Zugänge zu Branchendaten viel konsequenter nutzen. Zwischen beiden Fronten stehen zehntausende Anzeigen pro Jahr – und eine Lücke in der Zusammenarbeit, die Täter ausnutzen und Opfer frustriert zurücklässt.

Im Zentrum des Streits steht das National Mobile Phone Register (NMPR) – eine Datenbank, in der Geräte als gestohlen markiert werden. Nach Darstellung der Met hat Apple vollen NMPR-Zugriff und nutze ihn täglich, allerdings vor allem, um den Netzstatus von Geräten in Trade-in-Programmen zu prüfen. Die Forderung der Polizei: Wenn Apple ohnehin die Datenbank abfragt, sollte das Unternehmen auch aktiv auf Diebstahltreffer reagieren und die eigene Plattform so schalten, dass Weiterverkauf und Reaktivierung praktisch unmöglich werden.

Apple kontert mit einem klaren Grundsatz: Ermitteln, festnehmen, anklagen – das ist Aufgabe der Polizei. Ohne sauber formulierte, rechtssichere und nachvollziehbare Einzelfallanfragen seien der Spielraum und die Geschwindigkeit des Konzerns begrenzt. Zugleich verweist Apple auf vorhandene Schutzlagen im Ökosystem: Wo ist? (Find My), Activation Lock und die Schutzfunktion für gestohlene Geräte (Stolen Device Protection). Diese sollen es schwer machen, ein iPhone zu löschen, neu aufzusetzen und mit fremden Daten zu betreiben – und sie schützen persönliche Informationen, wenn der Ernstfall eintritt.

Regelmäßig taucht in der Debatte die vermeintliche Wunderwaffe auf: eine harte IMEI-Sperre. In der Theorie simpel – ist ein Gerät als gestohlen gemeldet, wird seine eindeutige Kennung gesperrt, das Telefon verliert im Netz jeden Wert. In der Praxis ist das komplex. Ein zu niedrigschwelliger Prozess öffnet Missbrauch Tür und Tor: Jemand könnte widerrechtlich ein fremdes Gerät sperren lassen, um dem rechtmäßigen Besitzer zu schaden. Deshalb braucht es starke Identprüfung, konsistente Belege, eine lückenlose Audit-Spur – und faire Entsperrmechanismen für strittige Fälle.

Die Sicht der Polizei ist gleichermaßen nüchtern. Die Met sieht, wie Taschendiebstähle, Überfälle und Ablenkungsmanöver rund um Nachtleben und Verkehrsknoten ineinandergreifen. Sie kennt die Absatzwege: Sofortiger Teileverkauf, Ankaufstellen, die bar bezahlen, und Exportkanäle, die Geräte binnen 48 bis 72 Stunden außer Landes bringen. Für Ermittler sind eindeutige technische Signale entscheidend – „als gestohlen markiert“, „Activation Lock aktiv“, „Remote-Löschung ausgelöst“. Solche Rückmeldungen drücken den Wiederverkaufswert und liefern Spuren, solange die Kette noch heiß ist.

Politisch ist das alles nicht neu. Schon 2023 forderte das Rathaus härtere Schutzmaßnahmen von Apple und Google – obwohl zentrale Funktionen längst existierten. Die unbequeme Wahrheit lautet: Technik und Polizeiarbeit wirken nur zusammen. Die Diebstahlzahlen spiegeln nicht nur, wie viele begehrte Geräte auf den Straßen unterwegs sind, sondern auch, wie schnell ein Handy in Bargeld verwandelt werden kann – im Hinterzimmer um die Ecke oder im Container Richtung Ausland.

Wie sähe echte Abstimmung aus? Erstens braucht es eine zweiseitige, standardisierte Verbindung zwischen NMPR und dem Gerätestatus in Apples Systemen. Wird ein IMEI als gestohlen markiert, sollte eine automatisierte Abfrage den Apple-Status prüfen (Activation Lock, Verloren-Modus, Löschversuch) und ein maschinenlesbares Signal zurück an NMPR und an autorisierte Partner senden. Zweitens braucht die Polizei ein einheitliches, digitales Anforderungsformat mit starker Authentifizierung, klaren Fristen und Audit-Log – damit Apple schnell, rechtskonform und nachvollziehbar reagieren kann.

Drittens: klare Pflichten für Handel und Marktplätze. Bevor Geld fließt, muss die Doppelprüfung laufen – NMPR und Ökosystemstatus – mit protokolliertem Ergebnis. Wer sich nicht daran hält, zahlt spürbare Strafen; die Konformitätsquote großer Handelsketten gehört quartalsweise veröffentlicht. Transparenz verändert Verhalten schneller als jede Pressekonferenz.

Viertens gilt es, an den schmerzhaften Engpässen anzusetzen. Wenn die Mehrheit der Geräte binnen Tagen zerlegt oder exportiert wird, dann sind Frachtterminals, Logistiker, einschlägige Hinterzimmer-Servicepunkte und wiederkehrende Absenderadressen die Orte, an denen Maßnahmen wirken. Kombinierte Signale aus Activation Lock und NMPR könnten gezielte Kontrollen verdächtiger Sendungen auslösen – datenbasiert, zeitkritisch, rechtssicher.

Fünftens: die Perspektive der Betroffenen. Heute verlieren Opfer sich in Aktenzeichen, Versicherungsformularen und Funkstille. Ein schlankes, zentrales Status-Dashboard würde helfen: „in NMPR markiert“, „Activation Lock aktiv“, „Daten gelöscht“, „Polizeianfrage erstellt“, „Vorgangsnummer“, „Letztes Update“. Wer nachvollziehen kann, was passiert, bleibt eher dran – und liefert der Polizei prompt die Infos, die sie braucht.

Auch die Nutzerseite ist nicht aus der Pflicht. Die riskantesten Szenarien sind vorhersehbar: enge Gehwege, volle Biergärten, der späte Nachtbus. Die Schutzfunktion für gestohlene Geräte ist stark, aber noch zu wenig verbreitet. Kleine UX-Anstupser helfen: Erinnerung beim Hinzufügen einer neuen Karte in Wallet, bei der Aktivierung von Apple Pay oder wenn Face ID eine deutliche Veränderung bemerkt. Und: Händler sollten beim Erstsetup aktiv unterstützen – Sicherheit ab Tag eins.

Mein Fazit: Die Reibung ist nachvollziehbar, der Stillstand nicht. Die Met hat recht, schnelle, strukturierte Statussignale einzufordern, die ein geklautes iPhone ökonomisch nutzlos machen. Apple hat recht, auf rechtliche Sauberkeit und Betrugsresistenz zu pochen. Der Ausweg ist kein weiteres Statement, sondern ein Protokoll. Verbindet NMPR, Handel und Gerätestatus mit starker Authentifizierung, prüfbaren Logs und einem klaren Fokus auf die Betroffenen. Veröffentlicht Kennzahlen: Zeit bis „gelockt“, Antwortquote innerhalb der Frist, Trade-in-Compliance, Export-Abfänge. Wenn beide Seiten dasselbe Scoreboard sehen, wird aus Schuldzuweisungen ein Wettbewerb um sinkende Zahlen.

Und noch ein Punkt, der in Leserzuschriften immer wieder auftaucht: Verantwortung hat eine Postleitzahl. London will weniger Handy-Snatches in der Realität, nicht nur neue Abkürzungen in PDFs. Das bedeutet sichtbare Präsenz an Hotspots, schnelle Checks bei wiederkehrenden IMEIs und harte Maßnahmen gegen Händler und Versender, die wegschauen. In Kombination mit den Ökosystem-Sperren entsteht etwas, das Diebe hassen: unvermeidliche Reibung, die sich nicht mehr umschiffen lässt.

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1 kommentar

Savvy November 26, 2025 - 5:14 pm

Wenn Apple eh NMPR checkt, warum zahlen Shops noch für markierte Geräte? Dicke Strafen + öffentliche Quote, zack ändert sich was

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