Apples erstes Falt-iPhone ist noch nicht einmal angekündigt, und trotzdem gehört das Projekt schon jetzt zu den spannendsten Baustellen in Cupertino. Besonders im Fokus steht dabei das Herzstück eines jeden Foldables: das Display. 
Aktuellen Gerüchten zufolge soll genau dieses zentrale Bauteil beim sogenannten iPhone Fold inzwischen fertig entwickelt sein – inklusive definiertem Montageprozess. Zulieferer Foxconn soll sogar bereits eine eigene Fertigungslinie für das Displaymodul reserviert haben. Gleichzeitig bremsen aber zwei andere Schlüsselkomponenten das Gerät weiterhin aus: Scharnier und Akku.
Bevor man sich in die Details stürzt, lohnt ein kurzer Realitätscheck. Alle Informationen basieren auf Leaks, Insiderberichten und Einschätzungen aus der Lieferkette, nicht auf offiziellen Aussagen von Apple. Seriöse Beobachter stufen den aktuellen Stand als „plausibel“ ein – man könnte sagen, mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent. Die Quellenlage ist mittelstark: technisch klingen viele Details glaubwürdig, die zeitliche Einordnung passt zur üblichen Apple-Roadmap, aber eine wirklich breite Bestätigung durch mehrere unabhängige Leaker fehlt noch.
Der spannendste Punkt der neuen Berichte: Das innere faltbare OLED-Panel und der zugehörige Montageprozess sollen laut Insidern finalisiert worden sein. Apple verfolgt angeblich das Ziel, die sichtbare Falte in der Mitte so weit wie möglich zu minimieren – also ein nahezu „knickfreies“ Display zu liefern, das sich von vielen aktuellen Foldables abhebt. Um das zu erreichen, müssen die Ingenieursteams gleich mehrere Stellschrauben gleichzeitig im Griff haben: die Flexibilität der eigentlichen OLED-Schicht, die Robustheit der Schutzlagen, die Verformung nach tausenden Faltvorgängen und das Zusammenspiel mit dem Scharniermechanismus direkt unter dem empfindlichsten Bereich.
Als Displaylieferant steht – wenig überraschend – Samsung Display im Zentrum. Die Südkoreaner sollen sowohl die große Innenanzeige als auch das kleinere Außendisplay zuliefern. Für die Prototypen kursieren konkrete Zahlen: Die innere, aufklappbare OLED-Fläche soll bei etwa 7,74 Zoll liegen, die äußere bei rund 5,49 Zoll. Damit bewegt sich das iPhone Fold im aufgeklappten Zustand in Richtung Mini-Tablet, bleibt zugeklappt aber in einer vertrauten Smartphone-Größe. Wichtig: Es handelt sich um Maße von Engineering-Samples. In der Feinabstimmung zum Seriengerät kann Apple noch an Rändern, Seitenverhältnis und Gehäuseform feilen, wenn sich dadurch Ergonomie, Gewicht oder die Ausnutzung des Innenraums verbessern.
Einen zusätzlichen Vertrauensschub für die Gerüchte gibt der Hinweis auf eine vorbereitete Display-Montagelinie bei Foxconn. Sobald ein Zulieferer Fertigungsfläche, Werkzeuge und Abläufe für ein konkretes Modul reserviert, hat das Design meist den Sprung aus der reinen Experimentierphase geschafft. Das heißt noch nicht, dass morgen die Massenproduktion anläuft – aber es signalisiert, dass das Display selbst nicht mehr die größte Baustelle ist.
Ganz anders sieht es beim Scharnier aus. Hier verdichten sich die Hinweise, dass genau dieser Bereich Apple die meisten Kopfschmerzen bereitet. Berichtet wird von einem komplexen Mechanismus auf Basis einer sogenannten „Liquid Metal“-Legierung, also einem speziellen Metall mit hoher Festigkeit und gleichzeitig gewisser Elastizität. Ziel ist ein Scharnier, das sich leichtgängig anfühlt, nicht wackelt, keinen Spielraum bekommt und auch nach Jahren intensiver Nutzung seine Form hält – idealerweise mit positiver Wirkung auf die Tiefe und Sichtbarkeit der Displayfalte.
Laut Leaks hat Apple intern enorme Entwicklungsarbeit investiert und dabei nicht nur die Funktion, sondern auch die Kosten optimiert. Der Stückpreis des Scharniers soll inzwischen bei etwa 70 bis 80 US-Dollar liegen – bemerkenswert viel für ein einzelnes Bauteil im Bill of Materials. Das erklärt, warum Apple bei der Freigabe für eine echte Hochvolumen-Produktion extrem vorsichtig sein dürfte: Ein konstruktiver Fehler würde nicht nur finanziell weh tun, sondern das Image des allerersten Falt-iPhones dauerhaft beschädigen.
Hinzu kommt das Thema Akku, das bei Foldables generell heikel ist. In den aktuellen Prototypen des iPhone Fold sollen Kapazitäten im Bereich von etwa 5.400 bis 5.800 mAh getestet werden. Für Apple-Verhältnisse sind das hohe Werte, aber sinnvoll: Zwei große OLED-Displays und ein leistungsstarker Chip fordern ihren Tribut, zudem entsteht durch komplexe Mechanik und mehr Bauteile zusätzlicher Platzbedarf im Gehäuse. Faltgeräte sind aber besonders anfällig für mechanische Belastungen, die klassische Smartphones kaum kennen – Verdrehungen des Rahmens, punktueller Druck im Bereich der Falz, Mikrobewegungen im Inneren, wenn Nutzer das Gerät häufig öffnen, schließen oder in engen Hosentaschen tragen.
Apple gilt traditionell als übervorsichtig, wenn es um Batteriesicherheit geht, und bei einem völlig neuen Formfaktor wie dem iPhone Fold dürfte sich diese Vorsicht eher noch verstärken. In einem Gehäuse voller beweglicher Teile, Führungsschienen, Flexkabel und Gelenke kann schon ein kleiner Fertigungstoleranzfehler dazu führen, dass eine Zellkante dauerhaft unter Druck steht. Im Extremfall drohen Schäden an der Hülle der Zelle – mit Risiken von Aufblähen bis hin zu Kurzschluss und Brand. Solche Szenarien sind selten, aber keineswegs theoretisch.
Ein eindrückliches Negativbeispiel ist das Pixel 10 Pro Fold von Google, das beim bekannten YouTube-Kanal JerryRigEverything im Härtetest spektakulär scheiterte. Unter extremer Biegebelastung gab nicht nur das Gehäuse nach, sondern die Batterie reagierte mit einem dramatischen Feuerball. Genau solche Bilder möchte Apple unbedingt vermeiden. Würde das erste Falt-iPhone ähnlich viral in Flammen aufgehen, wäre die Erzählung von der „perfekten Apple-Umsetzung“ eines Foldables schlagartig zerstört.
Im größeren Kontext wirkt Apples zurückhaltende Strategie logisch. Faltbare Smartphones haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, kämpfen aber weiterhin mit klar sichtbaren Kompromissen: dickere Gehäuse, empfindliche Konstruktionen, Falten in der Mitte, teure Reparaturen und sehr hohe Verkaufspreise. Apple ist selten der erste Anbieter in einer neuen Kategorie, sondern wagt meist dann den Schritt, wenn sich ausgereiftere Technologien abzeichnen und die größten Kinderkrankheiten greifbar lösbar erscheinen.
Für das iPhone Fold bedeutet das konkret: Apple wird wohl erst dann auf den Startknopf drücken, wenn sich drei Punkte gleichzeitig abhaken lassen – ein Display mit möglichst unauffälliger Falte, ein Scharnier, das sich robust und hochwertig anfühlt, und ein Batteriesystem, das selbst nach tausenden Faltvorgängen keine Sicherheitsfragezeichen hinterlässt. Erst wenn diese Kombination steht, wird das Unternehmen bereit sein, das Risiko eines völlig neuen iPhone-Formfaktors einzugehen.
Unterm Strich zeichnet sich aktuell ein Bild ab, in dem das Display und dessen Montageprozess auf der Zielgeraden sind, während Scharnier und Akku noch in der heißen Phase der Optimierung stecken. Die Gerüchtelage bleibt im Bereich „plausibel“, nicht „sicher“. Doch die Richtung scheint klar: Apple arbeitet Schritt für Schritt an einem Falt-iPhone, das nicht nur im Trend schwimmt, sondern mit Zuverlässigkeit, Verarbeitungsqualität und Sicherheit punkten soll. Die wirklich spannenden Leaks der nächsten Monate werden jene sein, die erstmals von einem finalen Scharnierdesign und von ausgewählten Akku-Zulieferern berichten – dann rückt der Marktstart des iPhone Fold endgültig in greifbare Nähe.
1 kommentar
Wenn das Ding so abbrennt wie das Pixel im JerryRigEverything-Video, ist das Internet für Wochen versorgt 😂