Das neueste Gesprächsthema rund um Apple ist ausnahmsweise kein iPhone, kein Mac und auch keine AirPods – sondern ein Stück Stoff mit Logo. Das iPhone Pocket, ein limitiertes Accessoire, das in Zusammenarbeit zwischen Apples Design Team und dem japanischen Modehaus ISSEY MIYAKE entstanden ist, hat einen klassischen Apple-Start hingelegt: kurz angekündigt, leise in den Verkauf gegangen – und dann in Windeseile ausverkauft. In den USA sind sowohl die Online- als auch die Retail-Stores leergefegt, und auch in anderen Märkten, in denen das Produkt erhältlich ist, werden die Bestände bereits knapp. 
Für etwas, das im Kern ein sehr stylischer Handysleeve ist, ist das ein erstaunlicher Hype – aber eben sehr typisch Apple.
Optisch und konzeptionell trägt das iPhone Pocket klar die Handschrift von ISSEY MIYAKE: plissierte Strukturen, klare Linien, ein Fokus auf Stoff und Form statt auf Schnickschnack. Apple beschreibt das Ganze nicht einfach als Hülle, sondern als neue Art, das iPhone zu tragen. Der Sleeve besteht aus einem gerippten Mesh-Gewebe, das sich dehnt und das iPhone eng umschließt, gleichzeitig aber Platz für ein paar Extras lässt – etwa Karten, Schlüssel oder In-Ear-Kopfhörer. Wird das Material gespannt, gibt die offene Struktur den Blick auf das Innere frei, sodass man dezent auf das Display linsen kann, ohne das Gerät komplett herausziehen zu müssen.
Die Idee dahinter passt perfekt zur gemeinsamen Philosophie der beiden Marken: Etwas Alltägliches wie „ein zusätzlicher Tasche“ wird zu einem minimalistischen Designobjekt hochstilisiert. Apple spricht von einem verspielten, vielseitigen Accessoire, das das iPhone näher an den Körper bringt, während ISSEY MIYAKEs Einfluss in der skulpturalen Oberfläche und im Faltenfall sichtbar wird – der Sleeve fällt nahezu flach zusammen, wenn er leer ist. Es ist ganz bewusst kein generischer Crossbody-Beutel für alle Smartphones, sondern ein gezielt positioniertes iPhone-Accessoire, das irgendwo zwischen Tech-Gadget und Modeobjekt sitzt.
Hinter dem Design-Marketing steckt trotzdem harte Technik. Das iPhone Pocket besteht aus 85 % Polyester, 14 % Nylon und 1 % Polyurethan. Die Mischung soll dafür sorgen, dass der Stoff elastisch bleibt, sich nicht ausleiert und trotzdem robust genug für den Alltag ist. Angeboten wird das Accessoire in zwei Varianten mit unterschiedlicher Tragehöhe:
- iPhone Pocket mit kurzer Trageschlaufe – 149,95 US-Dollar
Farben: Lemon, Mandarin, Purple, Pink, Peacock, Sapphire, Cinnamon, Black
Maße: Höhe 0,4 Zoll (1 cm), Länge 15,8 Zoll (40 cm), Breite 2,5 Zoll (6,3 cm) - iPhone Pocket mit langer Trageschlaufe – 229,95 US-Dollar
Farben: Sapphire, Cinnamon, Black
Maße: Höhe 0,4 Zoll (1 cm), Länge 31,5 Zoll (80 cm), Breite 2,5 Zoll (6,3 cm)
Die Preise sorgen erwartungsgemäß für Kopfschütteln – und für Memes. In sozialen Netzwerken wird das iPhone Pocket bereits mit einer abgeschnittenen Socke verglichen, die jemand mit einer Schnur versehen hat. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Vergleich nicht: Die gerippte Rohrform sieht tatsächlich nach „Designer-Strumpf“ aus. Dennoch war das Produkt schneller weg, als viele es belächeln konnten. Die Mischung aus Apple-Logo, ISSEY-MIYAKE-Credibility, begrenzter Stückzahl und dem Gefühl, Teil eines „Drops“ zu sein, reicht offensichtlich, um viele Menschen über den Preis hinwegsehen zu lassen.
Noch klarer wird das, wenn man sich die Verfügbarkeit anschaut. Apple behandelt das iPhone Pocket wie ein Mode-Capsule, nicht wie ein Massenprodukt. Der Verkauf findet nur in ausgewählten Flagship-Stores statt – und eben im US-Online-Store. Auf der physischen Store-Liste stehen ausschließlich prominente Adressen in Metropolen:
- Apple Canton Road, Hongkong
- Apple Ginza, Tokio
- Apple Jing’an, Shanghai
- Apple Marché Saint-Germain, Paris
- Apple Myeongdong, Seoul
- Apple Orchard Road, Singapur
- Apple Piazza Liberty, Mailand
- Apple Regent Street, London
- Apple SoHo, New York City
- Apple Xinyi A13, Taipeh
Damit sendet Apple eine klare Botschaft: Das iPhone Pocket ist eher Fashion-Piece als Tech-Zubehör. Es richtet sich an Menschen, die ihr Smartphone als Teil ihres Outfits begreifen und bewusst zeigen wollen, statt es in einer anonymen Hülle verschwinden zu lassen.
Parallel dazu gibt es aber auch eine bodenständige Diskussion, vor allem in Großstädten: Wie sicher ist es, ein teures iPhone sichtbar am Körper baumeln zu lassen? Gerade die lange Variante, die quer über den Oberkörper oder um den Hals getragen wird, sorgt bei vielen für Stirnrunzeln. Das Worst-Case-Szenario ist schnell skizziert: Ein Dieb rennt vorbei, reißt am Strap, schnappt sich das iPhone – im Zweifel samt unsanftem Ruck am Träger oder der Trägerin. Dass ein Mode-Accessoire diese Art von Sicherheitsdebatte auslöst, zeigt ziemlich gut, wie weit die Realität auf der Straße von Hochglanzfotos entfernt ist.
Andere wiederum zucken mit den Schultern und sehen das iPhone Pocket als logische Fortsetzung eines Trends, der längst da ist. Smartphone-Slings, kleine Crossbody-Bags und Phone-Pouches sind seit Jahren Teil des Stadtbildes – von Streetwear-Brands bis hin zu Luxuslabels. Viele haben schlicht keine Lust, ständig Taschen mitzuschleppen, nur um ihr Handy irgendwo zu verstauen. Apple springt also weniger auf einen neuen Zug auf, sondern liefert seine eigene, streng kuratierte Version: klar, reduziert, mit modischem Partner und natürlich mit dem typischen Gefühl von Exklusivität.
Offen bleibt die Frage, ob Apple das iPhone Pocket als einmalige Design-Spielerei betrachtet oder ob hier gerade ein neues Produktsegment getestet wird. Offiziell ist die Kollektion limitiert, doch Apple ist bekannt dafür, erfolgreiche Experimente später in anderer Form wieder aufzugreifen. Sollte die Nachfrage ähnlich hoch bleiben und sollten die Preise auf dem Zweitmarkt anziehen, wäre es kaum überraschend, in Zukunft weitere Farben, Varianten oder neue Kooperationen in genau diesem Stil zu sehen.
Unterm Strich ist das iPhone Pocket ein ziemlich präziser Schnappschuss der Apple-Gegenwart: Eine Firma, die aus der simplen Idee eines zusätzlichen Handyfachs ein teures, stark gebrandetes Designobjekt macht, das gleichzeitig ausgelacht, begehrt, kritisiert und ausverkauft ist. Ob man darin genialen Markenbau oder blanke Übertreibung sieht, bleibt Geschmackssache – aber ignorieren kann man es kaum.
2 kommentare
optisch feier ich es irgendwie, wirkt mehr wie etwas aus einer Modenschau als aus einem Technikregal, so hässlich-schön, dass es wieder cool ist lol
klar ist der Preis verrückt, aber im Vergleich zu Designer-Mini-Bags ist das leider fast normaler Fashion-Wahnsinn 🤷♂️