Jony Ive steht mit seinem ersten großen Post-Apple-Projekt offenbar vor ernsthaften Problemen. Der legendäre Designer, der das Erscheinungsbild des iPhones und vieler anderer Apple-Produkte prägte, arbeitet gemeinsam mit OpenAI an einem neuen, bildschirmfreien KI-Gerät. 
Doch laut mehreren Berichten scheint das ambitionierte Vorhaben ins Stocken geraten zu sein – und die Markteinführung könnte sich bis 2026 verzögern.
Technische Hürden und kreative Konflikte
Insider berichten, dass das Designteam von Ive bereits ein fertiges Konzept für das Gerät entworfen hat – minimalistisch, elegant und handlich, ganz im Stil des Designers. Doch auf der Softwareseite läuft längst nicht alles rund. Das OpenAI-Team kämpft mit grundlegenden Fragen: Wie soll sich der digitale Assistent verhalten? Wie bewahrt man die Privatsphäre der Nutzer bei einem Gerät, das ständig zuhört? Und wie lässt sich die enorme Rechenleistung finanzieren, die nötig ist, um die KI-Modelle reibungslos zu betreiben?
Entwickler versuchen, dem Gerät eine Art Persönlichkeit zu geben, ohne dass es aufdringlich wirkt. Es soll sprechen, wenn es sinnvoll ist, und schweigen, wenn nicht – ein Balanceakt, den schon viele Sprachassistenten nicht gemeistert haben. „Das ist ein feiner Grat zwischen nützlich und nervig“, so eine Quelle aus dem Umfeld des Projekts.
OpenAI gibt sich gelassen – vorerst
Offiziell spielt OpenAI die Probleme herunter. Man befinde sich noch in einer frühen Entwicklungsphase, und solche Schwierigkeiten seien ganz normal, wenn man Neuland betrete. Trotzdem scheint der Umfang der Herausforderungen größer als erwartet, und der ursprünglich geplante Launch-Zeitpunkt rückt in weite Ferne.
Ein Gerät ohne Bildschirm – aber mit Vision
Das neue Produkt soll ungefähr die Größe eines Smartphones haben und mit Mikrofonen, Lautsprechern und mehreren Kameras ausgestattet sein. Es soll auf dem Schreibtisch stehen oder in der Hand getragen werden können – immer bereit, auf Stimmen und Bewegungen zu reagieren und aus der Umgebung zu lernen. Die Idee: ein persönlicher KI-Begleiter, der den Nutzer versteht, ohne dass man ständig auf einen Bildschirm starren muss. Doch genau das wirft Datenschutzfragen auf – schließlich würde ein solches Gerät permanent Daten sammeln und analysieren.
Erinnerungen an gescheiterte Projekte
Der Markt für KI-Gadgets ist hart. Projekte wie das Humane AI Pin, an dem Sam Altman ebenfalls beteiligt war, sind trotz großem Hype gescheitert. Auch das Rabbit R1, ein günstiger KI-Assistent für 199 Dollar, konnte die Erwartungen nicht erfüllen: zu schwach, zu eingeschränkt, zu wenig Nachfrage. Diese Fehlschläge zeigen, dass ein schöner Look allein nicht reicht, um die Nutzer zu überzeugen. Offenbar möchte OpenAI daher lieber gründlich vorgehen, anstatt einen weiteren Flop zu riskieren.
Ein milliardenschweres Wagnis
Im Mai hatte OpenAI Ives Designfirma „io“ für 6,5 Milliarden Dollar übernommen – ein Signal, wie ernst man das Projekt nimmt. Das Ziel: ein neues Kapitel in der Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Keine Bildschirme, keine Ablenkung – nur natürliche Interaktion. Doch die Frage bleibt: Wollen Menschen wirklich auf ihre Displays verzichten?
Die Gewohnheit ist mächtig
Wir scrollen, tippen, streamen – Bildschirme sind längst zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Ein Gerät ohne Display könnte vielen schlicht zu abstrakt erscheinen. Trotzdem: Wenn jemand die Macht hat, die Tech-Welt erneut zu überraschen, dann Jony Ive. Er hat schon einmal bewiesen, dass Design und Emotionen ein Produkt unsterblich machen können. Ob ihm das in der Ära der künstlichen Intelligenz gelingt, bleibt abzuwarten.