Justin Bieber hat sich einen neuen Gegner ausgesucht – und diesmal ist es nicht irgendein Rapper, sondern Apple. Genauer gesagt: die Nachrichten-App auf dem iPhone. Der Sänger hat sich öffentlich darüber ausgelassen, dass ihn ein winziges Detail im Interface regelmäßig zur Weißglut treibt: Die Senden-Taste und das Mikrofon-Symbol sitzen an derselben Stelle. 
Halb im Spaß, halb im Ernst scherzte er, er würde das ganze Apple-Team in einen “Rear Naked Choke” nehmen, wenn sich an diesem Design nichts ändert. Hinter der punchline steckt aber ein echtes UX-Problem, das viele iPhone-Nutzer kennen, aber selten so klar benennen.
Wer die App schon tausendmal benutzt hat, achtet kaum noch darauf, was da passiert: Unten rechts ist im Standardzustand das Mikrofon zu sehen. Sobald man anfängt zu tippen, verwandelt sich dieses Icon in einen blauen Pfeil zum Versenden der Nachricht. Kaum ist die Nachricht raus, springt die Fläche wieder zurück auf das Mikrofon. Tippt man aus Gewohnheit noch einmal an die gleiche Stelle, startet statt einer weiteren Textnachricht plötzlich eine Sprachnachricht – inklusive lautem Piepton. Für jemanden wie Bieber, der offenbar permanent Musik im Hintergrund laufen hat, ist dieses kurze “Biep” plus das Absenken oder Pausieren des Songs ein sicherer Trigger für schlechte Laune.
Aus Sicht von UX-Profis ist das ein ziemlich klassisches Negativbeispiel. Ein und derselbe Touchpunkt übernimmt in Sekundenbruchteilen zwei komplett unterschiedliche Rollen: Erst schickt er sorgfältig getippte Texte ab, danach schaltet er das Mikro ein und nimmt alles um einen herum auf. Gute Interfaces versuchen genau solche Mehrfachbelegungen zu vermeiden, vor allem dort, wo Nutzer stark auf Muskelgedächtnis angewiesen sind. Wer unterwegs schreibt, mit einer Hand das Handy hält oder nebenbei Gespräche führt, schaut nicht jedes Mal bewusst auf das Icon, sondern tippt dorthin, wo der Button “immer” ist. Und genau an dieser Stelle spielt die App im falschen Moment Modus-Karussell.
Kritiker sehen darin keinen Einzelfall, sondern Teil einer größeren Entwicklung bei Apple. In den letzten iOS-Versionen hat das Unternehmen stark auf schicke Effekte, Glas-Optik und animierte Oberflächen gesetzt – das, was manche als “Liquid Glass”-Look feiern. Auf Keynotes und Werbefotos wirkt das beeindruckend: weich, modern, luxuriös. Im Alltag aber kann dieser Fokus auf Optik dazu führen, dass Klarheit und Vorhersagbarkeit leiden. Das Verhalten der Mikrofon-/Senden-Taste passt perfekt in dieses Bild: clever gedacht, visuell reduziert, aber in der Praxis anfällig für Fehleingaben und Frust.
In den sozialen Netzwerken entstand sofort die übliche Lagerbildung. Auf der einen Seite Apple-Fans, die Bieber auslachen und meinen, das eigentliche Problem sei sein Daumen, nicht das Design. “Skill-Issue, kein UX-Issue”, schreiben einige und behaupten, man müsse einfach lernen, vernünftig zu tippen. Auf der anderen Seite Nutzer, die die Gelegenheit nutzen, um Apple einen mitzugeben: “Stell dir vor, es ist 2025 und du nimmst sowas immer noch kommentarlos hin, nur weil ein Apfel hinten drauf klebt.” Zwischen den Extremen steckt die Realität: Millionen kommen mit dem Layout klar, aber viele ärgern sich leise über genau diese Art kleiner Stolperfallen – sie twittern nur nicht darüber.
Dass ausgerechnet ein Popstar wie Justin Bieber zum unfreiwilligen UX-Kritiker wird, ist einerseits unterhaltsam, andererseits ziemlich bezeichnend. Sein Rant erinnert daran, wie sensibel die Nutzungserfahrung moderner Smartphones geworden ist. Es sind oft nicht die großen Features, die den Alltag prägen, sondern Details wie ein einziger Button, der im falschen Moment die Rolle wechselt. Ob Apple die Kritik ernst nimmt oder milde darüber lächelt, bleibt abzuwarten. Die Botschaft ist aber klar: Ein Interface, das gleichzeitig deine Gedanken verschickt und dein Mikrofon aktiviert, je nach Timing deines Fingers, ist vielleicht doch ein bisschen zu “smart”. Und wenn selbst Promis das laut aussprechen, wird es für Hersteller schwieriger, solche Designentscheidungen als reine Gewohnheitssache abzutun.