
Keanu Reeves könnte Night City noch einmal aufmischen – wenn er einfach zum Hörer greift
Der Nachfolger von Cyberpunk 2077 trägt intern den Codenamen Project Orion und steckt noch tief in der Vorproduktion. Konkrete Daten gibt es keine, nur ein Stimmungsbild: ein „Chicago, das aus dem Ruder lief“ – eine Metropole, in der Politik, Konzerne und KI die Stadtfugen sprengen. Und doch dominiert eine einzige Fanfrage die Diskussionen seit Monaten: Kehrt Keanu Reeves als Johnny Silverhand zurück?
Auf einem Jubiläums-Livestream zur Reihe lieferte Mike Pondsmith, der Schöpfer der Pen-&-Paper-Vorlage, eine Steilvorlage. Er erinnerte daran, dass Reeves bereits gesagt habe, er würde „absolut“ wieder einsteigen – und ergänzte mit einem Grinsen:
„Neulich las ich, dass Keanu einen Weg finden möchte, von den Toten zurückzukehren und Johnny erneut zu spielen. Ich kenne ein paar Möglichkeiten, Keanu. Ruf mich an.“
Der Satz zündete, weil Johnny im Kanon von Cyberpunk 2077 eben nicht klassisch „lebt“. Er ist eine Engramm – eine digitalisierte Persönlichkeit – gebunden an das Relic in V’s Schädel. Dieses Konstrukt machte ihn zum Gewissen, Störenfried und gelegentlichen Entführer der Spielerentscheidungen. In einer Welt voller Soulkiller-Experimente, Konzernschwarzlaboren und verbotener Netzzonen ist „zurückholen“ kein Wunder, sondern ein technisches wie erzählerisches Rätsel mit vielen Lösungen: verlorene Backups, divergierende Gedächtnis-Forks, Braindance-Archive, Echoes hinter der Blackwall oder präzise gesetzte Rückblenden, die Samurai-Geschichte und den Arasaka-Konflikt neu rahmen.
Pondsmith hat Ideen – aber nicht das letzte Wort
Wichtiger Kontext: Pondsmith ist beim Sequel nicht so tief eingebunden wie beim ersten Spiel. Er kann Drehungen vorschlagen, und wenn jemand weiß, wie man einen Rock-Rebellen glaubhaft reanimiert, dann er. Doch die kreative Steuerung liegt bei CD Projekt RED. Das Studio könnte eine Richtung einschlagen, in der Johnny keine tragende Rolle spielt – zumal die unterschiedlichen Enden von 2077 seinen Status je nach Spielstand stark variieren lassen. Ein Comeback müsste deshalb entweder eine behutsame „Soft-Canon“ definieren oder eine Struktur wählen, die mehrere gültige Einstiege respektiert.
Vier plausible Wege für ein Silverhand-Comeback
- Rückblenden mit Mehrwert: Keine Deko-Clips, sondern Szenen, die Schlüsselereignisse umdeuten, neue Motive setzen und die Brücke zum „Chicago-Setting“ schlagen.
- Fragmentiertes Engramm: Ein unvollständiger Johnny taucht als illegaler Shard auf – lückenhaft, temperamentvoll, getrieben. Perfekt für Charakterarbeit statt Cameo.
- Braindance-Ermittlungen: Kuratierte Erinnerungssequenzen, die Fixer, Reporter oder Staatsleute anzapfen, um eine frische Verschwörung zu entwirren.
- Blackwall-Phänomene: Wenn Orion die KI-Horrorlinie betont, könnte Johnnys Stimme aus der verbotenen Zone durchsickern – unheimlich, aber storykritisch.
Jede Variante ließe Reeves mehr tun, als nur kurz aufzublitzen. Sie gäbe dem Charakter Gewicht, ohne die Spieleragentur zu verraten, und würde zugleich die Narben von Night City sichtbar halten.
Warum seine Rückkehr mehr wäre als Nostalgie
Reeves’ Performance prägte die Wahrnehmung von Cyberpunk 2077 weit über Marketing-Memes hinaus. Sie gab der Geschichte Rhythmus und Kante – und half, nach den großen Reparaturen und der hochgelobten Erweiterung Phantom Liberty, den Ton neu zu finden. Eine kluge Rückkehr im Sequel würde ein Signal senden: Project Orion denkt nicht nur in Setpieces und Renderbudget, sondern in Stimmen, Konflikten und Konsequenzen.
Realitätscheck
Wir stehen am Anfang; Jahre liegen vor uns. Pondsmith hat die Tür mit einem Augenzwinkern aufgestoßen: „Keanu, ruf mich an.“ Ob CD Projekt RED diese Einladung annimmt, bleibt offen. Garantien gibt es keine. Aber es ist leicht, eine Fortsetzung zu skizzieren, in der Johnnys Ton – schneidend, sarkastisch und überraschend hoffnungsvoll – eine neue Frequenz findet in einer Stadt, die Legenden zerkaut und Mythen ausspuckt.