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Kill Bill in seiner endgültigen Form: 4 Stunden ohne Kompromisse

von ytools
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Rache ohne Pause: Quentin Tarantinos Epos kehrt so zurück, wie es der Regisseur immer wollte – als ein einziger Atemzug. Kill Bill: The Whole Bloody Affair vereint Vol.
Kill Bill in seiner endgültigen Form: 4 Stunden ohne Kompromisse
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und Vol. 2 zu einer durchgehenden, unrated und ungekürzten Fassung, flankiert von einem neuen Trailer, einem auffälligen Poster und einem landesweiten Kinostart. Statt zweier Kapitel gibt es nun den großen Bogen von Beatrix Kiddos Weg – von der ersten Narbe bis zur letzten Verneigung.

Neu ist nicht nur die Anordnung. Die Schnittfassung enthält zusätzliches Material, darunter eine völlig frische Anime-Sequenz, die das Figurenprofil schärft und die Legende der Bride weiter aufspannt. Die ikonische Crazy-88-Schlacht, einst teilweise in Schwarzweiß gezeigt, um der Zensur zu trotzen, erscheint jetzt in Farbe. Das verändert die Wahrnehmung spürbar: Blut, Raumgefühl, Treffer und Tempo lesen sich anders, direkter, körperlicher – weniger stilisierte Distanz, mehr opernhafte Wucht.

Auch das Erlebnis Kino wird neu aufgesetzt. Mit 281 Minuten Laufzeit und einer offiziellen 15-minütigen Pause ist dies die längste Arbeit in Tarantinos Filmografie. Der Intervall ist praktisch (Wasser, Toilette, kurzer Flur-Diskurs), aber auch ein Statement: Kino als Ereignis. In der durchgehenden Dramaturgie hallen frühe Setups unmittelbar in späteren Passagen nach; visuelle und akustische Motive – der Hattori-Hanzo-Stahl, Sirenengesänge, das gelbe Signum – verweben sich ohne monatelange Lücke dazwischen.

Insider wissen: Diese Fassung lief bereits sporadisch in Tarantinos beiden heiligen Hallen in Los Angeles, dem New Beverly und dem Vista. Doch erst jetzt verlässt sie die Stadtkante und wird landesweit erlebbar. Damit verschiebt sich auch die Diskussion. Statt „Welcher Teil ist besser?“ rückt die Frage in den Fokus, wie Trauer, Zorn, Mutterschaft und Ehrenkodex in einem Stück miteinander verzahnt sind – als Racheballade, Samurai-Western und Melodram in Personalunion.

Die Kampagne schneidet ebenso präzise. Das neue Poster taucht Uma Thurmans Bride in klinisches Weiß; die Klinge liegt ruhig an der Wange – ein Bild zwischen Ritual und Exekution. Der Trailer erlaubt sich einen augenzwinkernden Pop-Moment: einen Blitz-Auftritt des berühmten gelben Trucks der Bride, in einer altersfreundlichen Variante innerhalb von Fortnite. Seltsam? Eher folgerichtig. Repertoirekino und Mainstream-Gaming sprechen längst miteinander; die einen nennen es Entweihung, die anderen nennen es Brücke.

Genau diese Brücke macht klar, dass es kein Museumsstück ist. Der Rollout will Gespräche entfachen: über Stuntkunst und Choreografie, über Genre-Genealogien vom Shaw-Kino bis zum Spaghetti-Western, gefiltert durch Anime und amerikanischen Blues. Sammlerinnen und Sammler spitzen derweil die Ohren: Kommt eine definitive Heimkino-Edition? Falls 4K, dann bitte als neuer Scan vom Originalnegativ und nicht als 2K-Upscale. Ein Präzedenzfall existiert: Tarantinos Roadshow-Fassung von The Hateful Eight fand später als mehrteiliger Schnitt im Streaming ein zweites Leben.

Bis solche Antworten feststehen, bleiben die harten Fakten: Kinostart ist der 5. Dezember. Die Laufzeit: 281 Minuten inklusive Intermission. Die Fassung: unrated, ungezähmt, mit neuer Anime-Sequenz und farbiger Crazy-88. Wer sie im Saal erlebt, versteht, warum Kino ein Kollektivsport ist: das hörbare Einatmen vor einem Duell, das nervöse Lachen beim exakt dosierten Übermaß, die Stille, wenn Stahl über Seide singt. Auch wer jeden Needle-Drop auswendig kennt, wird Nuancen neu hören und sehen.

Ob Erstkontakt, LA-Veteran oder Meme-Tourist: Diese Veröffentlichung fühlt sich weniger wie ein Re-Release an und mehr wie die endgültige Gestalt. Sie stellt Intention und Rhythmus wieder her und erinnert daran, dass Form Teil des Inhalts ist. Der Pfad der Bride führte immer hierhin. Jetzt lässt er sich in einem Zug gehen – ohne wegzuschauen.

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