Die nächste RAM Generation für Smartphones, LPDDR6, rückt näher – aber alles deutet darauf hin, dass sie vorerst ein Luxusgut bleibt. 
Was viele Fans als logischen Nachfolger von LPDDR5X in Oberklasse und gehobenem Mittelklasse Segment erwartet hatten, könnte 2026 nur in einer Handvoll Ultra Flagships landen: in Geräten mit Snapdragon 8 Elite Gen 6, einem möglichen Snapdragon 8 Elite Gen 6 Pro und dem Dimensity 9600 von MediaTek.
Aus der Gerüchteküche heißt es, dass gleich zwei Kostenfaktoren die Pläne der Hersteller ausbremsen. Zum einen explodieren die Preise für moderne DRAM Bausteine, zum anderen werden die neuen 2 nm Wafer von TSMC zu einem der teuersten Bestandteile im gesamten Smartphone. Mehrere Beobachter aus der Lieferkette stufen das Szenario als gut denkbar ein: Die technischen Daten sprechen klar für LPDDR6 an der Spitze, aber die wirtschaftliche Realität zwingt Qualcomm, MediaTek und ihre Partner zu sehr vorsichtigem Einsatz.
Besonders ins Auge fällt dabei der 2 nm Wechsel. Brancheninsider gehen davon aus, dass eine einzelne 2 nm Wafer Scheibe bei TSMC rund 30 000 US Dollar kosten könnte. Für Chipentwickler wie Qualcomm und MediaTek bedeutet das, dass jede neue High End Plattform auf einem deutlich teureren Fundament aufbaut als noch vor wenigen Jahren. Packt man dann noch LPDDR6 oben drauf, das als brandneuer Standard traditionell mit Aufschlag verkauft wird, schrumpft die Marge oder der Endpreis klettert deutlich nach oben.
Der bekannte chinesische Leaker Digital Chat Station berichtet, dass deshalb nur echte Pro Level Chips im ersten Schritt auf LPDDR6 setzen sollen. Bei Qualcomm wären das der reguläre Snapdragon 8 Elite Gen 6 und eine aufgebohrte Pro Variante, die sich unter anderem durch höhere Speicher Taktraten, Unterstützung der schnellsten LPDDR6 Module und einen stärkeren Grafikblock vom Basismodell absetzen soll. MediaTeks Dimensity 9600 soll in einer ähnlichen Liga spielen, damit die Marke in Benchmarks und Marketingfolien nicht hinterherhinkt.
Parallel dazu bereiten sich mehrere chinesische Speicherhersteller angeblich darauf vor, LPDDR6 in größerem Maßstab zu fertigen. Theoretisch könnte das schon mittelfristig für mehr Wettbewerb und sinkende Preise sorgen. In der Praxis verläuft der Start einer neuen DRAM Generation aber selten reibungslos: Anfangs sind Ausbeute und Volumen begrenzt, die Produktionskosten hoch, und Großkunden sichern sich Kapazitäten über langfristige Verträge. Für Smartphone Marken, die ganz früh auf LPDDR6 setzen wollen, dürfte das keine Schnäppchenpreise bedeuten.
Für den Markt zeichnet sich damit ein ziemlich klares Bild ab. Ganz oben thronen einige wenige Superflagships mit 2 nm Chipsatz, LPDDR6, massiver KI Rechenpower und entsprechendem Preisschild. Darunter tummelt sich die breite Masse an Premium Geräten und oberen Mittelklasse Smartphones, die weiterhin auf LPDDR5X setzen. Im Alltag wird ein sauber optimierter LPDDR5X Verbund für viele Nutzer vollkommen ausreichen. Spürbare Vorteile von LPDDR6 dürfte man eher in extremen Szenarien sehen, etwa bei intensiver Videobearbeitung, aufwendigen 3D Games oder paralleler Nutzung vieler KI Funktionen.
Hinzu kommt die Frage nach dem Fertigungsprozess. Gerüchten zufolge wollen Qualcomm und MediaTek auf TSMCs verbesserten N2P Knoten setzen, während Apple bei N2 für seine A20 und A20 Pro Chips bleiben soll. Der Leistungsunterschied soll nur bei ungefähr fünf Prozent liegen, aber im High End Segment reichen solche Prozentwerte oft aus, um sie groß auf Präsentationsfolien zu schreiben. Diese zusätzliche Leistung gibt es jedoch nicht umsonst, sie schlägt sich erneut in höheren Stückkosten nieder und verstärkt den Preisdruck auf die Endgeräte.
Für Smartphone Hersteller ergibt sich daraus eine unangenehme Rechnung. Entweder sie akzeptieren geringere Gewinne pro verkauftem Gerät, oder sie erhöhen die Preise und riskieren, dass Käufer die Lust auf jährliche Flaggschiff Upgrades verlieren. An anderen Bauteilen radikal zu sparen ist kaum möglich: Kamera, Display, Akku und Verarbeitung sind genau die Bereiche, über die sich ein Premium Smartphone verkauft. Wer hier deutlich kürzt, verliert schnell seine Position in der Oberklasse.
Am Ende zahlt also in irgendeiner Form der Kunde. Entweder wird das nächste Topmodell noch teurer, oder die Generationenzyklen werden länger, weil Hersteller nur alle paar Jahre ein wirklich neues Paket aus Prozess, RAM und Features schnüren. Für viele Nutzer dürfte das bedeuten, dass sie länger bei ihrem aktuellen Gerät bleiben oder sich eher zu einem etwas günstigeren Oberklasse Modell ohne LPDDR6 hingezogen fühlen.
Die gute Nachricht: Langfristig normalisieren sich Speicherpreise erfahrungsgemäß wieder. Viele Analysten rechnen damit, dass sich der LPDDR6 Markt ab etwa 2027 einpendelt. Dann könnten eine mögliche Snapdragon 8 Elite Gen 7 Familie und Dimensity 9700 Serien LPDDR6 auch in preislich moderateren Geräten etablieren. Mit reiferen Fertigungsprozessen, besseren Ausbeuten und mehr Anbietern sinken die Kosten, und die neue RAM Generation kann den Schritt vom Luxus Feature zum Standard gehen.
Bis dahin sieht es jedoch ganz so aus, als würde LPDDR6 vor allem als technisches Aushängeschild für ein paar sehr teure Smartphones dienen. Die Gerüchte sind zwar nicht offiziell bestätigt, passen aber erstaunlich gut zu den technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wer also auf ein erschwingliches Handy mit LPDDR6 in naher Zukunft gehofft hat, sollte seine Erwartungen etwas dämpfen – oder noch ein, zwei Chipgenerationen abwarten, bis der Preissturm sich gelegt hat.