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Mac Studio wird im M5-Ultra-Zeitalter zum echten Mac-Pro-Nachfolger

von ytools
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Der klassische Mac Pro im großen Aluminium-Tower wirkt in Apples aktueller Produktpalette immer mehr wie ein Fossil. Während der Tower noch auf dem M2 Ultra festhängt, hat der deutlich kleinere Mac Studio bereits den Schritt zum M3 Ultra gemacht – und laut gut vernetzten Insidern soll er als erstes Modell den kommenden M5 Ultra bekommen. Intern sehen viele bei Apple den Studio inzwischen als eigentlichen Nachfolger der Profi-Workstation.
Mac Studio wird im M5-Ultra-Zeitalter zum echten Mac-Pro-Nachfolger
Würde man diese Entwicklung auf einer Skala von 0 bis 100 bewerten, auf der 100 Prozent fast sichere Realität bedeutet, dann liegt das Szenario Mac Studio als neuer Mac Pro sehr weit oben: Die Roadmap passt, die Quellen sind glaubwürdig und die Strategie fügt sich nahtlos in Apples bisherigen Kurs ein.

Um zu verstehen, warum der Mac Pro Tower an Bedeutung verliert, muss man in die Intel-Zeit zurückspringen. Das riesige Gehäuse war nie nur Design-Spielerei, sondern hatte einen klaren Zweck: Platz für heiße Xeon-Prozessoren, massive Kühllösungen und ein aufwendiges Belüftungskonzept, das viel Abwärme leise abführen sollte. Im Inneren war der Mac Pro die Traum-Maschine vieler Profis: mehrere PCIe-Slots für RAID-Controller, Audio-Interfaces, Spezialkarten, potente AMD-GPUs und dazu frei bestückbare RAM-Bänke. Wer mehr Speicher brauchte, klappte einfach die Seite auf und steckte zusätzliche Module ein. Für Agenturen, Postproduction-Studios und 3D-Buden war der Intel-Mac-Pro eine Art Baukasten, der mit den Projekten mitwachsen konnte.

Mit dem Umstieg auf Apple Silicon hat sich dieses Konzept grundlegend verändert. In den M-Chips sitzen CPU, GPU und Speicher eng beieinander in einem gemeinsamen Paket, verbunden über extrem schnelle interne Schnittstellen. Die Architektur mit einheitlichem Arbeitsspeicher ist in puncto Bandbreite und Effizienz ein großer Fortschritt, nimmt dem Tower aber eine seiner größten Stärken: die Möglichkeit, RAM nachträglich zu erweitern. Auch das klassische Aufrüsten der Grafikkarte entfällt komplett, denn Apple setzt auf eigene GPU-Einheiten und lässt keine großen Desktop-Karten zu. Im aktuellen Apple-Silicon-Mac-Pro bleiben die vielen PCIe-Slots daher für vergleichsweise wenige Szenarien wirklich spannend – etwa für zusätzlichen Storage, Capture-Karten oder sehr spezielles Profi-Zubehör. Gleichzeitig liefert der deutlich kompaktere Mac Studio nahezu identische Rechenleistung und braucht dafür nur einen Bruchteil des Platzes.

Der Preis verschärft diese Schieflage zusätzlich. Der Mac Pro startet weiterhin um die 6.999 US-Dollar in der Basisausstattung, noch bevor man RAM, SSD oder Erweiterungskarten ernsthaft hochzieht. Wer eine Maschine für den harten Studioeinsatz zusammenstellt, landet schnell auf einem Niveau, bei dem man auf der PC-Seite bereits Workstations mit mehreren dedizierten GPUs bekommt. Nicht wenige Profis sagen offen, dass selbst ein Mac Pro mit einem künftigen M5 Ultra eher wie ein 4.999-Dollar-System wirkt – alles darüber fühlt sich nach Prestigeaufschlag an. Und weil sich keine ältere RTX 3090 aus dem Gaming-PC in den Mac Pro stecken lässt, ist der Tower für alle, die auf CUDA oder spezielle NVIDIA-Tools angewiesen sind, ohnehin keine Option mehr.

Vor diesem Hintergrund wirken die Berichte von Mark Gurman bei Bloomberg plausibel: Demnach hat Apple den Mac Pro intern weitgehend abgeschrieben und richtet seine Pro-Strategie um den Mac Studio herum aus. Das Ziel: ein kompakter Desktop, der die jeweils stärksten Ultra-Chips bekommt und als Standard-Plattform für kreative Profis dient. In den bisher bekannten Zeitplänen taucht der M5 Ultra explizit im Zusammenhang mit dem Studio auf, mit einem angepeilten Marktstart in der ersten Hälfte 2026. Auffällig ist dabei, wie wenig von einem echten Neustart für den Tower die Rede ist – je länger dieses Schweigen anhält, desto klarer wird, wohin die Reise geht.

Technisch kann sich Apple diesen Kurs leisten. Der M3 Ultra zeigt bereits, was in der Plattform steckt: In Workloads wie Videotranskodierung mit Handbrake kommt er laut bisherigen Messungen mit rund 55 Prozent weniger Energie aus als vergleichbare x86-Workstation-Prozessoren und hält trotzdem bei der Performance mit oder liegt sogar vorne. Genau diese Effizienz ermöglicht es, eine vollwertige Workstation in ein kleines, relativ unscheinbares Gehäuse wie den Mac Studio zu packen, ohne dass Lüfterlärm den Schnittplatz dominiert. Für Cutterinnen, 3D-Artists, Tonstudios oder Entwickler zählt in der Praxis häufig mehr, dass die Maschine schnell, zuverlässig und leise ist, als dass man jedes Bauteil beliebig austauschen kann.

Trotzdem verschwindet der Bedarf an einem Tower nicht völlig. Es gibt weiterhin eine kleine, aber sehr anspruchsvolle Zielgruppe, die viele PCIe-Lanes wirklich ausreizt: große Tonstudios mit mehreren DSP-Karten, Farbkorrektur-Suiten mit Spezial-I/O-Hardware oder Setups, bei denen riesige interne RAID-Verbünde bevorzugt werden. In solchen Fällen ist ein voluminöses Gehäuse kein Luxus, sondern Arbeitswerkzeug. Doch dieser Markt schrumpft, weil immer mehr Workflows auf Netzwerkspeicher, Cloud-Rendering und externe Thunderbolt- oder USB4-Lösungen setzen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird es für Apple damit schwieriger, eine komplett eigene Tower-Plattform nur für dieses Segment zu pflegen.

Der wahrscheinlichste Blick in die Zukunft: Der Mac Pro bleibt noch eine Weile im Programm, vielleicht mit einem letzten, eher stillen Update, und verschwindet dann nach und nach aus dem Fokus. Der Mac Studio hingegen dürfte de facto zum neuen Mac Pro werden – ein kleiner Block auf dem Schreibtisch, in dem enorme Konfigurationen mit einheitlichem Speicher, die jeweils stärkste Ultra-Generation und reichlich Leistungsreserven stecken. Sollte der M5 Ultra tatsächlich wie erwartet 2026 kommen, wirkt der 6.999-Dollar-Tower endgültig wie ein Fremdkörper in der Linie. Apple war noch nie sentimental, wenn es darum ging, alte Designs abzulösen, und alles deutet darauf hin, dass der Mac Pro bald in die Galerie der legendären, aber eingestellten Macs wandert.

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1 kommentar

Interlude December 16, 2025 - 4:35 pm

Der aktuelle Mac Pro wirkt wie ein sehr luxuriöses Gehäuse für SSDs und Capture-Karten. Nett für ein paar Spezialfälle, aber komplett overkill für den Rest

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