In der Szene des extremen Overclockings halten Weltrekorde selten lange – aber was sich zuletzt rund um DDR5 abgespielt hat, war selbst für diese Community außergewöhnlich. 
Innerhalb weniger Stunden haben sich zwei alte Bekannte, Saltycroissant und Sergmann, gegenseitig die Krone für den schnellsten DDR5-Speicher vom Kopf gerissen und Taktraten erreicht, die vor wenigen Jahren noch wie Marketing-Fantasie geklungen hätten.
Zur Einordnung: Die Geschwindigkeit von DDR5 wird in MT/s (Mega Transfers pro Sekunde) angegeben. Das beschreibt, wie viele Datenübertragungen der RAM pro Sekunde schafft. Übliche Gaming-Kits für normale Systeme arbeiten heute im Bereich von etwa 5200 bis 6400 MT/s – deutlich schneller als DDR4 und für Spiele vollkommen ausreichend. Extreme Overclocker spielen aber in einer anderen Liga: Sie nehmen ein einziges, besonders gutes Modul, schrauben das System auf das absolute Minimum herunter, klemmen einen Pot mit flüssigem Stickstoff darauf und jagen die Frequenz so weit nach oben, bis das System kurz vor dem Absturz steht.
Noch vor Kurzem schien die Messlatte klar gesetzt zu sein. Overclocker CENS hatte einen sehr starken Lauf mit DDR5 und einen Weltrekord von 13.322 MT/s aufgestellt. Dieser Wert lag bereits deutlich über den alten Bestmarken, und viele gingen davon aus, dass es erst einmal ruhiger wird, bevor jemand ernsthaft darüber hinauskommt.
Doch dann tauchte auf HWBot ein neues Ergebnis von Saltycroissant auf. Sein Setup: ein Corsair Vengeance DDR5 Modul mit 24 GB Kapazität, verbaut auf einem GIGABYTE Z890 AORUS Tachyon ICE – einer Platine, die sich quasi zum Standard für Speicherrekorde entwickelt hat. Reduziertes Layout, optimierte Leiterbahnen, ein BIOS voller versteckter Tweaks: Wer im Ranking weit oben stehen will, kommt um das Tachyon ICE kaum herum.
Unter flüssigem Stickstoff trieb Saltycroissant den Takt des Moduls auf 6703,9 MHz, was effektiv 13.407 MT/s entspricht. Damit übertraf er den CENS-Rekord um rund 85 MT/s – ein beachtlicher Sprung auf diesem Niveau. Besonders spannend: Die extrem scharfen Timings blieben mit CL68-127-127-127-2 unverändert, aber das Verhältnis von UCLK zu MCLK wurde auf 3:196 angehoben, damit der integrierte Speichercontroller die brachiale Frequenz überhaupt noch verkraftet.
Die Freude über den neuen Spitzenplatz währte allerdings nicht lange. Noch am selben Tag erschien auf HWBot ein weiterer Eintrag – diesmal von Sergmann, der seit Jahren zu den festen Größen im Memory-Ranking gehört. Seine Hardware-Basis wirkte vertraut: ebenfalls ein Corsair Vengeance DDR5 Modul und die gleiche GIGABYTE Z890 AORUS Tachyon ICE. Den Unterschied machte der Prozessor: Statt eines Core Ultra 7 265K, wie bei Saltycroissant, setzte Sergmann auf einen Intel Core Ultra 9 285K mit besonders starkem Speichercontroller.
Mit dieser Kombination, unzähligen Feintunings im BIOS und einer ordentlichen Portion LN2 gelang es ihm, den Takt noch weiter nach oben zu schieben. Das Ergebnis: 6765,2 MHz beziehungsweise unglaubliche 13.530 MT/s – ein neuer offizieller Weltrekord. Auf dem Papier wirkt der Abstand vielleicht klein, aber wer schon einmal versucht hat, einen Speicher knapp unter der Stabilitätsgrenze zu betreiben, weiß: Jede zusätzliche Zehnerstelle kostet Stunden an Feinarbeit.
Richtig beeindruckend ist, wie Sergmann zu diesem Wert gekommen ist. Statt das System nur mit einem „leichteren“ Controller-Verhältnis zu stabilisieren, konnte er die UCLK:MCLK-Relation sogar auf 3:192 absenken – und das bei höherem Takt als bei Saltycroissant. Normalerweise gilt: Je höher die Frequenz, desto defensiver muss man beim Verhältnis zwischen Speichercontroller und RAM vorgehen, um Abstürze zu verhindern. Hier passierte das genaue Gegenteil. Dass die Plattform trotzdem lief, zeigt, wie gut das Zusammenspiel aus CPU-IMC, Board-Layout, Spannungsversorgung und den verbauten DDR5-Chips abgestimmt war.
Von außen mag das alles nach einer Nerd-Spielerei für eine Handvoll Enthusiasten aussehen, die für einen einzigen CPU-Z-Screenshot ganze Nächte opfern. Tatsächlich hat dieser Wettlauf aber Auswirkungen weit über das Ranking hinaus. Jeder neue Rekord zwingt Speicherhersteller dazu, ihre ICs härter zu selektieren, Mainboard-Hersteller dazu, Signallaufzeiten und Layer-Design zu optimieren, und BIOS-Teams dazu, neue Optionen freizuschalten. Was heute auf einer offenen Testbench unter flüssigem Stickstoff ausprobiert wird, landet morgen in Form von stabilen XMP-/EXPO-Profilen und besser taktenden Massenkits im Handel.
Die Community reagiert entsprechend gemischt – und sehr internettypisch. Der eine schreibt, dass sein Gaming-PC mit DDR5 auf 5200 MT/s sowieso alle Spiele in 1080p souverän packt und er nie im Leben LN2 neben das Gehäuse stellen würde. Der nächste stichelt, wie bitter es sein muss, einen Weltrekord aufzustellen und ihn noch am selben Tag wieder zu verlieren. Dazwischen schwirren GIFs, Memes und Seitenhiebe auf „langsamen“ Mainstream, aber zwischen den Zeilen merkt man den Respekt für die Präzision und Geduld, die solche Runs erfordern.
Spannend ist vor allem, was diese Duelle für die Zukunft bedeuten. Die einst utopische Marke von 14.000 MT/s wirkt plötzlich nicht mehr wie ein Marketing-Slogan, sondern wie ein realistisches Zwischenziel. Saltycroissant und Sergmann haben gezeigt, dass DDR5 noch längst nicht am Limit angekommen ist. Wer am Ende als Erster die 14K knackt – einer der beiden oder ein neuer Herausforderer – bleibt offen. Sicher ist nur: Die Jagd nach immer höheren Takten geht weiter, und DDR5 legt den nächsten Gang ein.