Nothing hat sich bisher als Marke positioniert, die für klares Design, transparente Kommunikation und ein werbefreies Nutzererlebnis steht. Doch mit der neuen Beta-Version von Nothing OS 4.0 scheint das Unternehmen nun an seinem eigenen Image zu kratzen. Das Update, das auf Android 16 basiert, ist jetzt für Besitzer des Phone (3a) und Phone (3a Pro) verfügbar – und sorgt wegen einer neuen Funktion namens Lock Glimpse für ordentlich Wirbel.
Was zunächst harmlos klingt, entpuppt sich als fragwürdige Entscheidung: Lock Glimpse soll laut Nothing „hochwertige, kuratierte Hintergrundbilder“ auf den Sperrbildschirm bringen. 
Doch hinter den schönen Bildern steckt Werbung. Die sogenannten „inspirierenden Inhalte“ sind in Wahrheit Werbelinks, die sich per Fingertipp öffnen lassen. Damit verwandelt sich der Sperrbildschirm praktisch in eine kleine Litfaßsäule.
Bekannt wurde das Ganze durch den Techblogger @AnshuTechblog, der Screenshots und Videos des Features auf X (ehemals Twitter) teilte. Auf seinen Aufnahmen ist zu sehen, dass jedes Hintergrundbild am unteren Rand einen Textausschnitt zeigt, der direkt zu Werbeartikeln oder gesponserten Inhalten führt. Statt einer ästhetischen Bilderrotation erhalten Nutzer also ein Werbefenster mitten auf ihrem Sperrbildschirm.
Die Situation wurde noch brisanter, als Reddit-Nutzer herausfanden, dass die Inhalte von einer chinesischen Werbeplattform namens Bouyan stammen. Das stieß vielen Fans sauer auf – schließlich hat Nothing sein Markenversprechen auf Minimalismus, Datenschutz und Nutzerzentrierung aufgebaut. Dass nun externe Werbedienste direkt in die Systemoberfläche integriert werden, widerspricht dieser Philosophie deutlich.
Immerhin: Lock Glimpse ist in der Beta-Version standardmäßig deaktiviert. Das unterscheidet Nothing von Herstellern wie Motorola und Samsung, deren ähnliche Funktionen – etwa der Glance Lock Screen – meist voreingeschaltet sind. Samsung ging dieses Jahr sogar noch weiter und stellte Glance AI vor, eine „intelligente“ Variante mit Shopping- und Content-Vorschlägen direkt auf dem Sperrbildschirm. Auch wenn Nothing keine KI-Funktionen erwähnt, wirken manche der neuen Hintergrundbilder verdächtig generiert – was viele Nutzer zusätzlich irritiert.
Die Reaktionen in den sozialen Medien waren heftig. Viele Fans sehen darin einen klaren Bruch mit dem bisherigen Selbstbild des Unternehmens. „Vom cleanen Design zur Werbefläche – was kommt als Nächstes?“ kommentierte ein Nutzer sarkastisch. Andere fordern, dass Lock Glimpse noch vor dem finalen Release gestrichen wird. Einige vergleichen das Feature sogar mit nervigen Werbeeinblendungen billiger Smartphones – ein Ruf, den Nothing bisher erfolgreich vermeiden konnte.
Beta-Tests sollen eigentlich helfen, Funktionen zu verbessern, bevor sie flächendeckend ausgerollt werden. Doch diese Kontroverse zeigt, wie sensibel das Thema Werbung im Smartphone-Interface ist. Nothing hat hier die Chance, auf seine Community zu hören – oder das Vertrauen der Nutzer zu verspielen. Wenn das Unternehmen seinem Anspruch als moderne, transparente Marke treu bleiben will, sollte Lock Glimpse besser wieder verschwinden, bevor Nothing OS 4.0 offiziell erscheint.
1 kommentar
Bouyan? Noch nie gehört, aber klingt nicht vertrauenswürdig