Wer den OnePlus 15 nur auf Fotos sieht, könnte ihn leicht unterschätzen. Das Design wirkt nüchtern, fast schon brav, vor allem im Vergleich zu den auffällig glänzenden Glas-Boliden anderer Hersteller. Kein extravagantes Kamera-Insel-Drama, keine mutige Farbexplosion. 
Doch genau dieser unaufgeregte Look täuscht: Im Inneren steckt eines der spannendsten Akku-Layouts, das wir seit Langem in einem Flaggschiff gesehen haben – und ein Energiepaket, das die großen Namen der Branche reihenweise alt aussehen lässt.
Während Fans des OnePlus 13 vielleicht dem hochwertig schimmernden Finish der Vorgängergeneration nachtrauern, verfolgt das OnePlus 15 eine andere Philosophie. Der Fokus liegt klar auf Alltagstauglichkeit: massive Akkukapazität, effiziente Hardware, stabiles Thermik-Design und ein flaches, gut bedienbares Display. Der Preis bleibt dabei unter der magischen 1.000-Euro- beziehungsweise 1.000-Dollar-Grenze, wodurch das Gerät im direkten Vergleich zu Galaxy S25 Ultra oder iPhone 17 Pro Max fast schon überraschend vernünftig wirkt.
Akkulaufzeit: Wenn andere schon blinken, läuft das OnePlus 15 weiter
In unseren Surf-Tests, in denen ein Skript endlos Webseiten über WLAN lädt, bis das Gerät abschaltet, hält das OnePlus 15 rund 10 Stunden und 44 Minuten durch. Das ist deutlich mehr als die knapp acht Stunden des Galaxy S25 Ultra oder die Laufzeit des iPhone 17 Pro Max. Das Pixel 10 Pro XL fällt sogar noch früher zurück. Was wie ein kleiner Unterschied in Tabellen klingt, wird im Alltag spürbar: Wenn andere Geräte im Pendelverkehr nach Hause bereits in den roten Bereich kommen, hat das OnePlus 15 noch Reserven.
Beim Dauer-Video-Test wird der Abstand noch größer. Hier marschiert das OnePlus 15 locker über die 30-Stunden-Marke, während typische Flaggschiffe im Bereich um etwa 20 Stunden herum pendeln. Für Nutzer bedeutet das: Langstreckenflug mit Serienmarathon, ein Wochenende mit viel Streaming oder ein verregneter Sonntag voller YouTube – das alles schafft das OnePlus 15, ohne dass man ständig das Akku-Icon beobachtet.
Richtig anspruchsvoll wird es in unserem Gaming-Szenario. Hohe Bildraten, konstante Last, Display permanent an – ein Horrorszenario für jeden Akku. Und doch spielt das OnePlus 15 über zwölf Stunden am Stück mit, bevor es aufgibt. Damit überholt es nicht nur klassische Allround-Flaggschiffe, sondern auch einige ausgewiesene Gaming-Phones, die eigentlich genau für solche Belastungen gebaut wurden. Dass dabei auch noch die Performance stabil bleibt, ist ein Bonus obendrauf.
Interessant ist, dass das OnePlus 15 diese Werte trotz harter Konkurrenz erreicht. Smartphones wie das Oppo Find X9 Pro, diverse Xiaomi-Modelle oder Foldables von Samsung bringen ebenfalls üppige Akkus mit. In der Summe der Tests schafft es das OnePlus 15 dennoch, aus seiner 7300-mAh-Zelle mehr real nutzbare Bildschirmzeit herauszuquetschen. Das ist kein theoretischer Laborrekord, sondern ein Vorteil, der jeden Tag spürbar wird.
Laden: großer Akku, aber kein Geduldsspiel
Ein riesiger Akku ist nur die halbe Miete, wenn er sich zäh wie ein alter Tablet-Klotz laden lässt. Genau hier zeigt das OnePlus 15 seine zweite Stärke. Mit dem beiliegenden Netzteil ist der 7300-mAh-Akku in etwa 45 Minuten von 0 auf 100 Prozent geladen. Nach rund 30 Minuten liegt der Ladestand schon bei ungefähr 68 Prozent – mehr als genug, um problemlos durch den restlichen Tag zu kommen, selbst bei intensiver Nutzung.
Kabellos dauert es naturgemäß länger, trotzdem bleibt das Tempo alltagstauglich. In unter zwei Stunden ist der Akku auch auf einem kompatiblen Wireless-Pad voll, und bereits der erste Halb-Stunden-Block liefert einen sinnvollen Zuwachs. Im Vergleich zu Geräten mit deutlich kleineren Batterien wirkt das OnePlus 15 dadurch erstaunlich effizient: Die Ladezeit wächst nicht im gleichen Maß, wie die Kapazität steigt.
Das Ergebnis: Man kann das Gerät problemlos so nutzen, wie man möchte – und nicht so, wie es der Akku diktiert. Wer abends vergisst zu laden, hängt das OnePlus 15 morgens kurz an die Steckdose, frühstückt in Ruhe und nimmt ein nahezu voll einsatzbereites Smartphone mit aus dem Haus. Dieses Gefühl von Freiheit ist schwer in Datenblättern abzubilden, macht aber im Alltag einen riesigen Unterschied.
Teardown: Ein Blick ins Innere des Energieriesen
Der Teardown, veröffentlicht von WekiHome und von der Community OnePlus Club ins Englische übersetzt, zeigt eindrucksvoll, wie radikal OnePlus das Innenleben im Vergleich zum OnePlus 13 umgebaut hat. Sobald die Rückseite abgenommen ist, dominiert praktisch nur ein Bauteil: der Akku. Die 7300-mAh-Zelle nimmt einen Großteil des verfügbaren Volumens ein, alle anderen Komponenten mussten dafür enger zusammenrücken und wurden teilweise neu angeordnet.
Technisch handelt es sich nicht um eine einfache, größer dimensionierte Standardzelle. Das OnePlus 15 setzt auf einen Silizium-Kohlenstoff-Akku, also eine Weiterentwicklung der klassischen Lithium-Ionen-Technologie. Durch Silizium im Anodenmaterial lässt sich mehr Ladung in der gleichen Baugröße speichern – eine Art "High-Density-Tuning" für den Akku. Das setzt allerdings ein aufwendiges Temperatur- und Lade-Management voraus, das OnePlus hier offensichtlich sehr ernst genommen hat.
Rund um die Zelle sind mehrere Schichten aus Graphit und Kupfer-Heatspreadern zu erkennen, die Wärme sowohl vom Akku als auch vom Chipset ableiten. Verstärkte Metallrahmen und Halterungen sorgen dafür, dass das Gerät trotz des großen inneren Hohlraums robust bleibt. In der Hand wirkt das OnePlus 15 entsprechend stabil, nichts knarzt, nichts wirkt billig – obwohl im Kern ein wahrer Akku-Gigant sitzt.
Speicher, Chips und Netzwerk: bekannte Namen, clever kombiniert
Der Teardown bestätigt außerdem die Herkunft vieler Kernkomponenten. Arbeitsspeicher und Flash-Speicher stammen von Samsung. Zum Einsatz kommt LPDDR5X-Ultra-RAM, der Daten mit bis zu 10.667 Mbit/s schieben kann, flankiert von schnellem UFS-4.1-Speicher. Diese Kombination sorgt dafür, dass Apps blitzschnell starten, Multitasking flüssig bleibt und große Spiele ohne lange Ladebildschirme auskommen – selbst dann, wenn zahlreiche Dienste im Hintergrund laufen.
Unter dem RAM sitzt Qualcomms Flaggschiff-Chip Snapdragon 8 Elite Gen 5, darüber der hauseigene OnePlus-G2-Gaming-Netzwerkchip. Letzterer soll speziell beim Online-Gaming für stabilere Verbindungen und niedrigere Latenzen sorgen, wann immer es das Netz hergibt. In der Praxis bedeutet das: hohe Bildwiederholraten, weniger Ruckler in Multiplayer-Titeln und ein insgesamt ruhigeres Spielerlebnis – mit dem schönen Nebeneffekt, dass der Akku aufgrund der hohen Effizienz trotzdem langsam sinkt.
Sound: laut, solide – aber kein HiFi-Ersatz
Auch beim Klang hat OnePlus nachgebessert. Im OnePlus 15 sitzen zwei symmetrische Stereolautsprecher auf Basis von AAC-1510-Treibern, jeweils in einem Metallgehäuse mit N’Bass-Akustikmaterial. Anders als bei früheren Modellen, wo unterschiedlich dimensionierte Speaker verbaut waren, entsteht hier ein deutlich ausgewogeneres Stereo-Bild. Filme, Serien und Games profitieren von einem breiteren Klangfeld und klareren Dialogen.
Trotzdem bleibt das Setup eher in der Kategorie "sehr brauchbar" als "High-End". Die Lautstärke ist beeindruckend, doch bei hoher Zimmerlautstärke wirkt der Sound bei komplexen Stücken etwas verdichtet, feine Details gehen ein Stück weit unter. Für YouTube, TikTok, Podcasts oder gelegentliches Gaming ist das vollkommen in Ordnung. Wer wirklich Wert auf audiophilen Klang legt, greift ohnehin zu guten Over-Ear- oder In-Ear-Kopfhörern – und dank der riesigen Batterie kann man die auch problemlos stundenlang via Bluetooth nutzen.
Kamera: alltagstauglich statt kamera-besessen
In Sachen Kamera versucht das OnePlus 15 nicht, absolute Rekorde zu brechen. Es konkurriert nicht direkt mit extrem kamera-fokussierten Geräten wie Xiaomi 15 Ultra, Oppo Find X8 Ultra oder vivo X300 Pro, die mit riesigen Sensoren und exotischen Periskop-Zooms um die Gunst von Foto-Enthusiasten kämpfen. Stattdessen setzt das OnePlus 15 auf ein rundes, praxistaugliches Paket, das für den Großteil der Nutzer mehr als ausreicht.
Tagsüber liefert die Kamera scharfe, kontrastreiche Bilder, Porträts gelingen zuverlässig, und auch Low-Light-Situationen werden ordentlich eingefangen – wenngleich nicht auf dem Niveau eines dedizierten Kamera-Flaggschiffs. Für Instagram, TikTok, Urlaubsfotos und Familienmomente reicht die Qualität locker. Wer jeden Stern im Nachthimmel zählen möchte oder ständig 100-Prozent-Crops vergleicht, wird woanders fündig. Doch wer sagen kann: "Hauptsache gut und zuverlässig" und dafür extrem lange Laufzeiten kassiert, fährt mit dem OnePlus 15 sehr gut.
Für wen lohnt sich das OnePlus 15 wirklich?
Das Profil des idealen OnePlus-15-Nutzers ist erstaunlich breit. Vielreisende, die lange Tage in Zügen, Flughäfen und Hotels verbringen, werden die enorme Ausdauer lieben. Gamer freuen sich, dass sie nicht nach jeder längeren Session panisch nach einem Ladegerät suchen müssen. Berufspendler, Außendienstler, Fahrer, Lieferdienste und alle, für die das Smartphone Arbeitswerkzeug und Kommunikationszentrale zugleich ist, profitieren ganz konkret davon, dass dieses Gerät einfach weitermacht, wenn andere längst ausgestiegen sind.
Hinzu kommt der Preisvorteil gegenüber vielen Ultra-Flaggschiffen. Trotz High-End-Chip, schneller Speicherbestückung, großem Akku und ausgereiftem Gesamtdesign bleibt das OnePlus 15 oft spürbar unter den Spitzenpreisen von Samsung und Apple. In Aktionszeiträumen wie der Black-Friday-Phase wird es damit schnell zu einem der attraktivsten Deals im Oberklasse-Segment.
Unterm Strich bestätigt der Teardown genau das, was die Benchmarks und unser Alltagseindruck schon angedeutet haben: Das OnePlus 15 wurde von innen nach außen um den Akku herum geplant. Erst wurde der Energiespeicher maximiert, dann wurde der Rest des Geräts darum gebaut. Herausgekommen ist ein Flaggschiff, das vielleicht nicht jede Kameradiskussion gewinnt und keine Design-Ikone ist, aber in der Disziplin, die für viele am wichtigsten ist – nicht im entscheidenden Moment schlappmachen – kaum Konkurrenz zu fürchten hat.
1 kommentar
Wenn das Ding mit einem guten Angebot kommt, sehe ich keine große Konkurrenz für Leute, die viel unterwegs sind