
Palworld: Palfarm und Pokémon Pokopia – Streit um Timing, Patente und Konkurrenz
Als Pocketpair Palworld: Palfarm nur eine Woche nach der Enthüllung von Pokémon Pokopia beim Nintendo Direct angekündigt hat, kochte die Diskussion in der Gaming-Szene sofort hoch. Für manche Fans war das ein dreister Versuch, auf den Pokémon-Hype aufzuspringen, andere hielten die Aufregung für überzogen und erinnerten daran, dass Spieleentwicklungen Jahre dauern und Ankündigungen langfristig geplant sind. Das Ganze wirkte wie das nächste Kapitel in der andauernden Rivalität zwischen Pocketpair und Nintendo.
Palworld: Palfarm soll ein gemütlicher Farm-Simulator werden, in dem man mit seinen Pals Felder bestellt, Samen pflanzt und Ernten einfährt. Das Spiel lässt sich solo oder im Online-Koop erleben. Neben ruhigem Farmleben verspricht Pocketpair auch Chaos-Momente: wilde Pals können die frisch geernteten Feldfrüchte stibitzen, während kleine Storybögen für Überraschungen sorgen. Die Mischung aus Gemütlichkeit und Unberechenbarkeit ist der Kern des Konzepts.
Pokémon Pokopia, geplant für 2026 auf der Nintendo Switch 2, setzt auf einen anderen Ansatz. Protagonist ist Ditto, der sich in einen Menschen verwandelt hat. Spieler lernen Fähigkeiten von befreundeten Pokémon, etwa Squirtles „Water Gun“ zum Bewässern vertrockneter Pflanzen oder Bulbasaurs „Leafage“ für schnelleres Wachstum. Dazu kommen Möbelbau, Gemüseanbau und das Errichten ganzer Siedlungen, die sowohl Menschen als auch Pokémon bewohnen. Ein Tag-Nacht-Rhythmus in Echtzeit, Wetterwechsel und verschiedene Regionen sollen das Erlebnis abrunden.
Das zeitliche Aufeinandertreffen beider Ankündigungen sorgte für wilde Theorien. Manche meinten, Pocketpair habe sein Spiel absichtlich früher enthüllt, um Plagiatsvorwürfen zuvorzukommen. Andere spotteten, die Entwickler müssten „Zauberer“ sein, wenn sie in einer Woche ein komplettes Spiel samt Trailer basteln können. Kommunikationschef John „Bucky“ Buckley reagierte mit Humor: „Die Aluhüte sind wieder unterwegs.“ Er wies auf die Absurdität hin, dass Pocketpair gleichzeitig als „Billigstudio“ verschrien werde, während man ihnen zugleich zutraue, in Rekordzeit ein komplettes Spiel fertigzustellen.
Die Situation erinnert an den Launch von Palworld Anfang 2024. Damals bekam das Spiel den Stempel „Pokémon mit Knarren“ und wurde sofort der Kopie beschuldigt. Nintendo reagierte mit Klagen auf Basis von Patenten zu Fang- und Reittmechaniken. Bemerkenswert: Diese Patente stammten ursprünglich aus 2021, wurden aber erst nach dem Erfolg von Palworld konkretisiert und neu formuliert, um gezielt gegen Pocketpair vorzugehen. Viele Juristen kritisierten dies als zweifelhafte Praxis.
Pocketpair passte das Spiel daraufhin mehrfach an: Die Pokéball-ähnlichen Sphären wurden entfernt, die Gleit-Mechanik verändert. Man wollte damit Konflikte entschärfen und gleichzeitig zeigen, dass man bereit ist, flexibel zu reagieren. Trotzdem machte der Fall deutlich, wie hart Nintendo um seine Vormachtstellung kämpft. Für Pocketpair ist es ein Kampf ums Überleben, aber auch eine Chance, sich als ernstzunehmender Herausforderer zu etablieren.
Hinter all dem steckt die Grundsatzfrage: Tut Konkurrenz der Branche gut, oder schadet sie? Viele Spieler sehen die Monopolstellung von Nintendo als Ursache für Stillstand in der Pokémon-Reihe. Spiele wie Sword and Shield oder Scarlet/Violet verkauften sich zwar hervorragend, wurden aber für schwache Technik, Bugs und wenig Innovation kritisiert. In diesem Umfeld werden Alternativen wie Palworld oder Palfarm als frischer Wind gefeiert – und als dringend nötiger Anstoß für Nintendo.
Kritiker von Pocketpair wiederum sehen im engen zeitlichen Abstand eine bewusste Provokation. Für sie geht es weniger um kreative Ideen, sondern um Aufmerksamkeit auf Kosten des Branchenriesen. Selbst unter Palworld-Fans herrscht Uneinigkeit: Hat das Spiel genug Eigenständigkeit oder lebt es vor allem davon, das „Nicht-Pokémon“ zu sein?
Doch das Genre der Farming-Sims hat schon immer Elemente geteilt. Von Harvest Moon über Stardew Valley bis Dragon Quest Builders tauchen Mechaniken wie Pflanzenpflege, Rohstoffsammeln und Dorfbau immer wieder auf. Oft entstehen ähnliche Ideen parallel, ohne dass eine Seite die andere kopiert. Genretypische Features sind schlicht Allgemeingut.
Bedrohlich wird es erst, wenn Patente als Waffe eingesetzt werden. Dass Nintendo alte Schutzrechte neu auslegt, um gezielt einen Konkurrenten zu treffen, ist ein Signal an die Branche: Wer zu erfolgreich wird, könnte juristisch ausgebremst werden. Doch Geschichte zeigt, dass Konkurrenz Innovation antreibt. In den 90ern zwang Sega Nintendo zur Weiterentwicklung. Shooter-Reihen wie Battlefield und Call of Duty existieren seit Jahrzehnten nebeneinander, weil Rivalität beide Seiten voranbringt. Warum sollte es bei Monsterspielen mit Farm-Elementen anders sein?
Pocketpair arbeitet derweil weiter am großen Update und am Release von Palworld 1.0 im Jahr 2026. Die Community bleibt gespalten: Manche machen sich über die „Aluhüte“ lustig, andere feiern das Studio als mutige Alternative. Sicher ist nur: Der Markt für gemütliche Monster-Sims wird vielfältiger, und Nintendo muss sich an den Gedanken gewöhnen, diesen Platz nicht mehr allein zu beanspruchen.
1 kommentar
pokopia sieht aus wie dragon quest builders copy lol