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Sora 2 überschwemmt von Pikachu- und Mario-Videos – Juristen schlagen Alarm

von ytools
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Der Start von Sora 2, der neuen Video-KI von OpenAI, hat das Netz im Sturm erobert – und gleichzeitig eine Lawine an Diskussionen ausgelöst. Kaum war die App online, überschwemmten User das Internet mit Clips, in denen Pikachu, Mario und andere bekannte Figuren in völlig absurden Szenarien auftauchen: Pikachu an der Front in Der Soldat James Ryan, Mario als Jedi-Ritter in Star Wars oder verrückte Crossover aus Portal, Tony Hawk’s Pro Skater und Twin Peaks.
Sora 2 überschwemmt von Pikachu- und Mario-Videos – Juristen schlagen Alarm
Was für viele Fans purer Spaß ist, bringt Juristen und Rechteinhaber ins Schwitzen.

OpenAI selbst hatte offenbar mit genau diesem Effekt gerechnet. Schon vor der Veröffentlichung ließ das Unternehmen durchblicken, dass Trainingsdaten Szenen und Inhalte enthielten, die zu solchen Fan-Experimenten führen würden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat OpenAI bereits Kontakt zu Filmstudios und Spielefirmen aufgenommen, um ihnen eine nachträgliche „Opt-out“-Option anzubieten – also die Möglichkeit, ihre Charaktere aus der KI-Generierung entfernen zu lassen. Ein ungewöhnlicher Schritt, da Urheberrechtsfragen normalerweise vor Veröffentlichung geregelt werden und nicht, nachdem schon Millionen Clips kursieren.

Bis dahin herrscht aber Wildwest-Stimmung. Pikachu spricht plötzlich wie ein Mensch, Mario schwingt ein Lichtschwert, und aus allen Ecken tauchen virale Videos auf, die von absurder Kreativität und gleichzeitig von rechtlichen Grauzonen zeugen. Für viele User fühlt es sich an wie ein neues Zeitalter der Internet-Remix-Kultur, für Unternehmen wie Nintendo wie eine offene Provokation.

Eine klare Grenze hat OpenAI allerdings gezogen: echte Menschen dürfen nur dann generiert werden, wenn sie ausdrücklich zustimmen. Normale User sind also tabu, ebenso Promis – außer sie geben grünes Licht. CEO Sam Altman selbst hat das getan und wurde prompt in Fan-Videos gegen Pikachu in epischen Lichtschwert-Duellen geschickt. Ein ironisches Beispiel dafür, wie unscharf selbst diese Grenzen sein können.

Juristisch bewegt sich das Ganze auf dünnem Eis. Der Anwalt Richard Hoeg, bekannt durch den Podcast Virtual Legality, erklärte gegenüber IGN: Das Training mit urheberrechtlich geschütztem Material könnte legal sein, solange die Daten rechtmäßig beschafft wurden. Problematisch sei aber vor allem die Ausgabe. Wenn KI-Systeme gezielt urheberrechtlich geschützte Figuren reproduzieren, könnten Firmen wie OpenAI schnell haftbar gemacht werden. „Das Recht bewegt sich viel langsamer als die Technik“, so Hoeg. „OpenAI rennt voraus, aber am Ende werden Gerichte festlegen, wo die Linie gezogen wird.“

Viele Beobachter halten das Opt-out-Angebot ohnehin für eher symbolisch. Sollte es als legal gelten, Trainingsdaten aus Filmen und Spielen zu verwenden, hätten Studios realistisch kaum Kontrolle. Entscheidend wird also sein, wie Plattformen die Ergebnisse regulieren. Und genau da lauert die größte Gefahr: Wenn OpenAI selbst Inhalte mit Mario oder Pikachu bewirbt, dürfte es nicht lange dauern, bis Abmahnungen ins Haus flattern.

Dass Nintendo und die Pokémon Company hart durchgreifen, ist keine Theorie, sondern jahrelange Praxis. Immer wieder wurden Fan-Games oder Mods aus dem Netz gefegt. Erst kürzlich musste Pokémon klarstellen, dass es keine Erlaubnis für die Verwendung von Ash Ketchum und dem ikonischen Titelsong in einem Video des US-Heimatschutzministeriums gegeben hatte. Die Botschaft war eindeutig: „Unsere Firma war weder an der Erstellung noch an der Verbreitung dieses Materials beteiligt.“

Parallel läuft bereits der Rechtsstreit gegen das Studio Pocketpair, die Entwickler von Palworld. Nintendo wirft ihnen vor, Patente verletzt zu haben, und selbst Branchenveteranen wie Yoshiki Okamoto sehen den Vorwurf als gerechtfertigt: Pocketpair habe „eine Linie überschritten, die nicht überschritten werden darf“. Wenn das schon für ein komplettes Spiel gilt, wie sollen dann tausende KI-Clips mit Pokémon und Mario toleriert werden?

Klar ist: Die kulturelle Wucht ist enorm. Für Fans ist Sora 2 ein Werkzeug, das Kindheitserinnerungen mit moderner Technik vermischt und Traum-Crossover Wirklichkeit werden lässt. Für Unternehmen ist es ein rechtlicher Albtraum. Wie die Gerichte entscheiden, steht noch aus – doch das Internet feiert schon jetzt. Ob Pikachu in Zukunft noch einmal im Schützengraben auftaucht, ist fraglich. Aber die Begeisterung, die Sora 2 ausgelöst hat, ist nicht mehr einzufangen.

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