
Predator: Badlands ist draußen, der Abspann setzt einen frechen Stich ins Fleisch – und schon kreist die Debatte: Baut Dan Trachtenberg heimlich an einer großen, vernetzten Jäger-Saga à la Avengers, oder bleibt er bei kraftvollen Einzelfilmen, die nur hier und da miteinander flirten? Nach dem Rekordstart ist das keine Nerd-Nische mehr, sondern die Leitfrage der Woche.
Wer den Lärm ausblendet, erkennt eine klare Handschrift. Trachtenberg betont, dass jedes Kapitel als vollständige Idee funktionieren muss. Verbindungen sind Würze, nicht Hauptgericht. Das erinnert an die frühe Phase der Superhelden-Ära: Erst Figuren und Emotionen verankern, dann – wenn es organisch ist – zusammenführen. Genau deshalb stecken in seinen Projekten zwar kleine Querbezüge, aber keine endlosen Zahnräder. In der Animationsproduktion Killer of Killers friert etwa ein ikonischer Verweis die Luft ein: Dutch (Arnold Schwarzenegger) in Stasis – eine Verheißung im Tiefschlaf. Die Saat ist da. Doch das Ziel verliert seinen Reiz, wenn der Weg dorthin nach Checkliste riecht.
Die Haltung: Standalone jetzt, Optionen später
Statt ein industrielles Netz aus Subplots zu spannen, setzt Trachtenberg auf Filme, die ohne Vorwissen tragen. Das ist das Gegenmittel gegen „Shared-Universe-Müdigkeit“. Wo Universen scheitern, fühlen sich Akte an wie Teaserreihen – Zwischenstopps statt Endpunkten. Trachtenbergs Gegenentwurf: Ein allfälliges Team-Up soll verdient wirken, weil wir mit den Figuren mitgewachsen sind, nicht weil der Konzernkalender es anordnet.
Diese Zurückhaltung adressiert auch die wachsende Skepsis vieler Fans. Die letzten Jahre zeigten: Vernetzung ohne Gefühl ist Rauschen. Publikum erkennt, wenn eine Story nur Vorbereitungsarbeit für übermorgen leistet. Die frühe MCU-Magie entstand, weil jeder Held zuerst allein funktionierte – die Zusammenkunft war Dessert, nicht Pflichtprogramm. Die Lektion heute: Nicht den Algorithmus kopieren, sondern den Grund erinnern, weshalb er je funktioniert hat.
Die Brotkrumen: Wie Hinweise gesetzt werden
Trachtenbergs Predator-Pfad ist bewusst vielseitig. Prey fachte das Interesse neu an, indem Perspektive und Stakes geschärft wurden. Killer of Killers verbog Ton und Format – und platzierte dabei Franchise-DNA mit chirurgischer Hand. Badlands schiebt nun einen Gang höher: weniger Sci-Fi-Horror, mehr breiter Sci-Fi-Action-Drive. Im Mittelpunkt steht erstmals ein Yautja als Protagonist: Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi), ein junger Jäger, der sich seinem Vater und seinem Clan beweisen will, indem er auf einem Todesplaneten ein Monster erlegt. Unterwegs trifft er Thia (Elle Fanning), einen Weyland-Yutani-Synth – ein eleganter Alien-Predator-Schulterblick, ohne Nostalgie zum Selbstzweck zu machen. Ziel ist nicht, 1987 neu zu tapezieren, sondern das Vokabular der Reihe zu erweitern, ohne die Raubtierzähne zu schleifen.
Als tonale Nordmarke ruft Trachtenberg offen Terminator 2: Judgment Day auf: größer, emotionaler, aber mit unverblüffter Klinge. Badlands sucht genau diesen Mix – Muskel, Herz, Lesbarkeit – damit Veteranen Tiefenschärfe finden und Neulinge keinen Atlas brauchen. Sollte es eines Tages zur großen Jagdversammlung kommen, trägt sie mehr Gewicht, weil diese Experimente zuvor echte Textur geschaffen haben.
Die Zahlen: Kasse kauft Freiheit
Zahlen schreiben keine Drehbücher, aber sie weiten den Spielraum. Predator: Badlands startete mit rund 80 Millionen US-Dollar weltweit (ca. 40 Mio. domestic, 40 Mio. international) – der stärkste Auftakt der Reihe, inklusive Alien vs. Predator. Zum Vergleich: The Predator (2018) eröffnete um 73,5 Mio. (inflationsbereinigt/aktuelle Raten). Rückenwind diktiert keine Handlung, doch er erlaubt Risiko. Eine gesunde Serie darf springen; eine strauchelnde klammert.
Was ein Team-Up leisten müsste
Angenommen, der Frost um Dutch bricht. Ein „Avengers-Moment“ darf keine bloße Aufstellung sein. Er muss Fäden verknüpfen, die bereits gespannt wurden: Erbe und Ethik der Jagd, die Kosten der Eskalation, der Kollisionskurs von Kodizes – Yautja-Ehre, Konzernlogik, menschliche Moral. Dutch ist der Mythos, an dem sich der Clan die Zähne ausbeißt – die Beute, die nicht stirbt. Dek verkörpert den Generationendruck: vor Vater und Kultur bestehen. Thia spiegelt die Hybris der Weyland-Yutani-Planer – glänzend verpackte Skrupellosigkeit. Zusammen ergibt das Reibung und Bedeutung – wenn die Drehbücher hinführen statt drumherum zu posieren.
Der Ton: Zwischen Biss und Breite
Heikel bleibt die Balance. Ein Teil des Publikums zuckt bei allem, was nach „disneyfiziert“ riecht: zu viele Gags, zu wenig Urangst. Der andere Teil begrüßt Zugänglichkeit, solange Härte und Haptik des Kampfes nicht wegpoliert werden. Die Lösung ist kein Zickzack zwischen Grimdark und Sprüchen, sondern ein klarer emotionaler Rücken für jeden Film. Badlands hält diese Linie weitgehend: Deks Weg ist aufrichtig, und wenn es wehtun soll, tut es weh.
Gegenwart vor Fan-Casting
Spannender als ein hypothetisches Gruppenposter ist die nächste eigenständige Etappe. Optionen gibt es reichlich: historische Settings neu aufreizen, die Konzern-Politik im All ausleuchten, Deks Initiation in Konsequenzen für den Clan überführen. „Ending Explained“-Clips haben bereits Puzzleteile sortiert, und die Community diskutiert sogar Praktisches (ja, eingebettete YouTube-Links statt hakeliger Player wären ein Geschenk). Wesentlich bleibt: Der nächste Film muss seine Daseinsberechtigung so verdienen wie Badlands – als Story, die man jetzt sehen will, auch ohne spätere Großlage.
Und darin liegt die stille Cleverness von Trachtenbergs Kurs. Hinweise gibt es zuhauf – die Kryokammer hat niemand übersehen –, aber die Filme sind kein Hausaufgabenhefter. Wenn die große Jagdzusammenkunft kommt, soll sie sich wie Wetter anfühlen, nicht wie Kalender: unvermeidlich, weil die Bedingungen reif sind. Bis dahin gilt der Satz, den Trachtenberg quasi als Maxime formuliert: Es ist nur cool, wenn der Weg dorthin sich genauso lohnt. Solange diese Regel gilt, hat Predator seine Reißzähne zurück.
1 kommentar
Badlands wirkt wie Marvel im Predator-Pelz – unterhaltsam, aber etwas mehr Dread wäre nice