Das japanische Unternehmen Rapidus sorgt derzeit für Aufsehen in der Halbleiterbranche: Die Firma hat bedeutende US-Kunden für ihren geplanten 2-nm-Prozess gewonnen und mischt damit den Wettbewerb gegen TSMC, Intel und Samsung neu auf. Rapidus hatte erst im vergangenen Jahr die Entwicklung seines „2HP“-Knotens angekündigt – nun geht es mit konkreten Partnerschaften einen Schritt weiter. Laut Präsident Atsuyoshi Koike arbeiten mehrere US-Firmen bereits an Prototypen, die auf der Rapidus-Technologie basieren sollen. 
Erste Testproduktionen starten voraussichtlich im kommenden Jahr. Für Japan, das lange von der globalen Chipspitze verdrängt war, ist das ein bemerkenswertes Comeback.
Besonders ins Auge fallen zwei Namen: IBM und Tenstorrent. Mit IBM arbeitet Rapidus schon seit geraumer Zeit eng zusammen – der US-Konzern liefert Packaging-Know-how, Patente und gemeinsame Forschung. Spannender ist jedoch die Kooperation mit Tenstorrent. Unter der Leitung von Jim Keller, einer Koryphäe der Chipentwicklung, die schon bei AMD und Intel wegweisende Architekturentscheidungen getroffen hat, treibt Tenstorrent den Einsatz von RISC-V für KI-Prozessoren voran. Dass Keller und sein Team Rapidus ins Boot holen, zeigt Vertrauen in japanische Ingenieurskunst und signalisiert den Willen, Alternativen abseits der etablierten Riesen aufzubauen.
Gerüchteweise soll auch NVIDIA Interesse zeigen, offizielle Zusagen fehlen aber noch. Trotzdem: Dass zwei Schwergewichte wie IBM und Tenstorrent frühzeitig einsteigen, verleiht Rapidus Glaubwürdigkeit. Zum Vergleich: Intel wirbt seit Jahren um ein Comeback bei modernen Fertigungsverfahren, doch Kunden zögern. Samsung kämpft derweil mit Ertragsproblemen und Terminverschiebungen. Rapidus dagegen hat Aufmerksamkeit und echtes Kundeninteresse geweckt – bevor die ersten Wafer überhaupt produziert sind.
Kritiker bleiben skeptisch. Von einem „führenden Chipkonzern“ könne bei Rapidus keine Rede sein: Das Unternehmen verfügt noch über keine Massenfertigungsanlagen, vieles basiert auf staatlicher Unterstützung und Ankündigungen. Beobachter erinnern daran, dass Japans Elektronikindustrie in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren hat – die Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt, sehen sie durchaus.
Befürworter halten dagegen: Diesmal sei die Ausgangslage anders. Neben IBM und Tenstorrent sind auch japanische Zulieferer wie Namics und Nagase eingebunden, die bereits für TSMC und Apple im Bereich Advanced Packaging tätig sind. Und da ASML weiterhin der einzige Anbieter von EUV-Lithografiemaschinen ist, ist Kooperation der Schlüssel. Rapidus, flankiert von massiver Regierungshilfe und internationalen Allianzen, könnte damit eine realistische Chance haben, sich langfristig zu etablieren.
Der Fahrplan ist ambitioniert: Schon Anfang 2026 sollen die ersten PDKs (Process Design Kits) an Kunden gehen. Mass Production könnte Ende 2026 oder Anfang 2027 starten – nahezu zeitgleich mit den angekündigten Roadmaps von TSMC und Intel. Koike betont jedoch, dass Qualität und Zuverlässigkeit Vorrang haben. In einer Branche, in der Vertrauen und Ausbeute entscheidend sind, wird es letztlich die Umsetzung sein, die über Erfolg oder Scheitern von Rapidus entscheidet. Klar ist: Japan mischt wieder mit, und Intel wie Samsung haben einen neuen ernstzunehmenden Rivalen.
3 kommentare
Interesse zeigen ist keine feste Zusage. Erst wenn Geld für Prototypen fließt, wird es ernst
lol, sogar ein Neuling sichert sich Kunden vor Intel. Echt peinlich
Mit IBM-Patenten allein baut man keine 2-nm-Chips. Das braucht jahrelange Iterationen auf atomarer Ebene