
Rockstar unter Druck: Entlassungen zwischen Leak-Vorwürfen und Gewerkschaftsstreit – was das für GTA VI bedeutet
Bei Rockstar Games, dem Studio hinter Grand Theft Auto und Red Dead Redemption, prallen gerade zwei Welten aufeinander: Sicherheitskultur und Arbeitnehmerrechte. Nachdem 30–40 Beschäftigte ihren Job verloren, warf die britische Gewerkschaft IWGB dem Unternehmen gezielte Zerschlagung von Organisierung vor. Rockstar widersprach und sprach von Fehlverhalten rund um angebliche „Leaks“. Öl ins Feuer goss ein langer Beitrag eines mutmaßlich internen Mitarbeiters im GTAForums, dessen Identität laut Moderator privat verifiziert wurde.
Der anonyme Poster schildert einen Ablauf, der viele kalt erwischte: HR habe Leute zu einem „kurzen Gespräch“ gebeten, nur um ihnen ein Kündigungsschreiben zu überreichen – Begründung: Vergehen im Zusammenhang mit Discord. Details oder Belege? Fehlanzeige. Wer vor Ort war, soll binnen Minuten begleitet worden sein; wer remote arbeitete, habe einen Anruf von unter zwei Minuten bekommen. Einige Betroffene seien krankgeschrieben gewesen, frisch aus einer OP oder in Familienzeit. Für sie ist ein abruptes Ende des Lohns besonders hart.
Der zentrale Punkt des Berichts: Der fragliche Discord sei kein Umschlagplatz für Spieledetails gewesen, sondern ein Raum für Gespräche über Arbeitsbedingungen und die formale Anerkennung der gewerkschaftlichen Gruppe. Gekündigt worden seien ausgerechnet Organisatorinnen und Organisatoren – darunter Leads, Artists, Designer, Programmierer und Producer mit langen, sauberen Akten. Der Zeitpunkt wirke kalkuliert: Gerade als die nötige Größe für Anerkennungsgespräche erreicht war, kamen die Kündigungen.
Unstrittig ist: In den vergangenen Jahren gab es echte Leaks rund um Rockstar, viele haben sie gesehen. Doch ob diese Welle von Kündigungen mit genau diesem Discord zu tun hat, ist öffentlich nicht belegt. Rockstar beharrt auf „Fehlverhalten“, hat aber bislang keine Beweise vorgelegt, die die Diskussion beenden würden. Deshalb fordern viele, den Streit aus aufgeheizten Threads in geregelte Verfahren zu bringen – Arbeitsgerichte, Aufsichtsbehörden, nachvollziehbare Prüfungen.
Die Machtasymmetrie ist klar: Organisierung ist langsam, formal und regelgebunden; Kündigungen sind schnell und endgültig. Wenn das geschilderte Tempo stimmt, entsteht ein Kälteeffekt: Wer bleibt, wird vorsichtig, und jede Form kollektiver Stimme wirkt riskanter – selbst dort, wo keine Regel gebrochen wurde. Umgekehrt gilt: Studios brauchen Geheimhaltung. AAA-Projekte kippen, wenn Builds, Tools oder Roadmaps wild zirkulieren. Diese Grundsätze schließen sich nicht aus – sie verlangen Transparenz darüber, was geprüft wurde, nach welchen Kriterien und mit welchen Belegen.
Die Community ist entsprechend gespalten. Ein Teil sympathisiert mit Entwicklerinnen und Entwicklern, traut Gewerkschaften aber nicht über den Weg, wenn sie als politisiert wahrgenommen werden. Andere winken ab: „Sollen Gerichte klären, nicht anonyme Posts.“ Wieder andere stören sich am Beweisloch: Wenn der Discord wirklich ein Leakhub war, warum gibt es keine belastbaren Nachweise? Wie so oft kippt die Debatte im Netz schnell in Off-Topic, Memes und Kulturkampf – der Sache hilft das nicht.
Parallel läuft die Uhr. In derselben turbulenten Phase hat Rockstar Grand Theft Auto VI erneut verschoben: neuer Termin ist der 19. November 2026. Solche Verschiebungen passieren; aber wenn zeitgleich erfahrene Leute gehen, trifft das die stillen Systeme eines AAA-Projekts: institutionelles Wissen, Pipeline-Abkürzungen, Toolchain-Kniffe, kreative Entscheidungswege. Fehlt dieses „Gedächtnis“, steigt die Gefahr teurer Reibungsverluste – und am Ende des Planschens im Kalender wartet oft: Crunch.
Das Fazit des anonymen Autors ist eine Warnung: Wenn diese Taktik durchgeht, wird sie zum Präzedenzfall. Er ruft zur Unterstützung der Entlassenen über etablierte Kanäle wie die Action Network auf. Ob man dem folgt, ist Privatsache. Die größere Frage bleibt: Welche Spielregeln will die Branche für Teams definieren, die Milliardenfranchises bauen?
Mein nüchterner Schluss: Informationsschutz und Mitbestimmung können koexistieren. Damit das gelingt, braucht es überprüfbare Verfahren und klare Kommunikation – keine Hinterzimmer-„Kurzgespräche“. Hat Rockstar harte Beweise, dass ein Gewerkschafts-Discord Leaks verbreitete, sollten sie auf den Tisch. Gibt es sie nicht, gehört der Vorwurf des Union Bustings ernsthaft geprüft. Die Veröffentlichung von GTA VI hat nun ein Datum; offen ist, ob der Weg dorthin von Vertrauen und Regeln geprägt ist – oder von der nächsten überraschenden Einladung ins HR-Büro.
2 kommentare
Leaks gab’s, klar. Aber ob DAS damit zusammenhängt? 🤷♂️
Bin kein Fan von Gewerkschaften im Game-Dev, aber der Zeitpunkt riecht komisch