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Samsung holt die Doppelspitze zurück: Zwei CEOs für die Ära von KI und Speicherkrise

von ytools
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Samsung stellt seine Führungsspitze neu auf und holt ein altes Modell aus der Schublade: Zwei gleichberechtigte CEOs sollen den Elektronikkonzern durch eine Phase führen, in der sich Speicherchips, Smartphones und KI-Infrastruktur rasanter verändern als je zuvor. Statt einer zentralen Schaltstelle an der Spitze setzt Samsung wieder auf eine Doppelspitze, die direkt aus den beiden wichtigsten Geschäftsfeldern kommt – Mobilgeräte auf der einen, Speicher und Halbleiter auf der anderen Seite.

Der Hintergrund dieser Rochade ist klar: Der Markt für Speicher durchläuft einen historischen Umbruch.
Samsung holt die Doppelspitze zurück: Zwei CEOs für die Ära von KI und Speicherkrise
KI-Rechenzentren saugen jede verfügbare HBM-Kapazität auf, Produktionslinien sind ausgelastet, die Preise für mobile DRAM wie LPDDR5 ziehen an, während gleichzeitig der Smartphone-Markt zwar anzieht, aber weit weg von der alten Bequemlichkeit ist. In dieser Lage wirkt ein einzelner CEO, der alles steuern soll, zu schwerfällig. Mit zwei Chefs, die direkt an der Front stehen, will Samsung schneller und näher am Geschehen entscheiden.

Warum Samsung zum Doppel-CEO zurückkehrt

Im neuen Setup übernimmt Präsident Roh Tae-moon, international als TM Roh bekannt, offiziell die Rolle des CEOs für die Sparte Device eXperience (DX). Er verantwortet damit das komplette Galaxy-Universum: klassische S-Modelle, Foldables, Wearables sowie große Teile der Unterhaltungselektronik. De facto hat Roh die Richtung des Mobilgeschäfts schon länger vorgegeben, doch mit dem CEO-Titel wird seine Rolle auch formell aufgewertet und direkt an die Gesamtstrategie gekoppelt.

Der zweite CEO ist Vizevorsitzender Jun Young-hyun, Chef der Division Device Solutions (DS). Hier produziert Samsung alles, was im Inneren moderner Elektronik steckt: Speicherchips, Flash, Controller und andere Komponenten. Besonders wichtig ist die Speicherlinie – von LPDDR5 für Smartphones bis zu HBM für KI-Beschleuniger. Dieses Segment war über Jahre der Profitmotor des Konzerns und wird im Zeitalter der generativen KI noch bedeutender. Indem Samsung Jun Young-hyun in die Doppelspitze hebt, macht das Unternehmen klar: Ohne starke Speicher- und Halbleiterbasis bleibt auch die glänzende Galaxy-Marke verwundbar.

Neuer Kopf für SAIT: Harvard-Professor soll Grundlagenforschung pushen

Die Neuordnung endet nicht an der Vorstandsetage. Jun Young-hyun gibt die Leitung des Samsung Advanced Institute of Technology (SAIT) ab, dem zentralen Forschungslabor des Konzerns. Künftig übernimmt Park Hong-kun, Professor an der Harvard University mit Schwerpunkt Nanowissenschaften und Quantentechnologie. Für ein Unternehmen, das traditionell stark auf interne Karrierepfade setzt, ist das ein ungewöhnlicher Schritt – und ein deutliches Signal.

SAIT kümmert sich nicht um das nächste Kamerafeature oder eine kleine Taktsteigerung im Prozessor, sondern um Grundlagenforschung: neue Materialien, experimentelle Chiparchitekturen, Quantenbauelemente und komplett neue Rechenansätze. Mit Park holt sich Samsung eine Stimme von außen ins Haus, die stärker akademisch geprägt ist. Die Hoffnung: Die strenge Ingenieurskultur des Konzerns trifft auf die freiere Denkweise der Universität – und aus dieser Mischung entstehen Technologien, die in fünf bis zehn Jahren ganze Produktgenerationen prägen.

Neuromorphe Chips: wenn Halbleiter sich wie ein Gehirn verhalten

Eine der wichtigsten Missionen für Park Hong-kun ist der Ausbau der Forschung an neuromorphen Halbleitern. Im klassischen Design sind Recheneinheit und Speicher physisch klar getrennt, Daten werden ständig hin- und hergeschoben. Neuromorphe Chips brechen dieses Muster auf und orientieren sich an der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns: Viele kleine Einheiten, in denen Rechnen und Speichern eng beieinander liegen und in großer Parallelität arbeiten.

Das Ergebnis kann drastische Effizienzgewinne bringen – gerade für KI-Anwendungen, die direkt auf dem Gerät laufen sollen. Statt jede Anfrage an die Cloud zu schicken, könnten Smartphones, Smartwatches, Kopfhörer, Autos oder Industrieanlagen komplexe Modelle lokal ausführen, mit weniger Energieverbrauch und kürzeren Reaktionszeiten. Gelingt es Samsung, diese Technologie vom Labor in marktreife Produkte zu überführen, hätte der Konzern einen klaren Differenzierungsvorteil im Wettlauf um intelligente, aber energieeffiziente Endgeräte.

HBM frisst Kapazität, LPDDR5 wird teurer

Parallel zur Vision für morgen muss Samsung jedoch mit den Problemen von heute umgehen. Der Hype um generative KI sorgt dafür, dass HBM – gestapelte Hochbandbreitenspeicher für GPUs und Beschleunigerkarten – praktisch ausverkauft ist. Die gleichen Fabriken, die HBM fertigen, sind auch für klassische DRAM-Produkte zuständig. Wenn mehr HBM durch die Linien läuft, bleibt weniger Kapazität für LPDDR5 übrig, was die Preise nach oben treibt.

Genau hier entsteht die Spannung innerhalb des Konzerns: Die DS-Sparte möchte möglichst viel HBM produzieren, weil die Margen hoch und die Großkunden bereit sind, kräftig zu zahlen. Die DX-Sparte braucht hingegen bezahlbare LPDDR5-Module, damit kommende Galaxy-Modelle preislich und technisch mithalten können. Mit der Doppelspitze sitzen beide Interessen wortwörtlich an einem Tisch. Kapazitäten, Preise und Prioritäten sind nicht länger eine interne Reiberei zwischen zwei Abteilungen, sondern Teil der gemeinsamen Chefagenda.

Galaxy S26 Ultra, Snapdragon 8 Elite Gen 5 und die Rechnung an der Spitze

Zur Kostenseite auf der Speicherfront kommt der Druck durch High-End-SoCs hinzu. Branchenleaks deuten darauf hin, dass das kommende Galaxy S26 Ultra exklusiv auf Qualcomms Snapdragon 8 Elite Gen 5 setzen soll. Für die Marketingabteilung ist das ein Traum: ein Ultra-Flaggschiff mit einer der stärksten Android-Plattformen seiner Zeit. Für die Controller, die die Stückliste kalkulieren, ist es dagegen ein teuerer Posten, der die Marge auffrisst.

Die Rechnung: teurere LPDDR5 durch den HBM-Boom, ein extrem kostspieliger Premium-Chip in der Zentrale und dazu der Erwartungsdruck, bei Kamera, Akku, Display und KI-Funktionen noch eine Schippe draufzulegen. Einfach den Verkaufspreis stärker anzuheben, ist keine bequeme Option mehr – der Ultra-Markt ist ohnehin schon an der Schmerzgrenze. Agilität bedeutet hier, in kurzen Zyklen Komponenten, Spezifikationen und Preispositionierung zu justieren, ohne dass die Produktstrategie ins Wanken gerät.

Macht die Doppelspitze Samsung wirklich schneller?

Modelle mit zwei CEOs sorgen in der Wirtschaftswelt traditionell für Diskussionen. Kritiker warnen vor unklarer Verantwortlichkeit, internen Machtkämpfen und Entscheidungsprozessen, die am Ende langsamer statt schneller werden. Samsung versucht, diese Risiken mit einem klaren Zuschnitt zu begrenzen: TM Roh steht für Marke, Nutzererlebnis und das sichtbare Produktportfolio, Jun Young-hyun für Fabriken, Speicherroadmap und Technologieplattform.

Dort, wo sich beide Welten überschneiden – etwa bei der Frage, welche Speicher- und SoC-Konfigurationen für bestimmte Gerätekategorien sinnvoll sind oder wie viel KI-Leistung auf dem Gerät versus in der Cloud erbracht werden sollte –, sollen die beiden Chefs gemeinsam entscheiden. Im positiven Szenario stärkt das die Abstimmung zwischen Chipentwicklung und Produktdesign, sodass Samsung den Vorteil ausspielen kann, sowohl Komponenten als auch fertige Geräte aus einer Hand zu liefern. Im negativen Szenario könnte die Doppelspitze zu Rivalitäten führen und Anleger verunsichern, die sich einen klaren Einzelverantwortlichen wünschen.

Fest steht: Die Botschaft aus Seoul lautet, dass Zeiten, in denen ein einzelner CEO alles zugleich sein sollte – Produktstratege, Fabrikplaner und KI-Visionär –, vorbei sind. Stattdessen setzt Samsung auf eine Aufgabenteilung zwischen Mobil- und Speicherarchitekt und ergänzt diese um einen Forschungschef, der neuromorphe und andere radikale Chipkonzepte vorantreibt. Ob diese Kombination die richtige Antwort auf die KI- und Speicherrevolution ist, wird sich in den nächsten Galaxy-Generationen und den kommenden Speicherzyklen zeigen.

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1 kommentar

GalaxyFan January 8, 2026 - 8:20 pm

Wenn diese neuromorphen Chips am Ende nur bedeuten, dass mein Akku länger hält, bin ich dabei 😅

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