Bei Samsung knirscht es an einer Stelle, an der das Unternehmen eigentlich am stärksten sein sollte: zwischen der hauseigenen Chip-Sparte und dem Smartphone-Geschäft. Während die Preise für DRAM-Speicher weltweit deutlich anziehen, soll die Halbleiterdivision Device Solutions (DS) ihrer Mobil-Schwester Mobile Experience (MX) die Daumenschrauben anlegen. Statt eines gemütlichen Rundum-sorglos-Vertrags bekommt die Galaxy-Abteilung offenbar nur noch kurzfristige Zusagen – und das zu deutlich höheren Preisen. Das Ergebnis ist ein interner Machtkampf, der sich am Ende sehr konkret im Preisschild des kommenden Galaxy-S26-Line-ups bemerkbar machen könnte.
DRAM im Aufschwung: Wenn Speicher plötzlich zum Luxusgut wird
Die Speicherbranche ist notorisch zyklisch: Auf Phasen mit Überangebot und Rabattschlachten folgen Jahre, in denen Kapazitäten knapp und Preise hoch sind. 
Aktuell befindet sich DRAM wieder klar in der Hochpreisphase. Branchenkreise berichten, dass der Vertragspreis für ein 12-GB-LPDDR5X-Paket von rund 33 US-Dollar zu Jahresbeginn auf etwa 70 US-Dollar geklettert ist. Das ist mehr als eine Verdopplung in kurzer Zeit. Für Nutzer wirkt das abstrakt, doch für ein Smartphone-Team bedeutet es: Die Stückkosten des Geräts steigen spürbar, nur weil ein einziger Baustein – der Arbeitsspeicher – plötzlich deutlich teurer ist. Gerade Flaggschiffe, die hochfrequente Displays, komplexe Kamera-Pipelines und On-Device-KI stemmen müssen, sind auf schnelle und effiziente RAM-Bausteine angewiesen.
Wenn der eigene Chip-Lieferant plötzlich hart verhandelt
Lange Zeit galt die interne Logik bei Samsung: Die MX-Sparte kann sich auf stabile, teils über ein Jahr laufende Lieferverträge mit DS stützen, inklusive planbarer Konditionen. Das erleichtert Budgetplanung, Stückzahlkalkulation und die Festlegung aggressiver Einführungspreise. Doch damit scheint vorerst Schluss zu sein. Statt eines mehr als zwölf Monate gültigen Rahmenvertrags sollen die Konditionen nun etwa alle drei Monate neu verhandelt werden. Für MX bedeutet das: Die Speicherbestellungen werden auf Quartalsebene heruntergebrochen, und die Preise orientieren sich deutlich stärker am angespannten Markt. Vereinfacht gesagt behandelt DS die hauseigene Smartphone-Sparte nicht mehr als bevorzugten „Familienkunden“, sondern als ganz normalen Großabnehmer, der um Kontingente kämpfen muss.
Top-Management muss schlichten – und bekommt nur Teillösung
Der Konflikt soll derart eskaliert sein, dass sich hochrangige Manager aus der Konzernspitze einschalten mussten. Trotzdem blieb der erzielte Kompromiss überschaubar. Laut Berichten konnte sich MX lediglich eine gesicherte DRAM-Versorgung für das vierte Quartal sichern – also im Wesentlichen bis zum Jahresende. Was danach passiert, hängt erneut von frischen Verhandlungen ab. Für ein Smartphone-Flaggschiff wie das Galaxy S26 ist dieses Setting alles andere als ideal. Die Geräte werden Jahre im Voraus geplant, Stücklisten müssen rechtzeitig fixiert werden, und ganze Marketing- und Preiskonzepte bauen auf stabilen Annahmen bei Kernkomponenten wie Speicher und Flash auf. Wenn sich genau diese Variablen alle drei Monate verschieben können, wird jedes Preisschild zum kleinen Wagnis.
DS folgt der Logik der Gewinnmaximierung
Aus Sicht der Chip-Sparte DS ist der Kurs hingegen konsequent. Analysten trauen Samsung für 2026 einen operativen Gewinn in der Größenordnung von 69 Milliarden US-Dollar zu – getragen von steigenden DRAM- und NAND-Preisen sowie besseren Ausbeuten beim fortschrittlichen 2-nm-GAA-Prozess. In solch einem Umfeld sind Produktionskapazitäten Gold wert. Cloud-Anbieter, Hyperscaler und andere Smartphone-Hersteller reißen sich um leistungsfähige Speicherchips. Gleichzeitig will Samsung sein Foundry-Geschäft bis 2027 nachhaltig in die Gewinnzone führen. Damit das gelingt, muss DS Wafer-Kapazitäten konsequent den lukrativsten Verträgen zuweisen. Interne Großkunden großzügig zu subventionieren, nur weil man im selben Konzern sitzt, passt nicht zu dieser Strategie. Für MX fühlt sich das hart an, aus Sicht von DS ist es schlicht betriebswirtschaftliche Logik.
Was bedeutet das konkret für den Preis des Galaxy S26?
Für Käufer stellt sich die Frage sehr praktisch: Wird das Galaxy S26 spürbar teurer? Die Gefahr ist durchaus real. Wenn die Mobil-Sparte Speicher näher am Marktpreis einkaufen muss, steigen die Kosten pro Gerät. MX hat mehrere Stellschrauben: Das Unternehmen kann den Einstiegspreis erhöhen, die Basismodelle mit weniger RAM ausstatten, die Aufpreise für Speicher-Updates deutlich anziehen oder versuchen, an anderer Stelle in der Hardware zu sparen. Jede Variante hat Haken. Ein höherer Startpreis schreckt Kunden ab, weniger RAM im Einstiegsmodell sorgt für Kritik in Tests und bei Power-Usern, und Einsparungen bei Kamera, Display oder Akku werden gnadenlos wahrgenommen. Hinzu kommt: Im Premium-Segment ist der Wettbewerb hart, Alternativen sind reichlich vorhanden, und die Zielgruppe vergleicht technische Daten Zeile für Zeile.
Frühe Käufer zahlen oft den vollen Preis – Rabatte kommen später
Ein Punkt relativiert die Sorgen allerdings etwas: Samsung ist bekannt dafür, seine Spitzenmodelle mit hohem Listenpreis zu starten und dann nach wenigen Monaten deutlich zu rabattieren. Bundle-Angebote mit Buds oder Watch, Trade-in-Programme, Cashback-Aktionen und knallige Online-Deals sind inzwischen Standard. Das bedeutet: Vor allem Early Adopter, die das Galaxy S26 in den ersten Tagen oder Wochen kaufen, dürften einen möglichen Speicher-Aufschlag direkt spüren. Wer hingegen traditionell abwartet, bis die ersten Preiswellen durch sind, könnte trotz teurerer DRAM-Bausteine wieder in halbwegs vertrauten Preisregionen landen. Der Kostenschock wäre dann nicht gleichmäßig verteilt, sondern trifft insbesondere die ungeduldigsten Fans.
Signalwirkung für die gesamte Smartphone-Branche
Über Samsung hinaus hat die Geschichte eine klare Botschaft für die Branche. Vertikale Integration – also Chips und Geräte aus einem Haus – garantiert keine dauerhaft günstigen Komponenten. Interne Lieferanten stehen ebenso unter Renditedruck wie externe. Wenn der Markt dreht, müssen auch Schwesterfirmen mit harten Verhandlungen rechnen. Für Hersteller ohne eigene Fabs kann die Lage sogar noch unangenehmer werden: Sie konkurrieren direkt mit Cloud-Giganten und Serveranbietern um knappe Speicherressourcen. Wie Samsung das Galaxy-S26-Line-up letztlich bepreist und ausstattet, dürfte daher nicht nur Fans der Marke interessieren, sondern auch ein Stück weit den Ton setzen, wie viel von diesem neuen DRAM-Boom am Ende tatsächlich beim Endkunden ankommt.
2 kommentare
Ganz ehrlich: Lieber 50 Euro mehr und dafür Kamera und Akku voll ausgereizt, als heimliche Sparmaßnahmen bei der Hardware
Wenn das S26 viel teurer wird, bleib ich einfach noch ein Jahr beim S22, läuft eh noch locker