Startseite » Nicht kategorisiert » Exynos 2600 und 2-nm-GAA: Wie weit ist Samsungs Massenproduktion wirklich?

Exynos 2600 und 2-nm-GAA: Wie weit ist Samsungs Massenproduktion wirklich?

von ytools
0 kommentar 6 ansichten

Der Exynos 2600 ist so etwas wie das heimliche Aushängeschild von Samsungs 2-nm-Offensive. Seit Monaten kursieren Berichte, dass der Konzern mit seinem 2-nm-GAA-Prozess (Gate-All-Around) schneller sei als die Konkurrenz, die ersten Ausbeuten überraschend ordentlich ausfallen und man sich damit einen Vorsprung für künftige Smartphone-Flaggschiffe sichern könne. Zusammen mit einem aufwendig produzierten Teaser-Trailer entstand schnell das Bild: Die Fertigung läuft, die Lager füllen sich – der Rest ist nur noch Marketing.
Exynos 2600 und 2-nm-GAA: Wie weit ist Samsungs Massenproduktion wirklich?
Ein neuer Bericht aus Korea bremst diese Euphorie nun deutlich aus und zeigt, dass die Lage komplexer ist, als es Werbespots vermuten lassen.

Wer schon länger Gerüchte aus der Chipbranche verfolgt, weiß: Man darf nichts für bare Münze nehmen, ohne die Quelle zu prüfen. Beobachter achten normalerweise auf vier Punkte: Wie vertrauenswürdig ist das Medium? Gibt es unabhängige Bestätigungen? Passen die technischen Details? Und wirken die Zeitpläne realistisch? Legt man diese Maßstäbe an den aktuellen Bericht an, landet er ungefähr in der Kategorie „zweifelhaft, aber nicht abwegig“. Also nichts, was man blind glauben sollte – aber auch kein Märchen aus einem anonymen Forum.

Der ursprüngliche Optimismus hatte jedoch einen realen Hintergrund. Ende September meldeten koreanische Medien, Samsung habe mit einer frühen Phase der 2-nm-Produktion für den Exynos 2600 begonnen und komme dabei bereits auf rund 50 Prozent Ausbeute pro Wafer. Für einen völlig neuen Fertigungsknoten ist das ein respektabler Start. Parallel dazu veröffentlichte Samsung einen Trailer, in dem der neue SoC offensiv in Szene gesetzt wurde. Viele Beobachter deuteten das als stillschweigende Bestätigung dafür, dass die Weichen für die Massenfertigung gestellt seien.

Genau hier setzt der neue Bericht von Money Today an: Demnach hat der Exynos 2600 die Schwelle zur echten Serienproduktion noch nicht überschritten. Stattdessen befinde sich Samsung weiter in der Ramp-Up-Phase, also im Hochfahren und Feintuning des Prozesses. Das klingt weniger spektakulär als „Mass Production“, beschreibt aber in Wahrheit den schwierigsten Teil des Weges: Aus einem Prozess, der im Labor und in Kleinstserien funktioniert, eine Fabrikroutine zu machen, die Tag für Tag Hunderttausende identische Dies mit kalkulierbarer Qualität ausspuckt.

Spannend ist auch der Blick auf die restliche Roadmap. Laut dem Bericht plant Samsung, in der zweiten Hälfte 2026 mit der Produktion von HBM4-Speicher zu starten – einem Schlüsselelement für High-End-GPUs und KI-Beschleuniger. Zu den Kunden sollen Größen wie NVIDIA gehören. Wenn eine Foundry HBM4 im großen Stil liefern will, muss die dazugehörige Fertigungsgeneration längst ausgereift sein. Das legt nahe: Die 2-nm-Technik, auf der später sowohl Logikchips als auch Speicher basieren, wird genau in den Jahren davor intensiv optimiert.

Schon früher war zu hören, dass sich Samsung intern das Ziel gesetzt hat, die Ausbeute des 2-nm-GAA-Prozesses von etwa 50 auf rund 70 Prozent bis Ende 2025 zu erhöhen. Diese Marke ist kein Zufallswert. Ab einem Yield in dieser Größenordnung wird ein neuer Knoten wirtschaftlich interessant: Jeder Wafer liefert genug funktionierende Dies, damit sich die sehr teuren Belichtungsanlagen, Masken und Materialkosten amortisieren. Erst dann lohnt es sich, externe Kunden in großen Stückzahlen zu bedienen und langfristige Verträge zu unterschreiben.

Ganz am Anfang steht Samsung dabei nicht mehr. Während über die Massenfertigung des Exynos 2600 diskutiert wird, hat sich der Konzern bereits konkrete 2-nm-Aufträge gesichert: Unter anderem von zwei chinesischen Herstellern von Kryptomining-Hardware sowie in Form eines milliardenschweren Deals mit Tesla für Automotive-Chips auf fortschrittlichen Knoten. Zusätzlich hat Samsung offizielle Leistungs- und Effizienzzahlen für seinen 2-nm-GAA-Node veröffentlicht. Das wären mutige Schritte, wenn die Technik lediglich ein theoretisches Konzept auf PowerPoint-Folien wäre.

Wie passt das alles zusammen – Marketing-Trailer, Kundenverträge und Benchmarks auf der einen Seite, Skepsis gegenüber der Mass Production des Exynos 2600 auf der anderen? Ein Teil der Antwort liegt in der Sprache. Für Marketingabteilungen beginnt „Produktion“ oft schon dann, wenn reale Wafer durch die Fabrik laufen, auch wenn die Stückzahlen noch klein sind. In der Fertigung spricht man erst von „Massenproduktion“, wenn hohe Volumina mit stabiler Qualität und akzeptabler Ausschussquote erreicht werden. Es ist daher gut möglich, dass der Exynos 2600 bereits in begrenzten Batches gefertigt wird, Samsung aber bewusst zögert, diese Phase offiziell als Vollgas-Start zu verkaufen.

Hinzu kommt der Smartphone-Fahrplan. Die Galaxy-S26-Serie wird für Anfang 2026 erwartet, üblicherweise im Februar. In der Gerüchteküche heißt es, dass zumindest ein Teil der Modelle auf den Exynos 2600 setzen soll. Damit das klappt, braucht Samsung nicht nur wenige Muster, sondern einen großen, verlässlichen Bestand an Chips deutlich vor Marktstart – plus Reserven für die Monate nach dem Launch. Rückwärts gerechnet muss die 2-nm-Produktion also im Laufe des Jahres 2025 deutlich hochgefahren werden, idealerweise bereits mit dem anvisierten höheren Yield.

Vor diesem Hintergrund wirkt eine vorsichtige Strategie sogar logisch. Jeder defekte Exynos-Die kostet Geld, Zeit und Maschinenstunden. Ist die Ausbeute noch zu niedrig, trägt jeder funktionierende Chip quasi die Kosten mehrerer „toter“ Geschwister mit. In so einem Szenario kann es sinnvoller sein, den Ramp-Up zu strecken: erst den Prozess stabilisieren, Masken nachjustieren, Rezepturen optimieren – und erst dann die Linien auf maximale Auslastung trimmen. Kurzfristig bremst das die Schlagzeilen, langfristig kann es aber darüber entscheiden, ob 2 nm für Samsung ein Prestigeprojekt oder ein profitables Standbein wird.

Unterm Strich wirkt der neue Bericht daher weniger wie ein Skandal und mehr wie eine Erinnerung daran, dass selbst bei großen Konzernen Physik und Yield-Kurven den Ton angeben. Auf einer fiktiven Gerüchte-Skala ließe sich die Story irgendwo bei rund 30 Prozent einordnen: nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber auch weit entfernt von einer gesicherten Tatsache. Sicher scheint vor allem eines: Samsungs 2-nm-Programm läuft, ist finanziert und hängt an prominenten Kunden. Die offene Frage lautet lediglich, wann genau der Exynos 2600 den Sprung von Teasern und Testläufen zur echten Großserie schafft.

Für Nutzerinnen und Nutzer heißt das: Der Exynos 2600 ist nicht vom Tisch, und Samsungs 2-nm-Ambitionen ebenso wenig. Doch der Weg zum ersten Smartphone, das in großen Stückzahlen mit einem 2-nm-Exynos ausgeliefert wird, könnte holpriger und länger ausfallen, als frühe Gerüchte versprachen. Die kommenden zwölf Monate werden zeigen, ob Samsung die vielen Erwartungen in stabile Lieferketten, konkurrenzfähige Performance und eine wirtschaftlich tragfähige 2-nm-Fertigung übersetzen kann – in Galaxy-Geräten, in Autos und in der nächsten Welle von KI-Hardware.

Das könnte Ihnen auch gefallen

Einen Kommentar hinterlassen