Seit Jahren verkauft Samsung die Galaxy-Ultra-Reihe als das Nonplusultra der Android-Welt: riesige Displays, Kamera-Monster, immer mehr KI-Features. Auf dem Datenblatt sieht das beeindruckend aus – bis der Blick zur Akkukapazität rutscht. Dort stand gefühlt ewig dieselbe Zahl: 5.000 mAh. 
Während chinesische Hersteller mit immer größeren Zellen und neuen Akku-Technologien experimentierten, blieb Samsung erstaunlich konservativ. Wer viel unterwegs ist und sein Smartphone wirklich durchprügelt, kennt dieses Gefühl nur zu gut: Alles wird moderner, nur der Akku fühlt sich an wie aus der letzten Generation.
Genau deshalb sorgten erste Leaks zum Galaxy S26 Ultra für so viel Aufmerksamkeit. Endlich, so schien es, durchbricht Samsung die magische 5.000er-Grenze. 5.200 mAh sollen es werden – ein Schritt, auf den manche Fans gefühlt seit dem Galaxy S20 Ultra warten. Auf dem Papier ist das ein Fortschritt und gibt Marketing und PR eine schöne Schlagzeile. Je länger man sich diese Zahlen aber anschaut, desto deutlicher wird: Das ist eher eine Pflichtübung als ein mutiger Sprung nach vorn.
In einem Markt, in dem manche Geräte schon als Akku-Monster mit 7.000 mAh und mehr vermarktet werden, wirken zusätzliche 200 mAh bei einem sündhaft teuren Ultra-Flaggschiff schlicht kleinlich. Man spürt fast, wie das Rechenblatt im Hintergrund dominiert: gerade so viel mehr, dass man über Apple lachen und gleichzeitig die eigene Linie nicht zu stark umbauen muss.
Endlich größerer Akku – aber kein Quantensprung
Nach mehreren Generationen mit identischen 5.000 mAh fühlt sich der Sprung auf 5.200 mAh beim S26 Ultra zunächst wie eine kleine Befreiung an. Endlich kann Samsung sagen: Wir sind über die symbolische Grenze hinaus. Auf Keynotes lässt sich das wunderbar erzählen: mehr Ausdauer, längerer Tag, weniger Stress mit der Steckdose.
Im Alltag wird der Unterschied aber vermutlich überschaubar bleiben. Vielleicht reicht der Akku für eine zusätzliche Serienepsiode im Zug, ein weiteres Ranked-Match abends auf der Couch oder ein paar Prozent mehr Restladung, wenn man nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt. Nett, keine Frage. Aber es ist nicht der Schritt, der das Nutzungsverhalten grundlegend verändert oder plötzlich aus einem Eintages-Smartphone einen entspannten Zweitages-Begleiter macht.
Dazu kommt: Akkulaufzeit ist längst mehr als ein nackter mAh-Wert. Moderne Chips setzen auf ausgefeilte Energiesparmodi, Displays passen Helligkeit und Bildwiederholrate dynamisch an, das System leert aggressiv Apps aus dem Speicher, wenn sie nichts mehr zu suchen haben. All das sorgt dafür, dass Geräte heute mehr aus der gleichen Kapazität herauskitzeln. Gerade deshalb wirkt es umso enttäuschender, wenn Samsung sich beim absoluten Wert nach so vielen Jahren dann doch nur in 200-mAh-Schritten vorantraut.
Schnelleres Laden als Trostpflaster
Um fair zu bleiben: Die S26-Ultra-Gerüchte drehen sich nicht nur um eine leicht größere Batterie. Auch beim Laden scheint Samsung endlich den Staub abklopfen zu wollen. Statt 45 Watt sollen künftig 60 Watt über das Kabel möglich sein, kabellos geht es von 15 auf 25 Watt hoch. Für treue Galaxy-Nutzer ist das ein spürbares Upgrade.
60 Watt bedeuten, dass der klassische Notfall-Lade-Stopp vor dem Verlassen der Wohnung deutlich entspannter wird. Ein kurzer Sprung an die Steckdose, vielleicht 15 oder 20 Minuten, könnte reichen, um das Gerät von kritischen einstelligen Prozenten auf ein Level zu ziehen, mit dem man den Nachmittag übersteht. Die 25 Watt im Wireless-Bereich machen die Ladeschale auf dem Schreibtisch oder Nachttisch außerdem endlich wirklich praxistauglich, statt nur ein langsames Schönwetter-Gadget zu sein.
Das Problem: Während Samsung sich Schritt für Schritt vortastet, sind viele chinesische Hersteller längst in einem anderen Tempo unterwegs. 80, 100 oder noch mehr Watt beim Schnellladen sind dort keine exotischen Marketing-Gags mehr, sondern teilweise Standard im oberen Segment – oft kombiniert mit deutlich größeren Akkus. Natürlich kann man zu Recht darauf hinweisen, dass extreme Wattzahlen auf Dauer nicht ideal für die Alterung des Akkus sind. Aber wer Premiumpreise aufruft, muss sich darauf einstellen, mit diesen Experimenten verglichen zu werden.
China spielt in einer anderen Akku-Liga
Aktuell sieht man im asiatischen Markt Geräte, die eher wie kleine Powerbanks mit Display wirken: 7.000, 8.000, teilweise sogar 10.000 mAh, oft gekoppelt mit neuen Zelltypen wie Silizium-Carbon-Lösungen, die bei ähnlichem Volumen mehr Energie speichern können. Diese Smartphones sind nicht immer super schlank, aber sie senden eine klare Botschaft: Wir nehmen Akkulaufzeit ernst, und zwar als Kernargument – nicht als Fußnote im Datenblatt.
Für Vielnutzer ist genau das entscheidend. Wer ständig in Videokonferenzen hängt, unterwegs Content produziert, stundenlang Mobile Games zockt oder einfach den ganzen Tag im Mobilfunknetz unterwegs ist, merkt jede Stunde zusätzlicher Screen-on-Time deutlich. Und genau diese Menschen sind die Zielgruppe, die sich eigentlich wie selbstverständlich für ein Ultra-Modell entscheiden sollte. Wenn diese Zielgruppe dann aber sieht, was andere Hersteller im Akku-Bereich wagen, wirkt der S26 Ultra trotz aller Verbesserungen erstaunlich vorsichtig.
Samsung gegen Apple: Zahlenkosmetik auf dem Datenblatt
Interessant wird es im Duell mit Apple. Das iPhone 17 Pro Max dürfte bei der reinen Kapazität nicht weit vom S26 Ultra entfernt liegen, gleicht vieles jedoch über Effizienz, eigenes Silicon und ein stark verzahntes System aus. Lange Zeit konnte Samsung immerhin argumentieren: Unser Akku ist größer, Punkt. Dass die reale Laufzeit nicht immer dramatisch besser war, ging im Marketing unter.
Mit 5.200 mAh kann Samsung dieses Argument formal aufrechterhalten. In Vergleichstabellen und Werbespots lässt sich wunderbar zeigen, dass der Galaxy-Akku größer ist als der des iPhone-Spitzenmodells. Wer aber hofft, dass sich das in ein klar spürbares Plus im Alltag übersetzt, dürfte enttäuscht werden. Zwischen zwei Flaggschiffen mit moderner Hardware sind 200 mAh Differenz selten der Gamechanger, den die Werbung suggeriert.
In den Kommentarspalten taucht dann zuverlässig der Vorwurf auf, Kritiker seien doch nur Apple-Fanboys, die nie zufrieden sind. Dabei geht es gar nicht darum, Cupertino zu feiern. Im Gegenteil: Viele der nervigsten Trends – vom Wegfall der Klinke bis zum leeren Karton ohne Netzteil – stammen von Apple und wurden später von Samsung einfach übernommen. Wenn man schon bereit ist, die fragwürdigen Ideen zu kopieren, darf man sich als Nutzer fragen, warum die guten, wie echte Akku-Offensiven, nicht genauso schnell aufgegriffen werden.
Kein Apple-Fanboy – nur müde von Minimal-Upgrades
Die Frustration über das Akku-Upgrade des S26 Ultra kommt also nicht aus einer blinden Apple-Verehrung, sondern aus einem jahrelangen Stau an Erwartungen. Es ist jedes Mal dasselbe Muster: Erst lacht Samsung über eine Apple-Entscheidung, dann folgt man ihr mit einem gewissen Sicherheitsabstand – siehe Klinkenbuchse oder Netzteil. Und bei Themen, in denen man wirklich mutig vorangehen könnte, bleibt es bei vorsichtigen Schritten.
Man muss nur einen Blick in die Zukunftsgerüchte werfen: Angeblich arbeitet Apple an einem faltbaren iPhone mit deutlich größerer Batterie als die des Galaxy Z Fold 7. Fast automatisch entsteht die Prognose, dass ein Z Fold 8 plötzlich Platz für mehr Akku finden wird. Ähnliches Spiel beim Display: Kommt ein iPhone-Jubiläumsmodell ohne sichtbare Aussparung für Kamera und Face-ID-Sensoren, wird es kaum überraschen, wenn ein zukünftiges Galaxy-Flaggschiff kurz darauf mit einem sehr ähnlichen Ansatz aufschlägt – möglicherweise ein paar Monate früher, um offiziell als Erster dazustehen.
Wie ein wirklich mutiger Akku-Plan aussehen könnte
Man stelle sich vor, Samsung würde beim S26 Ultra einen anderen Weg gehen. Statt der Minimalerhöhung auf 5.200 mAh könnte es eine klare Akku-Strategie geben: zum Beispiel eine Ultra-Variante, die ganz offen dicker und schwerer ist, dafür aber echte Zweitages-Laufzeit unter Volllast liefert. Kombiniert mit einem Kühlsystem, das Leistung hält, ohne das Gerät zu überhitzen, und einer Software, die den Energieverbrauch nachvollziehbar priorisiert, wäre das ein Statement, das weit über simple Zahlen hinausgeht.
Denkbar wären auch mutigere Schritte bei der Akku-Architektur: gestapelte Zellen, wie man sie aus dem E-Auto-Bereich kennt, oder Mischkonzepte, die hohe Kapazität und lange Lebensdauer kombinieren. Wenn ein solcher Ansatz dann noch von einem sinnvollen Schnelllade-Konzept begleitet würde – gerne auch inklusive vernünftigen Netzteils – hätte Samsung wieder ein echtes Alleinstellungsmerkmal, statt nur den mAh-Zähler minimal nach oben zu schieben.
Zukunft: Hinterherlaufen oder endlich vorangehen?
Niemand bestreitet, dass die Konkurrenz zwischen Apple und Samsung die Smartphone-Welt nach vorne gebracht hat. Ohne diesen Zweikampf hätten wir heute vermutlich keine derart krassen Displays, keine Kamera-Zooms, die kleine Fernrohre ersetzen, und auch keine faltbaren Geräte, die sich langsam aus der Nische herausarbeiten. Gleichzeitig hat dieses Rennen uns aber auch Entscheidungen beschert, die den Alltag nicht unbedingt besser machen: weniger Anschlüsse, weniger Zubehör, höhere Preise.
Beim Thema Akku steht Samsung nun an einem Scheideweg. Der Schritt auf 5.200 mAh und schnelleres Laden ist nicht nichts, aber er wirkt wie ein Minimum, um das Gesicht zu wahren. Die eigentliche Frage lautet: Traut sich die Marke, bei Ausdauer und Energie-Management so mutig zu sein, wie sie es bei Display, Kamera und Software-Features längst ist? Oder bleibt es bei kleinen Kosmetik-Updates, die gerade genug sind, um auf dem Datenblatt gut dazustehen?
Der Galaxy S26 Ultra wird für viele Nutzer trotzdem ein fantastisches Smartphone sein. Aber wer seit Jahren darauf wartet, dass ein Ultra-Modell den Akku-Stress im Alltag wirklich beendet, dürfte dieses Mal wieder nur halbfroh sein. Weil ein Plus von 200 mAh und ein paar Watt mehr beim Laden einfach nicht nach dem großen Befreiungsschlag klingen, den der Name Ultra verspricht.
1 kommentar
Klinke weg, Netzteil weg, da hat man Apple blitzschnell kopiert – aber bei großen Akkus ist dann plötzlich Vorsicht angesagt, klar…