
Galaxy Z TriFold: weshalb Samsung sein wagemutigstes Smartphone in kleinen Dosen ausliefert
Selten geht Samsung so vorsichtig vor wie beim Galaxy Z TriFold. Was man aus südkoreanischen Industriekreisen hört: Für die Startphase sind lediglich 20.000 bis 30.000 Geräte geplant – eine Anhebung gegenüber den im Juli kolportierten 10.000, aber für Samsung-Verhältnisse immer noch ein Fingerzeig. Die Botschaft ist klar: Nachfrage messen, echte Nutzungsszenarien verstehen, Kinderkrankheiten glätten – und erst dann hochfahren. Zumal der Einstiegspreis bei rund 2.000 US-Dollar liegen dürfte.
Wie klein dieses Volumen ist, merkt man im Vergleich: Selbst der als eher lauer Erfolg geltende Galaxy S25 Edge kam im ersten Monat auf rund 650.000 Verkäufe. Vor diesem Hintergrund wirkt der TriFold-Ansatz wie ein bewusstes Pilotprojekt: keine riskanten Lagerbestände, keine überhasteten Zusagen an Lieferketten, sondern ein kontrollierter Markttest. Dass seit der ersten Komponentenwelle vergleichsweise wenige vertiefte Gespräche mit Zulieferern durchgesickert sind, passt ins Bild: Samsung will sich jede Option offenhalten.
Warum die Zurückhaltung Sinn ergibt
Ein Triple-Fold treibt Mechanik und Fertigung an die Grenze. Zwei Scharniere – eines mit besonders engem Radius – müssen drei Displaysegmente präzise choreografieren, ohne sichtbare Falten, ohne Spannungen im Laminat, ohne Toleranzdrift bei Hitze oder Verschleiß. Yield-Raten können schwanken; jeder Prozentpunkt kostet. Gleichzeitig muss die Software mithalten: Fensterlogik, Zustandsübergaben und intelligente Layouts für ein ~10-Zoll-OLED sind kein Wochenendprojekt.
Designentscheidung: nach innen schichten statt nach außen wickeln
Samsung setzt auf inwärts faltende Paneele, die sich dank engerem Radius teilweise überlappen und so die empfindlichste Fläche im geschlossenen Zustand schützen. Das unterscheidet sich von Huaweis Mate XT, der Innen- und Außenfaltung kombiniert. Die Samsung-Variante priorisiert Alltagstauglichkeit und Schutz – bezahlt mit etwas kräftigeren Rändern und erhöhter mechanischer Komplexität. Im Hosentaschen-Alltag fühlt sich der TriFold geschlossen eher wie ein robustes Buch an, geöffnet wie ein Mini-Tablet.
Hardware – was zu erwarten ist
- Displays: innen ein ~10-Zoll-OLED (zum Vergleich: Galaxy Fold 7 liegt bei ~8″), außen ein praktisches ~6,5-Zoll-Panel für schnelle Interaktionen.
- Kameras: Dreifach-Setup mit 200 MP Hauptsensor und bis zu 100× Hybrid-Zoom, dazu 12 MP Ultraweit und 10 MP Tele mit 3× optisch. Ziel: Keine Kompromiss-Kamera nur wegen des Formfaktors.
- Energie: Drei Akkus mit zusammen über 5.000 mAh, möglicherweise auf Silizium-Kohlenstoff-Basis, um Gewicht zu verteilen und die unterschiedlichen Nutzungsmodi besser zu bedienen.
- Leistung: Erwartet wird Qualcomms Snapdragon 8 Elite Gen 5 – alles andere wäre in dieser Preisklasse schwer vermittelbar.
- Gehäuse: Eine Titan-Struktur soll die Scharniere versteifen und Dellen vorbeugen; Nachteil können zusätzliche Gramm sein.
Für wen taugt ein Tri-Fold wirklich?
Für Early Adopter und Power-User, die parallel in Notizen, Dokumenten, Messenger und Referenzen arbeiten. Man stelle sich vor: links ein annotiertes PDF, rechts die Tastatur mit Notiz, oben der Chat – alles gleichzeitig sichtbar. Draußen im Feldbetrieb eignen sich die drei Flächen für Karten, Checklisten und Handbücher; Kreative können Storyboards, Skizzen und eine Videotimeline nebeneinander arrangieren, ohne dauernd Fenster zu jonglieren.
Der Knackpunkt bleibt die Wahrnehmung von Nutzen und Preis jenseits der Nische. Selbst wenn Ergonomie und Robustheit überzeugen, filtert der Preis viele aus. Entscheidend ist daher die Software-Seite: Bringen große Apps echt dreiteilige Layouts, die sich auf dem TriFold selbstverständlich anfühlen, kann der Funke überspringen. Andernfalls droht das Image einer beeindruckenden Tech-Demonstration auf der Suche nach dem Killer-Use-Case.
Worauf es jetzt ankommt
- Fertigungssignale: Zusätzliche Zulieferaufträge deuten auf steigendes Vertrauen hin; anhaltende Funkstille eher auf einen bewusst kleinen Kurs.
- Haltbarkeit: Lebensdauer der Scharniere, Sichtbarkeit der Falte, Kratzresistenz des Außendisplays.
- Gewicht & Dicke: Triple-Fold-Geräte sind naturgemäß dichter; Balance und Griffgefühl werden über Kauf oder Nichtkauf entscheiden.
- Software-Reife: Multitasking-Politur, Gesten, Fenster-Raster – all das muss intuitiv wirken.
- Preis & Pakete: Aggressive Trade-ins, Enterprise-Bundles und Garantien könnten Zaudernde abholen.
Fazit: Das ist keine Mutlosigkeit, sondern ein kontrollierter Start. Wenn die ersten Nutzer den Wert eines „10-Zoll-Displays für die Hosentasche“ belegen, folgt die Skalierung. Falls nicht, bleibt der TriFold dennoch ein wertvoller Blick in die Zeit nach dem klassischen Foldable – mit klaren Lehren für Technik, Software und Produktion.
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